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DIE

SCHRIFTEN DER RÓMISCHEN | FELDMESSER

HERAUSGEGEBEN UND ERLAUTERT

VON

F. BLUME K. LACHMANN UND A. RUDORFF

ZWRITER BAND ERLÄUTERUNGEN UND INDICES

BERLIN DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER

1852

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ERLÄUTERUNGEN

ZU DEN

SCHRIFTEN DER RÖMISCHEN FELDMESSER

VON

F. BLUME K. LACHMANN TH. MOMMSEN UND A. RUDORFF

INDICES von

_ E. BURSIAN

BERLIN ! DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER

1852

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UEBERSICHT.

Ueber die Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. Von Blume. S.1-—78.

Ueberhaupt S. 1—6. Erste Classe. Die arcerianische Handschriftenfamilie $.6 —41. I. Codex Arcerianus S. 6 30. Il. Abschriften und Auszüge $.390—41. 1. Die Abschrift des Basilius Zanchi S. 30. 2. Der Auszug des Metellus Sequanus, später codex Memmianus, Colbertinus, Parisiensis regius 7229? 5.31. 3. Die Abschriften des Tilius und Gentianus Hervetus S. 32. 4. Die nticanische Abschrift. Cod. 3132. S. 34. 5. Die jenaische Abschrift S. 36. 6. Die Abschrift des Nansius (1 1595) S. 39. 7. Der Auszug des loseph Scaliger (T 1609) jetzt Ms. Scal. 56A in Leyden S. 39. 8. Die Abschrift des loh, Arcerius, jetzt in Weimar, Cod. G. 98. S. 40.

Zweite Classe. Die Handschriften mit justinianischem Recht S. 41 50. l. Die Handschrift von S. Omer S. 42. 2. Die palatino-vaticanische Hand- schrift, Nam. 1564. S. 43. 3. Die Brüsseler Handschrift, Bibliotheque de Bour- gogne. N. 10629. S. 47. 4. Die Münchener Excerpte,S. 48. 5. Die Wiener Excerpte S. 48. 6. Abschrift in Leyden No. 53, Vossianus c. S. 48.

Brite Classe. Die Trümmerhandschriften S. 50—64. 1. Die Handschrift des Gallesius Massa S. 51. 2. Die Alciati'sche Handschriftenfamilie S. 54. Textabdrücke S. 63.

Vierte Classe. Die Handschriften des Pseudo-Boethius S. 64-— 73.

Zusütze der Herausgeber S. 73. 74.

Vorarbeiten für künftige Ausgaben S. 74. 75.

Ausgaben und Abdrücke der agrimensorischea Sammlungen, chronologisch geordnet S, 76 —78.

Ueber die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. Von Lachmann. S. 79— 96.

. Demonstratio artis geometricae S. 82. Die Geometrie des Boethius S. 90. " „ontocker Handschrift in den auf die demonstratio folgenden Stücken : 931—996.

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vI Uebersicht.

Ueber Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. Von Lachmann. $S. 97—142.

Sextus lulius Frontinus S. 101. Frontins erstes und zweites Buch $. 112. Des Balbus (nicht Frontins) expositio formarum S. 131. Der ältere Hyginus S. 136. Aggeni Urbici commentum S. 142.

Die bri coloniarum. Von Mommsen. S. 143—220.

I. Zweck, Abfassungszeit, Schicksale des grossen Werkes des Balbus S. 145. 1. Balbi expositio formarum S. 146. 2. HRalbus de asse S. 150. 3. Die - formae des aufgetheilten Ackers S. 151. 4. Das Städteverzeichniss I, 209—266. Unterscheidung einer ältern und jüngern Redaction, liber coloniarum I und II S.157. 5. Ungleichfórmigkeit der einzelnen Abschnitte in der Epitome S.160. 6. Zweck der Abfassung und Epitome: Verzeichnung des ager:dipisus et ad+ signatus S. 102. 7. Palatinische Form der ältern Rédaction S. 165. 8. Die jüngere Redaction S. 167. 9. Zusammenhang mit: der spáter& italischen Pro- vinzialverfassung S. 172. Entstehung der Epitome im Bureau des Vicarius urbis um 450. Vermutblicher Titel liber regionum urbicariarum S. 174. Damalige Stellung der Mensoren S. 174. 10. Notiz im Arcerianus üben Balbus unter Augustus als Verfasser des epitomirten Werkes S..1760. Vermischung mit dem Reichscensus S..177. Zeit, Nachträge, Ordnung des itbér Bate S. 178. 179. 1H Anhang zum Stääteverzeichniss: die smenswrae miti et. terminorum S. 179. 12. Verhäliniss der expositio: zum Städteverzeichniss- S. 180. 13. Un- euverlässigkeit der Trümmer des St&dtevérzdichnisses: S. 181.

]I.' 14. Bemerkungen über die Districtseintheilung Itatiens' S. 188. 15. Die eilf Regionen des Augustus S. 189. Bezirke für die Erbschaftsstener S. 190. Legati für Transpadana S. 190—192. 16. Gerichtssprengel seit Hadrian S. 192. 17. Alimentar- und Polizeidistricte S. 195. 18. Die Aurelianischen Verwaltungs- und Jurisdictionsbezirke "S. 196. 19. Maximian's Bestimmungen über die Lie- ferungen (Nord-) Italiens an den Hof S. 198. Lieferungen an die Stadt Rom S. 199. 20. Die annonarischen, urbicarischen und suburbicarischen Land- schaften S. 200. Mittelinstanzen zwischen 306 und 320: vicarius Italiae und vicarius urbis Romae S. 202. 21. Provinzen des nördlichen Vicariats S. 203. 99. Die suburbicarischen Provinzen. Lucania, Bruttii, Apulia, Calabria S. 204. 23. Campania S. 205. 24. Samnium S. 206. 25. Tuscia und Umbria S.207. 26. Flaminia und Picenum S. 208. 27. Die drei Inseln S. 211. '

Zusatz über den Arcerianus S. 215. Notiz über eine Handschrift des Petrarca S. 219.

Ueber die ler Mamilia Roscia Peducaea Alliena Fabia. Von Mommsen. S. 221—226.

Gromatische Institutionen. Von Rudorff. S. 227 464.

Cromatische Institutionen der Römer S. 229. Neuere Bearbeitungen s. 233.

Il. Wesen und Benennung der Gränze. 1. Scheidende und einigende Natur: finis und configium S. 234. Ager, territorium, regio, fundus, locus S. 235. Rustike Bezeichnung des Bauerhofes: casa, casales, casalia S. 235. Doppelte Sicherung der Gränze. Grünzmark: observatio, observabilia S. 236.

Uebersicht. vit

H. Grönzfrieden. 2. Verbände der Gränznaehbarn nach dus sacrum, pagus und wies S. 238. Städtebildung S. 239. Stádtebünde:S. 240. Aufgehen im rmischen erbis S. 241. Bruch des Grünzíriedens S. 241. Consecratio capitis des ältesten Rechts S. 243. Ackergesetz des Gaius Cäsar (sogenannte. fex Mamilia) S. 244. Gesetz Nerva's, Rescript Hadrian's S. 248. Die Rechts- sammlungen S. 249.

III. Arcifinien und Territorien. 3. Kriegerische Gránzbollwerke nach tw gentium: arces S. 250. Bezeichnung. der durch Landwehren begränzten Gebiete: arcifinius ager, territorium, occupatorius, sotutus ager S. 251. Bedeutung im römischen Staate S. 253. 4. Arten der Lendwehren. Naturgränzen: Ge- birge S. 255. 5. Bäche und Flüsse S. 288. Gemischte Gränzen: Waldungen S. 259. 7. Haine: fines templares S. 260. 8. Hünengräber: fines sepullurarti, cinerarii S. 204. 9. Verschiedener Anbau 8. 267. 10. Grángbáume S. 267. 11. Todte Einfriedigungen S. 289. 12. Wege S. 271. 13. Künstliehe Marken: termini S. 271. Material S. em. Gestalt S. 273. Belege S. 275. Aufschriften und Zeichen S. 276.

IV. Lex und consecralio velus. 1%. Limitation nach ius proprium peregrinorum. ‘Anerkennung derselben in Rom S. 277. 15. Fortdauer der alten Landmaasse neben dem römischen Staatsmaass S. 278. 16. Die ägyptische Limitation insbesondere 8.283: -

V. Die Rechteverschiedenheiten der andgebieie im römischen Reiche. 17. Condiliones dgrorum nach ius civile S. 284. 18. 1) Staatsrechtliche und gromatische Eintheilung S. 284. 19. à) Aufgetheiltes Land (ager. dieisus: et adsignatms) : Colemiegebiete, nicht Kaufland (ager q«taestorius) S. 285. 20. Cesturistioea und Sirigation (Scamnation) des ager colonicus S. 288. 2]. Ausdehnung beider Formen auf das Lager und die Eroberungen: S. 200. 22. Erklärung des Unterschiedes S. 292. 23. b) Vermessung ohne Auftheilung (ager per eaciremitatem mensura comprehensus) S. 298. 24. c) Ungetheiltes und unvermessenes Land (ager ‘aroifinius) S. 300. 25. 2) Privatrechtliche Unterschiede S, 302.. 26. a) Privateigenthbum (ager prisatus). Die römischen Heredien S. 302. 27. Privatlard in den. Colonieen. 28..in den italischen Ban- desstaaten S. 305. 29. b) Freies Staats- oder Gemeindegut (ager publicus) in publico oder privato n S. 310. Compascua. Possessio S. 311. Einfluss der Vetustas S. 314. 30. c) Gemischtes Recht (ager publicus privatusque, privatus vectigalisque). Kaufland. Vectigalland. Provinzialland (ager redditue) S. 315. 31. 3) Landwirthschaftliche Verschiedenheiten. Bonitirungsclassen S. 318.

VI. Die römischen Agrimensoren. 32. Augurn. Finitoren S. 320. _Regie- rungsfeldmesser S. 321. Thätigkeit: Beurkandung, bezugsweise Richteramt bei Militaircolonieen, Grundsteuern und Ganggerichten S. 323. -

VII. Die Militaircolonieen und Landschenkungen; 33. Römischer Begriff der Colonie S. 323. 34. der Militaircolonie S. 328. Entschädigungscolonieen S. 331. 35. Stiftungsordre (iussus principis) S. 331. 36. Curatoren und Limitatoren S. 333. 37. Kreutzesform, stella, groma p 335. Cyltellatio und varatio S. 340. 38. Die vier Regionen (partes). Grund dieser Vorstelfang S. 341. 39. Stelluhg gegen Abend, Zweitheiler (decumanus) und Viertheiler (cardo) S. 342, gegen Morgen S. 345, gegen Süden S. 346., Utilitátsprincip S. 348. 40. Fahrstrassen. Staatsservitut dés Durchmarsches S. 349. 41. Com- pagnieloose (centuriae). Decurien S. 351. 42. Beurkundung durch Steine und deren Aufschriften S. 352. 43. Anweisung S. 356. 44. Beschaffenheit der

VIR Uebersicht.

Loose S. 360. 45. Maass des Looses S. 362. 46. Verloosung S. 366. und Einführung S. 369. 47. Rechtsverhältniss der Veteranen S. 370. Recht der spätern ferrae limitaneae und castellorum S. 371. 48. Eigenthumsrecht. Ver- leihung zur Cultur? S. 372. 49. Römisches Eigenthum in den Provinzial- colonieen italischen Rechts? S. 373. 50. Optimum iue fundi privatif S. 378. 51. Vererbung S. 380. 52. Veráusserung der Veteranenloose S. 381. 53. Ent- schädigung der expropriirten alten Besitzer S. 384. 54. Fundi excepti und cencessi S. 387. 55. Schnitzel (subseciru) S. 390. 56. Grössere ‚Reste (loca relictu) S. 393. 57. Gemeine Aenger und Weiden S. 395. 58. Gemeinde- waldungen S. 397. 59. Flussgebiet S. 309. 60. Landwege S. 400. 61. Zu- gekaufte Güter. Praefecturen S. 402. 62. Beurkundung der Limitation durch Documente S. 404. 63. Ueber die casae litterarum des Innocentius S. 406. 64. Ergänzung. und Erneuerung einer Militaireolonie S. 409. 65. Titularcolenieen. Vorrang der Municipien in der republikanischen, der Colonieen in der kaiser- lichen Periode. Grund dieser Rangordnung S. 413.

VIII. Strigae, scamna und latercult. 66. Bedeutung dieser Formen S. 418. 67. Strigation und Scamnation der Privatpossessionen in den Provinzen S. 420. 68. Laterculi bei den Domainen des Staats oder Princeps S. 420.

IX. Die Ganggerichte (controversiae agrorum). Grundcharakter. . 69.. Dop- pelte Function der Agrimensoren: Beistand und Feldrichteramt S. 422. 70. Unter- scheidung der Nachbarstreitigkeiten (iurgia) von den lites. S. 424. 71. Be- sichtigung. Arbitri, euntes S. 427. Einzelne Controversen. 72. Kataloge S. 430. 73. Ueber die Stellung eines Gránzsteins (de posilione terminorum) S. 431. 74. den rigor finalis S. 432. 75. die Anwende (Anis) S. 433. 76. über einen Streitfleck (de lóco privato) S. 442. 77. das Flüchenmaass (de modo) S. 445. 78. das Eigenthum einer privativen Holzung (de proprietate) 8. 447. 79. Besitz (de possessione) S. 448. 80. Anschutt und Abtrieb (de alluvione et ablvvione) , Inseln und Flussbett S. 451. 81. Hoheits- und Weichbilds- gröänze (de iure territorii) S. 454. 82. Subseciva S. 455. 83. Staatsgüter (de locis publicis) S. 457. 84. Reste (de locis relictis et extraclusis) S. 459. 85. Heiligthümer und Gräber (de locis xacris et religioeis) S. 459. 86. Regen- wasser (de aqua pluvia arcenda) S. 462. 87. Wege (de itineribus) S. 463. Ueberfoll der Baumfrucht (de glande legenda) S. 464.

Beilagen. S. 465 478.

I. Ebert's Beschreibung des Codex Arcerianus S. 467. Il. Desgleichen des Codex Gudianus S. 471. III. Nachtráge zur ersten Abhandlung über die Handschriften und Auagaben der

Agrimensoren S. 473. - u IV. Vergleichung der Römischen Feldmessersammlung mit der Geodäsie des

Heron von Alexandrien S. 477. Indices. Von E. Bursian. S. 479—532.

I. Index verborum S. 481. II. Index geographicus S. 521. HI. Index nominum S. 529.

Zusammenstellung der Seitenzahlen in der Ausgabe von Goesius (1674) mit den entsprechenden Seiten der gegen- wärligen Ausgabe. Von Blume. S. 533— 536.

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UEBER DIE HANDSCHRIFTEN UND AUSGABEN DER AGRIMENSORFN.

VON BLUME.

Römische Feldmesser II. l1

I. Kunst der Handschriftenkritik würde leicht zu erlernen und anzuwenden sein, wenn dabei blos zu ermitteln wäre, ob ein Abschreiber sieh versehen, ob er falsch gelesen oder beim Dictiren falsch gehört, ob er etwas ausgelassen oder sonst sich verschrieben habe. Dies sind allgemeinere Fragen, welche allerdings bei jedem. überlieferten Texte einer Erle- digung bedürfen. Wenn aber der Zweifel entsteht, ob der Schreiber den Text absichtlich geändert habe, weil er sich zum Emendiren berufen glaubte, oder für seinen Privat- gebrauch zu excerpiren dachte, oder gar als eigentlicher Autor mitreden woke; dann verlassen uns die allgemeinen Regeln der Kritik, und die besonderen, welche für den vor- liegenden Fall geeignet sind, müssen oft erst mit glüklichem Tacte errathen werden, bevor sie sich demonstriren lassen. Deshalb darf denn ein redlicher Kritiker sich auch ein paar vergebliche Versuche nicht verdriessen lassen; denn ohne Gründe soll er niemals ändern, und was nicht durch den Erfolg selbst seine Bestätigung findet, bleibt nuzlose, oft gefährliche Wilkür.

Diese Schwierigkeiten sind aber bei der Samlung rö- mischer Agrimensoren in solchem Grade und auf so com- plicirte Weise vorhanden, wie schwerlich in irgend einem ähnlichen Falle. Treffend und grossartig hatte Niebuhr sie in der ersten Ausgabe seiner römischen Geschichte (Th. II S. 533. wieder. abgedrukt in Niebuhrs kleinen historischen und philologischen Schriften. Zweite Samlung 1843. 5. 81

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4 - BLUME

bis 107) angedeutet, und ich darf seine Worte unverändert wiederholen, da sie leider in der zweiten Ausgabe seines Werkes weggelassen sind. „Wir verlieren uns in einem Bilde von Rom’s Schiksalen und der Umgestaltung Italiens, wenn wir in diesen sonderbaren Fragmenten ein Bruchstük der Schrift eines etruskischen Aruspex aus dem fünften Jahr- ‚hundert der. Stadt finden, anderswo 'einen Ingenieur reden hören welcher Trajan bei der. Eroberung, Daciens diente, und die Höhe ‚der Siebenbürger Alpen, mass, und endlich, in der jüngsten der verschiedenen Samlungen, Auszüge aus ‚einem Buch des weisen, sein Zeitalter unterrichtenden Pabstes Gerbert, vom Schluss des zehnten Jahrhunderts unserer Zeit- rechnung antzeffen, Alle Zeiten des römischen Namens ste- hen hier neben einander: die alte Aruspicin und Religion, und das Christenthum:, Plebiscite. und Titel. aus dem theo- dostanischen Gesezbuch und den Pandecten; uraltes Latein, ‚und das beginnende Italienische des siebenten Jahrhunderts. Der Ort wo die Samlung gemacht ward, die Zeit in der sie entstand, smd ein Räthsel, und wenn: wir es lösen, so finden wir uns zu Rom in dem Zeitalter wo die gefallene Haupt- -stadt mit dem allerdichtesten Schleier verhüllt ist.“ Doch die Eleniente dieser agrimensorischen Pandecten, von denen uns zweimal ein liber XII angeführt wird‘), waren gewiss schon früher zusammengetragen. Hyginus erzählt von seiner eigenen Samlung kaiserlicher Edicte aus der Zeit des Domitian; sie mäg den Kern gebildet haben, an welchen später die agrimensorischen Excerpte aus dem theodosischen Codex nocli später‘ die aus Justinians Samlungen sich an- Bezten;

Die Schriften der ersten Meister in diesem Fache wur- zelten in dem Boden eines achtbaren, oft ehrenvollen und

1) Seite 310 Zeile 1. S. 351 Zeile.20 ünserer Ausgabe.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 5

‚einflussreichen Gescháftslebens; ohne alle Eleganz, sind sie doch correct und verstándlich geschrieben. Balbus, Fron- ünus, Hyginus, auch Siculus Flaccus waren zwar keine Classiker, aber doch Schriftsteller im wahren Sinne des Wortes; während [Innocentius ,.um die Mitte des vierten Jahrhunderts, inehr den Ton des gemeinen Technikers er- kennen lässt. Als aber zu grossartigen practischen Arbeiten die Veranlassungen schwanden, dienten jene Werke in den Geometerschulen zur Ausbeute für geistlose Repetenten, von denen sie verstümmelt und mit einem Wuste barbarischer Dialectik verbrämt wurden. So fanden sie die Abschreiber, die ohne alles Verständnis dessen was sie copirten, und ohne sichern Anhalt beim Auflösen zahlreicher Abbreviaturen, sich gedankenlos durcharbeiteten, auch wohl im Blinden nach vermeinten Verbesserungen tappten. Auszüge aus Boethius, Cassiodor und Isidor von Sevilla wurden eingemengt, und während der Name des wahren Autors öfter verschwand, ward ein Simplicius, der nie existirt hat, der Zahl der alten Gromatiker hinzugefügt. Selbst der gelehrte Abt Gerbert, (Sylvester II) der sich im zehnten Jahrhundert mit ihren Schriften beschäftiget hatte, ist später zum Autor in diesem Fache gemacht worden.

Das ist, im Allgerheinen, das Schiksal der Samlung ge- wesen, deren Handschriften jezt näher naehzuweisen sind. Schon vor sechzehn Jahren (1835), im siebenten Bande des Rheinischen Museums für Jurisprudenz, war dieser Nach- weis von mir versucht worden; seitdem aber hat sich, haupt- süchlich durch Lange?) und Lachmann ?), zum Ergänzen und Berichtigen mehr als eine Veranlassung ergeben. -

2) Hygini gromatici liber de munitionibus castrorum ed. Chr. Conr. Lud- Lange. 1848. pag. 7 —32 der Prolegomena.

3) Zum Theil sthon durch seine tabellarische Uebersicht der von ibm be- nuzten Handschriften, pag. VII— XI vor unserdr Ausgabe. _

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6 un BLUME

Es hat sich keine einzige Handschrift erhalten, welche frei von den Interpolationen des Agenius Urbieus wäre; was wir besizen, kan nur nach den Zusäzen, Umstellungen und Abkürzungen noch spüterer Zeiten in bestimmte Classen gesondert werden. Vier solcher Classen lassen sich dabei mit Sicherheit unterscheiden: die arcerianische Hand- schriftenfamilie, die Handschriften mit justinianischem Recht, die Trümmerhandschriften und die des Pseudo- Boethius. | |

b 3

| ‚Erste Classe , Die arcerianische Handschriftenfamilie.

L Ueber den Stammvater dieser Familie, den in Wolfen- büttet befindlichen Codex Arcerianus, oder Augusteus fol. 36, 23, aus dem sechsten oder siebenten. Jahrhunderte, bleibt auch jezt, nach Ebert's ausführlicher Beschreibung ‘), so Vieles nachzutragen und so manches Räthsel zu lösen, dass jede Wiederholung des dort schon Berichteten möglichst zu vermeiden, und vielmehr auf jene Beschreibung ausdrük- lich zu verweisen ist. Was aber hier vor Allem herauszu- heben bleibt, ist der Umstand, dass es eine Doppelhand- schrift ist, und noch dazu in doppeltem Sinne.

Erstens ist es in sofern eine Doppelhandschrift, als sie aus zwei verschiedenen Abschriften besteht, so dass sie auch jezt noch mehre grössere Stücke doppelt” enthält. Die Grenze zwischen diesen beiden Hälften (bei Lachmann A und B) verräth sich ganz unverkennbar an der Quater- nionenzählung, mit der erst die zweite Abschrift beginnt; sie findet sich jezt zwischen fol. 85 und 86 der ganzen Hand-

4) Bibliothecae Guelferbytanae codices graeci et latini classici. 1827. peg. 5— 12. Dazu Lange pag. 7 19.

Handsehriften und Ausgaben der Agrimensoren. 7

sehrift ). Die erste Hälfte ist (mit Ausnahme von fol. 2 bis 8 und fol. 15 bis 22) in einer Columne, die zweite durchweg in zwei Columnen geschrieben *): die erste zählt 28, die zweite 26 Zeilen auf jeder Seite; die erste enthält Zeichnungen und Bilder, die zweite nicht. Auch die Schrift- züge sind verschieden; die der ersten Hälfte sind altertüm- licher, am Ende der Zeilen oft eine Art Cursiv- und in Ueberschriften oft Capitalschrift; die der zweiten dagegen durchaus nur Uncialsehrift. Ueberdies ist die zweite Hälfte nur zum Theil eine echte Schwester der ersten (z. B. in der Pars II. des Agenus, wo sie nur das Wort respicit fol 94* col 1: vor der ersten Hälfte fol. 76^ voraus hat), wührend sie in anderen Stücken offenbar auf ein eigenes Original hinweiset. Dies Lezte ist nicht blos bei denjenigen Stücken der Fall, welche der ersten Hälfte ganz fehlen, d.h..beim Pseudosimplicius"), dem s. g. Hyginus de limbus, dem auch in unserer Ausgabe fehlenden Hyginus de castrametatione und dem liber Balbi ad Celsum 5); son- dern auch bei der lex Mamilia u. s.w., wo nicht nur statt der räthselhaften Unterschrift in der ersten Hälfte; „Exp. Hygini Gromatici constitutio feliciter“, auf fol. 157 oben geschrieben ist: „liber Hygini gromaticus exp.“

5) d.h. nach Ebert’s Beschreibung p. 9, zwischen den Stücken lit. v und w.

6) In Lachmann’s Ausgabe sind nicht die Blätter, sondern die Columnen gezählt worden.

7) Da der hernach zu erklärende Name Simplicius, der in unserer Ausgabe ganz verschwunden ist, für die Geschichte der Agrimensoren- Handschriften unvermeidlich bleibt, so muss hier sogleich bemerkt werden, dass er von den bei Ebert unter lit. x erwähnten Blättern 95 108 des Arcerianus iu verstehen ist. In Lachmann's Tabelle pag. VIII sind dies die Columnen B 39—91, in der Ausgabe des Textes die Seiten 62— 77. 281—284. 59 62.

8) Bei Ebert lit. y, z und cc; in Lachmann’s Tabelle col. 91 —206 und 288. |.

8 BLUME

sondern auch eine Menge offenbarer Fehler vermieden sind. So namentlich das deinde statt d. d. (fol. 68» verglichen mit fol. 157*), die falsche Erklärung des d. m. durch: hoc est dummodo, welche sich fol. 68° in den Text eingeschwärzt hat; und endlich am Schlusse die falsche Stellung einer ganzen, Zeile in der ersten Hälfte (fol. 69*), welche in der zweiten (fol. 157^) mit Recht um zwei Zeilen hinaufgerükt ist. Solche Dinge für freie Verbesserungen eines Schreibers- zu halten, der doch so eben in dem zweiten, Theil des Agenius den. gröbsten Unsinn buchstäblich eopirt hatte, ist unmöglich.

Zweitens ist der Arcerianus aber auch in sofern eine Doppelhandschrift zu nennen, als die vier lezten Quaternionen nebst dem Schlussblatt des vorhergehenden (fol. 125 157) eine Zeitlang abgerissen, und, besonders geheftet, als eigener Codex in anderen Hánden waren, als das übrige. Davon zeugt teils der noch (1835) vorhandene besondere Umschlag, teils die Aufschrift auf dem untern Rande desselben: „Sum: Petri Scriverij“, und wieder fol. 125 unten: „Petri Seriverij.“ | |

Diese lezte Thatsache muss uns nun vor Alem: vor irrigen Zählungen der arcerianischen und scriveriahischen Handschriften bewahren. Denn nicht nur Rigaltius spricht im J. 1614, wenn auch nur von Hörensagen, von Arceriana ffagmenta und Arcerianae scidae, sondern auch noch in der Vorrede von Keuchen’s Ausgabe des Frontinus vom J. 1661 heisst es: „Veterem cod. MStum, qui alter Arcerianus fuit, nobis suppeditauit uir nobiliss. et coniunctiss. Pet. Heimbachius, Serenissimi Electoris Brandenburgici Consiliarius ac Historiographus.* Die Veranlassung zu die- ser Trennung scheint in der von Scriver unternommenen Ausgabe des Hyginus de munitionibus castrorum, zu einer

Handschriften und Ausgaben .der Agrimensoren. 9

Zeit, als ihm der ganze Codex noch nicht gehörte, gelegen zu haben: dieses Fragment ward ihm geborgt, er verborgte es weiter an Pontanus*), worauf er später den gan- zen Codex eigentümlich erwarb. In dem: Verzeichnis der Scriverschen Handschriften vom J. 1663 '°), als sie durch Meistgebot für Wolfenbüttel erstanden wurden, erscheinen alle Stücke des Arcerianus wieder in einen Band vereiniget, in welchen, wie der Augenschein und Ebert's Beschrei- bung lehrt, noch viele Excerpte und Notizen von Seriver und Anderen mit hineingebunden sind! .

Seit der Erwerbung der arcerianischen Handschrift. für Wolfenbüttel hat sich nur noch durch die vorübergehende

9) Lange Prolegomena pag. 4 17. 10) Libri appendiciarii bibliothecae Scriuerianae. Amstelod. 1663. 4:

N. 105. Fragmenta artis mensoriae ex cod. ms. Basilii Zanchi. Aggeni Vrbici de controuersiis agrorum. [Nicht nach Wolfenbüttel gekommen. ]

N. 109. Yeterum aliquot de dimensionibus itemque qualitate agrorum fragmenta. .Hos scriptores ex antiquissimo codice descripsit et notis ac uariis lectt. instruxit Theodorus Arcerius. [Wahrscheinlich die jezt in Weimar befindliche Arcerianische Abschrift.] '

N. 118. Iul. Frontinus Siculus de diuersis agtorum mensuris e Mss. erutus a Pt. Scriuerio. [Nicht in Wolfenbüttel]

N. 136. Scriptores aliquot ueteres finium regundorum in antiquissimis membranis ante mille annos literis capitalibus scripti. Hic liber olim fuit Magni Erasmi. Scripta quae in illo inueniuntur, superius reperies num. 109. Ille enim liber est huius antiqui apographum. [Unser Arcerianus. Der speeificirte Inhalt war schon bei Num. 109 angegeben.]

N. 137. Alius codex membranaceus priori quidem recentior, sed et ipse peruetustus.ante 700 circiter annos scriptus, maximam partem eorundem agrimensorum continens. Fuit illustris uiri Ad. Turnebi. [Handschrift der zweiten Classe, der s. g. Gudianus, s. unten.]

N. 138. lidem scriptores in antiquis membranis descripti. Quibus accedunt: Categoriae ab Augustino translatae. Boetii arithmetica et geometrica. Omnia sunt nitide scripta et pulchris figuris ornata. Is codex fuit olim V. Ck Fran[cisci Nansii]. Die eingeklammerten lezten Buchstaben finden sich in dem Leydner Exemplar des Katalogs, in dem Wolfenbüttler sind sie weggeschnitten. ' Handsobrift .der vierten Classe, nicht in Wolfenbüttel.] "oor

10 | BLUME

Entführung derselben nach Paris eine Veränderung mit ihren Besizern zugetragen. Verfolgen wir aber die Vorbesizer von Seriverius an rükwärts, so ergiebt sich im Ganzen fol- gende, wahrscheinlich ununterbrochene Reihe von Besizern der: Handschrift:

1. Das Kloster Bobbio, wo schon der Abt Gerbert

(Sylvester II seit 999) die Handschrift, wahrscheinlich um das Jahr 981, benuzt hat.

Thomas Phádrus Inghirami aus Volterra, 1493.

Angelus Colotius, bis 1527?

Erasmus, bis 1536.

D. a Lasco.

Gerard Mortaingne

Regnerus Praedinius, 1559.

Ludouicus Miraeus, bis 1566?

Johannes Arcerius, bis 1604.

Sixtus Arcerius, wenigstens bis 1607.

Petrus Scriuerius und sein Nachlass bis 1663. 12. Die Wolfenbüttler Bibliothek, bis 1807.

Die Pariser Bibliothek, 1807 bis 1814.

Wolfenbüttel, seit 1814. Die Beweise für diese Reihefolge bestehen in folgenden Thatsachen: |o

l. In Gerbert's geometrischen Arbeiten wird, wie

Rigaltius angiebt!!, auf die Schriflen der Agrimensoren mit folgenden Worten verwiesen: „si quis uero de controuer-

bis 1559.

nzOwoupogmm»pM

| d

Bed 9

11) In den Noten seiner Ausgabe der Agrimensoren [1614] pag. 65. Ich hatte früher auch noch geltend gemacht, dass in unserer Hand- schrift selbst fol. 774 die Worte gisebbertuf abbaf geschrieben stän- den; da «aber Lachmann statt des zweiten dieser Worte die ganz unverständlichen Sylben feu aluf [ ftux herausgebracht hat, so darf auch unter den ohnehin verschiedenen Namen gerbertus und giseberius kein Zusammenhang vermutet werden.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 14

sis et de qualitatibus et nominibus agrorum, deque limitibus et de statibus controuersiarum scire desideret, Julium Fron- tinum, nec non Vrbicum Aggenum lectitet.“ In der gedruk- ten Geometrie des Gerbert ist diese Stelle freilich nicht zu fidden; aber sie enthält eine Stelle aus Hyginus (unten Note 128) und manche Spuren agrimensorischer Studien; diese Studien hängen mit der damals schon sehr reichen Bibliothek seines Kloster Bobbio !*) nahe zusammen, :so kan denn auch der Hyginus, Frontinus und Aggenus Urbicus, der ihm bekant war, kaum ein anderer gewesen sein, als der welcher uns in der uralten Handschrift von Bobbio erhalten ist.

2. Diese Handschrift wird unter. denjenigen mitgenant, welche von Georgius Galbiatus, Merula's Amanuensis, im J. 1493 zu Bobbio gefunden, und kurz darauf durch Thomas Phädrus. Inghirami, den Custos der Vaticana, grossenteils. nach Rom gebracht worden sind '*).

Dass aber diese Handschrift unser Arcerianus gewesen sei, wird durch die besonderen Auszüge des Volaterranus . aus den Agrimensorenschriften,. die in seinem dreissigsten Buche enthalten sind, sehr wahrscheinlich. Zwar wird sie

12) S. mein Iter italicum Bd. I S. 44. 55— 58.

13) Raphael Maphaeus Volaterranus commentariorum urbanorum lib. IV., fol. 56 der ersten [römischen] Ausgabe vom J. 1506: Hic Anno M. ccecıxxxxiii: huiuscemodi libri reperti sunt.... Agenius Vrbecus de Controuersiis agrorum. Higinus de Limitibus agrorum et metatione castrorum. Balbus de nominibus mensurarum: Vitruuius de Exagonis heptagonis et id genus Frontinus de qualitate agrorum Caesarum leges: Agrariae et Coloniarum iura: quorum bona pars his annis proximis a meo Municipe Thoma Phaedro bonarum artium pro- fessore est aduecta in urbem. Ich gebe diesen Text der ersten

- Ausgabe nach Lachmann's Terentianus Maurus pag. V; früher konte ich nur den Basler Nachdruck vom J. 1530 benuzen, der, wahrschein- lich durch einen Drukfehler, das J. 1404 ais das der Entdeckung an- giebt. S. mein Iter italicum I, 59.

12 BLUME

hier nicht als eine Handschrift des Thomas Phüdrus, sondem als dem Angelus Colotius gehórig bezeichnet; . aber gewiss hätte er von jener ersten bei dieser Gelegenheit nicht geschwiegen (5; auch wenn ihm ausser ihr noch eine zweite zugänglich geworden wäre. Stand ihm wirklich mehr als eine einzige Handschrift zu Gebote, so konte doch, nach der Art wie er sich ausdrükte, das Alles jezt nur in der Hand des Cólotius vereinigt sein; und so lässt es sich er- klären, wie allerdings einige der von Volaterranus excerpirten Notizen einer Handschrift dritter Classe entnommen zu sein scheinen. Sie sind in dem unten’ stehenden Abdruk durch gesperrte Lettern ausgezeichnet worden !*)

3. Dieser Angelo Colocci war bald nach jener Er- wühnung der Secretar Leo's X (1513— 1521) und dann Bischof von Nocera in Umbrien geworden. Sein Garten an der Fontana Trevi, reich geschmükt mit Altertümern,

14) Noch im sechzehnten Buche (fol. 185 b der Basler Ausgabe) hatte er derselben gedacht: Higynus... scribit... librum quoque Gromaticon nuper inuentum. Est enim groma, ut ipse testatur, ars loca sta-

. Aonesque in castris opportune capiendi ornandiue.

15) Raphael Volat. conn. urb. lib. XXX fol. 357b ed. Basil. Mensuras limitesque agrorumi nunc attingam ex Jul. Frontino et M. Junio Nypso, quem [oder geht das nur auf Nypsus?] figuris pulcherime adnotatum mihi tradidit uir ornatus, omnisque uetustatis studiosissimus Angelus Colotius. Limites urbis duos aruspicum olim diseiplina (ut ait Varro) posuit, unum ab oriente in occasum, quem decumanum uocauerunt, quod is longior sit: nam decumana omnia principalia uocabant: alterum a septentrione in meridiem quem cardinem dixerunt, quod sub axe septentrionis mundus sicut in cardine uertatur. Decumanus'item dex- tram habet orientem et sinistrain occidentem, ex quo ager dextratus et sinistratus dieitur. Cardo autem habet ultra septentrionem et citra "meridiem, ex quo ultratus et citratus dicitur ager. Ab his duóbus omnes agri partes nominantur, reliqui limites fiebant angustiores, et inter se paribus interuallis distabant. Quum autem scire cupis in qua parte agri sis, respice scripturam lapidum terminalium: si enim numeri ab oriente incipient, et in occidentem crescent, Decumani erunt; si crescit in partem septentrionis, erit in parte ultrata et dextrata: si in

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 18

(unter Arideren' auch mit emer Samlung römischer Fugs- maasse) war bei der Plünderung von 1527 verwüstet wor- den; und wie es scheint, hat er hei dieser Gelegenheit einen Theil seiner Handschriften, namenlich wohl den berühmten mediceischen Virgil und unseren Arcerianus, eingebüsst '*). Nur so wenigstens lässt ea sich erklären, dass dieser lezte noch an den, 1536 gestorbenen, Erasmus gelangen konte, während doch Colocci erst 1549 gestorben ist, und auch noch nach dem J. 1545 als Besitzer einer anderen Agrimen- sorenhandschrift erwähnt worden ist.

Diese Erwähnung findet sich bei Metellus Sequanus, der sich von 1545 bis 1549 in Rom aufhielt '”), und dessen Zeugnisse in dieser Angelegenheit zwar sehr erheblich, aber nicht frei von Widersprüchen und Irthümern sind: Die Er- zählung die ich früher von ihm mitteilen konte, berichtiget sich jezt wesentlich durch eine andere, die gleichfals von seiner Hand, aber erst später wieder aufgefunden worden

meridianum et cardines in parte occidentis, erit pars sinistrata et, ultrata, Ipsi autem lapides terminales diuersa fuerant figura: Orthogoni, Isopleuri, tetragoni, hexagoni, heptagoni, pyramides, rombi, semicirculi, cultellati, spatulae, triuertini, archi- finii, centusiati, syginati, semitali, Is est ille qui im agris semitas custodit Pani, Herculi et Cereri sacer. Nomina vero limitum haec sunt, Decumani, cardines, actuarii, intercisiui, linearii, sextani, nonarii, qui solis cursum sequuntur: Praefectuales, montani, qui angulo subiacent: Vstrenales, undecumani, solini, graeci, regulares, subruncini, quintani, scutellati, temporales, qui lunae cursum se- quuntur, Diabonales, diposentales, gallici, chronici, perpetui, passiui, limites qui per antica et postica diuiduntur. Agrorum autem nomina: tenturiatus, dextratus, sinistratus, citratus, ultratus, tetregonus, .nor- malis, Neronianus, Podimatus, Caesarianus, Adsignatus, Nigrius in quinquagenos: Meridianus in XXV. Commutatus ex beneficio Augusti. Subeisiuus, Tessellatus, epiponicus, Solitrius, Syluanus. Mensurae nomina in agris sunt Digitus, uncia, palmus: Sexta sive Du- [fol. 358^] trans, pes, cubitus, gradus, passus, decempeda, actus, stadium, miliarium. 16) S. mein Iter italicum IIT, 190. 191. 17) Andres praef. ad Antonii Augustini epitoles pag. 44 59.

mit der Bemerkung:

14 Uoc 7157 P£UUMEGéc

ist!®). -Metelfus Sequanus hat ndinlich auch im ein Leydner Exemplar der "Turnebi'schen Ausgabe der Agrimensoren (33 A. Gron., früher dem Bernhard Rottendorf gehö- rig: zu Galland's Vorrede einige Randbemerkungen ein- getragen, welche in dem hier folgenden Abdrucke Beider, durch Klammern und gesperrte Schrift ausgezeichnet sind. Galand. sagt.nántlich von dem Abdrucke des Turnebus: Quibus i iam ad finem perduétis, cuni quaedam ália argu- menti fere eiusdem (quos: exscripsi ex codice Basilii Zanchi, sumpto ex Colotiano, Romae) Epaphroditi, Vitruuii, Rufi, Simplicii, Balbj, Hygeni de castris metandis .. nobis (per Jo. Tilium, qui et meum Codicem Romae

habuit) oblata essent, quemadmodum his adiungi possent,

rationem inire coepimus. Verum ita: deprauata ommia, mutila

'et lacera deprehendimus, ut nisi repositis quae deessent, quaeque depraüata: essent correctis, frustra omnino a quo-

quam in manus sumerentur ltaque donec oblato meliori

‚exemplari,.et per maius otium alicui formae restitui possent,

in aliud tempus eorum editionem distulimus. An einer anderen Stelle dieses Exemplars | führt Metellus noch mit besonderer Zählung ‘die Namen auf: Vitruuii \ Ruffi

Simplicii Balbi Epaphroditi,

Exseripsi ex codice Basilii Zanchi, sump to

ex Colotiano ac describendos dedi Jo. Tilio, qui Parisiensibus exhibuit.

18) vgl. Rhein. Museum VII, 185. 377.

Handschriften und Ansgaben der Agrimensoren. 35

Also zweimal. erzählt er, dass er die eigentümlichen Stücke, welche nur unser Arcerianus in dieser. Vollständig- keit vor allen anderen alteri Handschriften voraus. hat, ‚aus Zanchi’s Absehrift des Colotjanus copirt, .und diese Excerpte . dem gelehrten Bischof von Meaux zur ferneren Abschreibung mitgeteilt habe. Dagegen behauptet. er nicht, das Original, den Colotianus selbst, bei diesen Stücken ge- sehen oder benuzt zu haben. Zanchi aber war. 1501 in Bergamo geboren, später lateranischer Chorherr seiner Vater- stadt; in Rom, we er 1558 im geistlichen Gefängnis geskor- ben ist, war.er, aber wohl nur m jüngeren Jahren, Scripter der Valicana gewesen. Bis zum Jahre 1527, seinemi 26gten Lebensjahre, konte er also die Copie des .Colotianus Jüngst vollendet haben. |

So ist denn dieser Theil der Notiz des Metellus Se- quanus genauer und innerlich glaubwürdiger, als eine früher von mir initgeteilte, im ‘Sommer 1564 zu Cöln m die jezige palatino - vaticarische Handschrift der Agrimensoren ein- getragene Angabe desselben. Denn damals lautete seine Erzählung so, als ob er in Rom den Colotianus unmiltelbar benuzt hätte, was doch nach dem Jahre 1545 gar nicht melir möglich war, wenn Colotius die Handschrift schon vor 1536 . verloren oder veräussert hatte (s. Note 18.). Ä

Metellus fügt aber bei beiden Gelegenheiten noch eine zweite Angabe hinzu, welche mit der ersten nicht ver- mengt werden darf. In dem gedrukten Buche sagt er: Julii Frontini, de Limitibus agrorum, figuris il- lustratus: ex Medicea exseripsi. Colotius Romae habebat, apud quem uidi; und diese lezten Worte sollen sich bei dem Namen Nypsus (pag. 19 des Turnebischen Appendix?) noch einmal wiederholen. Ebenso in der pala- tinischen Handschrift: Ex Medicea Florentina bibliotheca, '

16 (M S. BLUME 7 descripsi quoque M. Junii Nypsi fragmentum, ad huius eliam Agrimensoriae scientiam pertinens: sed admodum cor-

ruptum est. Also eine andere Handschrift, geringer an Umfang und Bedeutung, ohne den s. g. Simplicius und die

andern oben genanten Stücke, hatte er bei Colotius noch

gesehen. Es war dies, wie wir unten sehen werden, eine Handschrift dritter Classe, wahrscheinlich dieselbe, die er

"als medieeische unmittelbar benuzt hat.

4. Die nun folgenden Besizer (4 bis 11) sind, mit Aus-

-nahme des achten. und zehnten, sämtlich durch die Hand- ‚schrift selbst beglaubigt. Sie enthält nämlich auf der Vorder- ‚seite des ersten Vorsazblattes (früher' war es die Rükseite

des zweiten Blattes) die Zeilen: | „Regneri nune sum Predinii 1559.

- | At nunc Joannis Arcerii 1566.“

‚ferner auf dem ersten Blatte dreimal: Gerardus Mortaingne;

-södann auf dem zweiten Blatte oben: .

„D. a Lasco* (von Lachmaan nicht mehr gefunden)

. ,E& hic ex bibliotheca Erasmi." Diese lezte Zeile hat anscheinend den Prädinius zum Urheber; wenigstens ist sie, wie sein eigener Name, mit

‘rother Tinte geschrieben. Dass sie auf den berühmten

Erasmus von Rotterdam zu beziehen sei, kan schen des-

‚halb keinen Zweifel leiden, da sonst kein irgend bedeatender

Gelehrter jener Zeit unter diesem Namen bekant ist; und

dass die Bibliothek des Erasmus auf Johann von Lasco „übergegangen ist, steht urkundlich fest. Dass Erasmus schon ‚während seines Aufenthalts in Italien (1506 bis 1509) mit

Thomas Phädrus bekant geworden war '’), darf freilich

19) Beati Rhenani Selestadiensis ad Carolum Caesarem epistola, vor dem ersten Bande von Erasmi opera omnia, Basil. 1540, S. 5 med: Vidit, ut audire memini, et Thomam illum Phaedrum facundia extempo-

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 17

nicht in Anschlag kommen, denn vor seinen lezten Lebens- jahren dürfen wir uns die Handschsift nicht. in seinen Hän- den denken: teils weil Coletius’ und Zanchi’s Abschrift (Num. 3) vorhergingen, tels weil Erasmus einen solchen Schaz gewiss nicht sehr, lange. ungenuzt gelassen. hätte. Findet sich doch nicht einmal im J. 1528, als in Basel die Sichard'schen Bruchstücke der Agrimensoren erschienen, eine Spur von seiner Beihülfe zu diesem verdienstlichen Uater- nehmen. Sein Erwerb.des Arcerinnus seheint demnacli erst in: die Zeit seines Aufenthalis zu Freiburg (April 1529 bis Sommer 1535) zu fallen, womit die vorhin aufgestellte Ver- mutung über die Schiksale der Celolianischen Büchersam- lung ganz übereinstimmt. 04 5. Unter den Briefen des Erasmus aus den Jahren 1526 und 1527 haben sich noch drei an Jo. a Lasco, da- mals Domprobst zu Gnesen, erhalten??) Von seinem nahen freundschaftlichen Verhältnisse zu diesem Manne, der einen Monat bei ihm gewohnt hatte, und einmal als sein Schüler bezeichnet wird, zeugt aber ganz besonders die Dedication der Erasmischen Ausgabe des h. Ambrosius vom 13. August 1527 **). Diesem: vornehmen Polen hat Erasmus schon im Juni 1525 seine Bibliothek für dreihundert Goldkronen oder vierhundert Gulden verkauft, die.zur Hälfte sofort, zur Hälfte im November 1536 bezahlt worden: sind; der. Besiz der Bibliothek verblieb Erasmus bis zu seinem Tode. Die Neben- bestimmung dieses Kaufcontracis, dass für ‚den Fall eines späteren Erwerbes kostbarer Manuscripte eine verhältnis- rali Incomporabiliter eloquentem, qui Ludis et Comoediis recensendis priseam antiquitatem. repraesentabat. 20) Erasmi Opera omnia T. Ill. pag. 585. 609. 654. (Epistelr, üb, XVIII. XIX.) der Basler Ausgabe.

21) Ibid. pag; 14328 sqq. (lib. XXVIII) Sie ist:an Lescos gleichnamigen Oheim, den Erzbischof von Gnesen, gerichtet.

Römische Feldmesser II. 9

18 BLUME

mässige Erhöhung des Kaufpreises verabredet werden solle, scheint freilich, ‘nach der unter dem Kaufcontract befind- lichen Quittung des Testamentserben, des berühmten Juristen Bonifaz Amerbach**), so wie nach dem Testamente selbst, vom 12. Februar: 1536 **), nicht zur Anwendung gekommen

zu sein.

Dieser Jo. a Lasco ist erst im Jahr. 1560 in Polen gestorben, nachdem er in seinen späteren Lebensjahren für die Reformation in Ostfriesland sehr thätig gewesen war. Dass er unsere Agrimensoren mit nach Polen genommen, müssen wir nach den nun folgenden Angaben bezweifeln, denn sie haben schon früher ihren Herm von Neuem ge- wechselt. |

22) Gedrukt in Burigni's vie d'Erasme Paris 1757. Tom. II pag. 422. 423. nach einer Mitteilung des Cardinal Passionei: „Erasmus Rotterodamus bibliothecam meam. uniuersam uendidi clarissime Polonise Baroni Joamni a Lasco trecentis coronatis aureis, hac lege, ut quoad uixero, usus librorum ex amicitiae iure sit illi mecum communis, proprietas tota penes illum sit perpetua: quod ius transibit etiam in illius heredes, si quod Deus ‚auertat, contingat illum prius ex humanis decedere. Interim indicem librorum, uelut arrabonem traditionis, habet. Quicquid interim accreuerit, et boc illius erit, nisi si quos codices manuscriptos magno contigerit emere. In his, ex:utrimsque consensu, flet moderatio noui contractus, dumtaxat quod attinebit ad illam accessionem. In cuius rei fidem dictus Erasmus hoc chirographum mea manu descripsi, affixo peculiari annuli mei signo Termino, ann. 1525: duodecimo Cal. Julias. Dimidium pretii numeretam est Hasileae 1525. alterum pretii. dimidium postridie D. Martini anno 1536. persolutum est. Bonifacius Amerbachius, nuncupatus incomparabilis D. Erasmi Roterodami heres, mea manu sttestor, et ego Joannes a Lasco praedicta manus meae subscriptione

.feteor esse uerum,

Bibliothecam meam jampridem vendidi D. Johanni a Lasko, polono, juxta synagraphum super hoc contractu inter nos confectam, "non tra- dentur libri nisi haeredi numeret ducentos florenos. Quod si ille pactum remiserit, aut me prior e mita excesserit, liberum. esto haeredi de libris statuere quod velit.“ Peignot choix de testamens anciens et modernes. T. I. 1829. pag. 186. 188, nach dem ia Basel befind- lichen Original.

23

A

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 19

6. Gerard Mortaingne,.. der nun folgende Besizer der Handschrift, über dessen Person ich aber nichts zu er- mitteln vermogt habe, hat ausser seinem vollen Namen auch noch folgende, mit seinem Namenszuge Gm. bekräftigte Selbstanklage am Schlusse der Handschrift (fol. 157 ^) hin- zugefügt:

Te mea rusticitas lacerauit et improbus error;

Namque polonuın te, sed male, credideram.

Jam perge ad doctos, melius tractandus ab illis.

Te cheu vellem nostras non tetigisse manus. Auf dieses Geständnis hin können wir den Verlust einiger Blátter und Bilder, welche sich zu Rom noch in der Hand- schrift befunden hatten, und die unten bei den Abschriften des Arcerianus anzugeben sein werden, natürlich nur dem Mortaingne Schuld geben. Ob er sich auch die. Auflösung des alten Einbandes, und die dadurch veranlasste Verwir- rung in der Folge der Blätter vorzuwerfen hatte, lässt sich nicht mehr entscheiden.

7. Regnerus Praedinius ist in demselben Jahre 1559 zu Gröningen gestorben, in welchem er seinen. Namen in die Handschrift eintrug.

8.. Dass die Handschrift zwischen 1559 und 1566 an Ludouicus Miraeus in Lyon gekommen sei, ist von Lange vermutet worden, weil Pierre Pithou im J. 1565 erwähnt hat, dass er einen dem Arcerianus jedenfals nahe verwand- ten Codex „aliquando“ dort gesehen habe *‘). Auch hat derselbe viele Varianten dieser Handschriftenfamilie in ein

24) Pithoei aduersariorum subsiciuorum lib: ll. cap. 14: ,, Hyginus librum scripsit Gromatieum, im qup castra metandi et loca opportuna in bello capiendi rationem tradidit. eum me aliquándó. Lugdumi apud Ludouicum Miraeum cun aliis quibusdam Frontini de Coléniis, Limitrbus et Contro- uersiis agrorum libris nondum editis uidisse memini. *

9*

20 BLUME

Exemplar der Turnebischen Ausgabe eingetragen **). Indessen scheint doch das „aliquando“ auf eine entferntere Zeit zurük- zuweisen, und das gänzliche Schweigen Pithou's von dem hohen Alter der gesehenen Handschrift macht es mir wahr- scheinlicher, dass er nur eine Abschrift des Arcerianus. ge- sehen und benuzt habe.

Dass Franciscus Nansius hier nicht als. Besizer der Handschrift eingeschoben werden dürfe, wie Niebühr ver- mutet hatte, häbe ich früher umständlich erörtert. Seitdem hat es sieh über allen Zweifel ‚herausgestellt, dass Nansius ausser seiner eigenhändigen Abschrift ** nur eine Hand-

- schrift dritter oder vierter Classe besessen hat*") .

9. Von dem nun folgenden Johann Theodoretus Arcerius, gestorben zu Utrecht 1604, lässt sich nur an- führen, dass er während seines 38jährigen Besizes der Handschrift mit Vorarbeiten zu einer Ausgabe der Agrimen- soren beschäftigt gewesen ist, welche Goesius später be- nuzt hat, und die sich jezt in Weimar (s. unten) befinden.

25) Unter den gedrukten Büchern der Pariser Bibliothek mit geschriebenen Randnoten: F. 1791. Namentlich heisst es hier pag. 75: Quae sequun- tur... puto pertinere potius ad librum, qui in Cod. Ms. inscribitur Ageni Vrbici de cond. agrorum . . . aut rectius ad alium, qui Simplicii et Agenni de controuersiis agrorum titulo extat in eod. codice. ^ Ich verdanke meine Notizen von diesem und noch drei gleichen Exemplaren mit anderen Randnoten (F. 1790. 1792. 1793.) meinem lheuren Lehrer Savigny. vergl. Rhein. Museum VII, 205. 296.

26) J. Rutgersius uar. lect. I, 11: „inter multa uetustatis monumenta, quae undique non sine ingenti labore conquisiui, agrimensorum uolumen habeo, descriptum manu V. C. Francisci Nansii: illud ipsum, quod et olim apud eum uidisse testatur Lipsius [Electorum I, 15, auch unter den vorgedrukten testimonia der Ausgabe ven.Goesius], et nuper non exiguo usui fuit Nic. Rigaltio, cui ego .ntendum miseram." vergl. Rigaltius in:den Noten seiner Ausgabe, peg. 92.

27) s. oben Note 10 a. E. und: unten, die. Handschriften dritter und vier- ter Classe.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 21

10. - Sixtus Arcerius, der Sohn :des vorigen, muss noch einige Zeit im Besiz der vüterlichen Samlung geblieben sein. Früher hatte ich es nur vermutet; jezt glaube ich, ungeachtet des von Lang e dagegen. erhobenen Widerspruchs, meine Vermutung beweisen zu können. Im Jahre 1697 nämlich, als Scriver den Vegelius und Frontinus u. s. w. herausgab, konte er von dem Codex, den er als Arcerianus : bezeichnete, nichts benuzen als den abgelóseten Hyginus de munitionibus castrorum, nebst dem vorhergehenden Blatte; und er nennt noch unter denen, die ihm bei der Herausgabe - des Hyginus behülflich gewesen, ausdrüklich den Johann Arcerius und den Sixtus Arcerius. Was er vom Frontinus und von den Colonien angehüngt hat, das besass er, mit Ausnahme einiger arcerianischen Varianten, nicht aus dem Arcerianus, ‚sondern aus Handschriften dritter und vierter Classe. So erklärt sich denn auch der oben (S. 8.) er- wähnte Umstand, .dass dieses abgelösete Stück die besondere Aufschrift: „Sum Petri Seriverii“ trägt, ganz einfach.

11. Hierauf hat P. Scriver den ganzen Codex er- worben, ohne dass es dadurch zu einer weiteren directen Benuzung der Handschrift gekommen würe. |

12— 14. In den lézten 189 Jahren (seit 1663) ist die Wolfenbüttler Bibliothek nur wührend der Jahre 1807—1814 dieser Handschrift beraubt gewesen; denn ihre Ausplünde- rung durch franzüsische Commissare kan vor der unglük- lichen Schlacht von Jena nicht eingelrelen sein. Dass sie schon 1807 in Paris war, ergiebt sich allerdings aus Hase's Briefe an Bredow; in den Worten: „änte biennium cum alis ex Germania in hanc urbem apportalus **).

28) Bredow epistolae Parisienses 1812 pag. 208. Häse’s Brief ist datirt vom 1. März 1809; dass ‘er obige Worte schon im Jahre 1807 gesprochen hätte, ist eine offenbare Fiction. Hienach berichtiget

229 ' BLUMÉ

‘Seit dem Jahr 1835 ist der Einbánd des Arcerianus durch einen neuen, (leider von Pappe!) ersezt, wodurch die früher von mir gerügten Unordnungen in der Folge der Blätter **) beseitiget, aber:auch die Vorsazblütter anders ge- ordnet worden sind *). Eine Beschreibung des. Codex von Ebert's Hand ist mit hinemgebunden worden . ;

Die grosse Gefälligkeit, mit welcher die Handschrift den neuern Herausgebern von der Wolfenbüttler Bibliothekver- waltung anvertrauet worden ist, wollen wir dankbar zu rüh- men nicht unterlassen.

Leider ist die Handschrift im Laufe so vieler Jahr- hunderte nicht aller Verderbnis entgangen. Nicht blos An- fang und Ende fehlen: auch in der Mitte sind Lücken in Menge, die sich indessen mit Hülfe der Quaternionenzáhlung sehr sicher berechnen lassen. Nypsus muss in der ersten, Agenus Urbicus in der zweiten Hälfte des Arcerianus von jeher vorangestanden haben; und dass die erste Hälfte als selbständiger Codex (bei Lachmann A) mit den nomina lapidum finalium (fol. 85") geschlossen war, darf aller- dings vermutet werden, da die Rükseite von fol. 85, welche nur Zeichnungen enthilt, ursprünglich wöhl die Vorderseite gewesen, und erst durch verkehrtes Einbinden zur zweiten gemacht sein könte. Was aber die lezten Stücke der zwei- ‚ten Hälfte (bei Lachmann codex B) gewesen, ist völlig ungewiss; und wenn ich die Vermutung ausspreche, dass

sich einerseits meine frühere Zeitbestimmung im Rheinischen Museum S. 189. 199. (1809 oder 1810) andererseits aber auch das Monitum von Lange, pag. 18 seiner Vorrede („ante annum 1807 *9.

' 29) vgl. Rhein. Museum VII, 191. 195. Ebert bibl. Guelferhytana pag. 6 lit. f.

30) Hiemit glaube ich den mir gemachten Vorwurf . eines Irthums in mei- nen Blattangaben (Lange S. 12. Note 21. 24) ablehnen zu können.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 23

mindestens noch die Auszüge aus dem theodosischen Codex hinter der Epistola ad Celsum gestanden, so muss ich auch dafür die Gründe.bis zur dritten Classe unserer Handschriften schuldig bleiben. Dagegen lassen sich in der Mitte folgende Lücken mit Sicherheit nachweisen:

Erste Hälfte: Von Quat. I. fehlt das Susserste Doppel. blatt; die dret mneren smd erhalten (fol. 2 bis 7, bei Lach- mann A col. 1 bis 24.) |

Quat. II ist vollständig, war aber bis vor Kurzem irriger- weise hinter den dritten Qualernio gebunden. (il. 15 bis 22, bei Lachmann col. 25 bis 56.)

Von Quat. III (fol. 8 bis 14, bei Lachmann col. 57 bis pag. 72) fehlt das lezte, achte Blatt. (Goes. p. 42. 43. super- fuit sicut, bis cuius 'forte.) -

Von Quat. IV (fol. 23 bis 29, pag. 73 bis 86) das zweite Blatt. (Goes. p. 215: limitum prima, bis diuidebat.)

Quat. V. VI (fol. 30 bis 45, pag. 87 bis 118 sind voll- ständig und richtig geordnet.

Von Quat. VII sind nur fünf Blätter (fol. 46 bis 50 pag. 119 bis 128) vorhanden. Es fehlt, zwischen fol. 48 und 49, das vierte Doppelblatt und die zweite Hälfte des dritten (Goes. p. 160: congressionum multitudines, bis p. 166: rectura seruetur.)

Quat: VIII (fol. 51 bis 58, pag. 129 bis 144) sind in den Blattzahlen vollständig, allen von der neunten ist beim Hyginus de. limitibus, mit den Bildern ein grosser Theil des Textes weggeschnitten. |

Die neunte Lage (fol. 59 bis 67. pag. 145 bis 158) be- steht nur-noch aus sieben Blättern, denn das zweite ist weg- geschnitten, war auch vermutlich nie beschrieben. Zwei verstümmelte Blätter sind dagegen doppelt gezählt, weil sie je aus zwei Stücken (59. 60 und 61. 62) bestehen.

24 : . BLUME

' Quat. X (fol. 68 bis 74, pag. 159 bis 172) fehlt das sie- bente Blatt (Goes. p.70 1. 10 sibi uindicare, bis pag. 7 7 ! 1. 14 inter resp.)

Quat. XI (fol. 76 bis 80, pag. 173 bis 184) fehlt das fünfte und siebente Blatt (Goes. p..346. 347 vor testimonium perennitatis, und p.'348 hinter der lex Tiberi:) Auf dem siebenten scheint nur die Zeichnung gestanden zu ‚haben; die sich jezt fol. 72^ der Jenaer Abschrift finder.

Quat.-XII (fol. 81 bis 85, pag. 185° bis 103.) fehlt das fünfte, siebente und achte Blatt, Was darauf. gestanden, ist nicht mit Sicherheit anzugeben; wahrscheinlich ist aber auch das ‘Vorhandene gar nicht die Fottsezung des vorhergehen- den Quaternio, welcher mit der Rubrik: „Incipit liber Marci Barronis de geometria ad rufum feliciter silbium** endet; denn quat. XH beginnt mit Erläuterung der Casae litterarum, in der Manier des Innocentius, Für die Vermutung, dass ein ganzer (Juaternio verloren gegangen sei (beziffert sind die Blattlagen in der ersten Hälfte der Handschrift nicht) spricht "namentlich noch der Umstand,- dass die. Jenaer Abschrift hier wenigstens eine Seite (146) mehr- hat, . -

Die zweite Hälfte der Handschrift besteht aus neun vollständigen Quaternionen (fol. 86 bis 157, bei Lachmann B col. 1 bis 288); doch bricht die neunte gleich am Anfang | der Epistola.ad Celsum (Goes, p. 28: ueniat omnia) ab.

Diese. Lücken sind nun zwar gröstenteils schon im sechzehnten Jahrhunderte da gewesen; allein Einiges war . doch, wie zwei Abschriften des Arcerianus beweisen, damals noch vollständiger. Wir haben nämlich in einer vaticanischen und eiher jenaischen Abschrift, deren hernach näher zu ge- denken sein: wird, |

l} den Hyginus de limitibas mit: vollständigen Zeich- nungen, also aus der ersten Hälfte, ohne die Lücken des

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 25

siebenten und neunten Qualernio: nicht. aus der zweiten Hälfte des Arcerianus, welche gar keine Feichnungen ent- hält;

2) die Epistola ad Celsum, welche den: Schluss des Arcerianus B bildet, . vollständig; ;

3) ist das fünfte Blatt des elften Qusternio aus der ersten Hälfte, zwischen fol. 78 und 79 .in der valicanischen sum Theil, m der jenaischen Abschrift wahrscheinlich ganz erhalten. Die vaticanische Abschrift‘ enthält fol. 69^ nur den bei Goes. p. 346. 347 gedrukten Anfang der s. g. lex Tiberii de sepulchris, die jenaische fol. 71^ vorher noch die räthselvolle Stelle, welche S. 244 unserer Ausgabe ge- drukt, und deren. Verwandschaft mit Goes. p. 119..120. 145. unverkennbar ist.

4) die jenaische Abschrift enthält fol. 73b noch zwei höchst eorrumpirte Bruchstücke, welche zu dem verstüm- melten zwölften Quaternio der ersten Hälfte gehört zu haben scheinen: in der vaticanischen Abschrift fehlen beide. Das erste war schon von Rigaltius aus der Heidelberger Hand- schrift herausgegeben (pag. 347. Goes. 117, in uns: Ausg. $.225, 3— 13), es.hat aber in der. jenaischen Handschrift die offenbar falsche Rubrik: „Incipit. liber Marci Baronis de geometria ad Rufum. Prouincia Calabria.^ Das zweite ist nur durch zwei Zeilen aus M. Junius Nypsus: , Pyrrus Mensurarum sunt genera tria rectum Planum solidum| Rec- tum“ von dem ersten getrennt?!)

Dagegen fehlt beiden Abschriften, so wie den bisherigen Ausgaben, was im Arcerianus den Schluss der ersten Hälfte

31) Gedrukt im Rhein. Mus. VII, 193, in unserer Ausg. pag. 246, 10 bis 23. Ob etwa diese eben so räthselvollen Fragmente von der ver- lorenen Constitutionensamlung des Hyginus (Rhein. Mus. VII. 169; in uns. Ausg. p. 133 lin. 14— 106.) herstammen?

| 26 s BLUME

(fol. 84^. 85*-^) ausmacht, und was jezt erst durch die Er- günzungen des. Erfurter Codex einen verständlichen Inhalt (S. 249. 250 unserer Ausgabe) erhalten hat. Denn fol.:84% enthält, ausser der Rubrik: ex libro Balbi nomina lapi- dum finalium, nur wenige der allereinfachsten geometri- schen Figuren, welche kaum ein Fünftel der ganzen Seite füllen; fol. 85^ ist mit Bäumen, Hügeln, Häusern und Flüs- sen bemali; und in der Mitte, auf fol. S5 ^, befinden sich neben. einander drei cippi, die beiden lezten unausgefüllt, der erste mit der S. 251 unserer Ausgabe, und früher schon bei Gruter pag. 1078 No. 6 abgedrukten Inschrift. _

Unter diesen drei cippi enthält dann jene mitlere Seite nur noch die von Lachmann meistens in die Note ver- wiesenen sechs Zeilen. |

Wenn wir aber jene Verstümmelungen, die den Arce- rianus im l6ten Jahrhunderte betroffen, vorhin sofort dem Gerhard Mortaingne zuschrieben, so hat er dies zwar zunächst seiner eigenen Selbstanklage beizumessen;. es komt aber noch hinzu, dass seine Distichen gleich hinter der ver- stümmelten Epistola ad Celsum stehen, und dass das Her- ausschneiden der Bilder wohl gar als eine kleine Entschul- digung für die Vernichtung des Textes gelten dürfte. Denn aus reinem Muthwillen hätte ein Mann, der üchte Wissen- schaft ehrte, und dies in lateinischen Versen auszudrücken wusste, auch wohl einen vermeinten polnischen Autor nicht zerstückelt; die Manie, Miniaturbilder zu sammeln, mag ihn zu dem ersten Schritte verleitet haben, worauf dann die Verwahrlosung des Uebrigen, bis er seinen Irthum gewahrte, weniger Anstand finden konte.

Nächst diesen Verstümmelungen komt aber noch die seltsame, Note 7 erwähnte Interpolation des Textes in Be- tracht, welche einen Theil des Agenus Urbicus dem gar

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 27

nicht existirenden Autor Simplicius zugeschrieben hat. Der eigentliche Sachverhalt war schon von Rigaltius uhd mir errathen, ehe die nähere Untersuchung des Arcerianus im ausser allen Zweifel gesezt hat. Die Handsehrift ent- hält nämlich fol. 94^ die Worte: „Satis, ut puto diluade genera controuersiarum.exposui: nam et simplicius enar- rare conditiones earum existimaui, quo facilius ad intellectum. peruenirent (Lachmann pag, 89 lin. 25.). .Da nun auf dem nächsten Blatte schon von dem Schreiber der Hand- schrift der vermeinte Anfang eines neuen Buches durch die Worte INCIPIT LIB. bezeichnet war, so erinnerte eine andere, sehr: alte :Hand durch den Zusaz finpliciuf an das ver- meinte Vorhaben des Autors, die Sache noeh einfacher vor- zutragen; und eine zweile, die den Namen des Autors darin zu finden meinte, machte durch Correctur finplicii daraus. So steht es 95^ der Handschrift zu lesen. (vgl. Lachmann pag. 62 lin. 16.)

Ich habe nach diesen Erörterungen über den Stammvater der arcerianischen Familie nur noch die bisherigen Abdrücke des ihm eigentümliohen Inhalts zusammenzustellen **).

1) Der Anfang des. Nypsus stand, aber nur nach Hand- schriften der zweiten Classe, schon in allen Ausgaben (bei Goesius pag. 299—301) unter dem Namen des Dolabella: das übrige, samt Epaphroditus und Vitruvius Rufus teilweise, jedoch gleichfäls aus andern Handschriften, hinter den sämtlichen Werken des. Boethius (Basel 1570 fol.); sodann aus Papieren von Carl Lange, welche für Aus- züge des Arcerianus gelten kónten?), hinter Andreas

32) Was in unsere Ausgabe aufgenommen ist, ergiebt sich aus Lach- mann’s Tabelle pag. VIII.

33) „Ex schidis olim Caroli Langii, hominis doctissimi manu descriptis. ** Dié Lücken, welche diese Auszüge übrig lassen, finden sich pag. 20. 24 von Schott's Ausgabe.

28 BLUME

Schott’s tabulae rei numariae, Antwerpen 1616: 8. ‘Un- mittelbar aus dem Arcerianus hat erst Hase, in Bredow's epistolae 'Parisienses, Lips. 1812. -8. p.201— 242, einige Bruchstücke sowohl in ächter als in verbesserter Gestalt ab- drucken lassen. ^

2) Die Einleitung zum Hyginus de limitibus (Goes. p. 150) ist, nebst Varianten zu andern Stücken,. schon von Turmebus p. 256. 257. gegeben worden..

3) Die arcerianischen Stücke de coloniis sind wahr- scheinlich schon bei der römischen Ausgabe von 1560, welche sie insgesamt dem Frontinus zuschrieb, mittels einer. Ab- schrift mit benuzt worden. Scriver’s Ergänzungen (1607) beruhen auf einer Handschrift dritter Classe, und dieser Text ist bei Keuchen (1661) unverändert geblieben, der nicht einmal Seriver's Noten vollständig wiedergiebt, und seine in der Vorrede angekündigte Benuzung des „alter Arcerianus * schuldig bleibt *?*).

4) Hyginus de munitionibus castrorum nebst dem vor- hergehenden Blatte zuerst mit Vegetius, von P. Scriver (Leyden 1607. 4.), dann mit einer genauen Probe des hand- schriftlichen Textes, aber ohne das vorhergehende Blatt, von

33a) Die Register der Colonien zerfallen bei Seriver in drei Hauptstücke:

1. Die der römischen Ausgabe, pag. 173 185, Goes. pag. 102—119. . Die turnebischen Stücke, pag. 186—192, Goes. 119, 6—128, 4.

3 Die Stücke des Codex Nansianus, pag. 197—208, Goes: 128, 5 bis 143, 26.

Dazu kommen bei Rigaltius und Goesius noch drei eingeschaltete

Supplemente aus dem palatinischen Codex, und ein Anhang aus der

demonstratio artis geometricae, nämlich :

1. Goes. pag. 117, die lezten 10 Zeilen (Pars Piceni).

2. Goes. pag. 119, 5: die Worte: ija et per Tusciam.

3. Goes. pag. 143, 27 bis 147,

4. Goes. pag. 147 bis 149: die angehängten fragmenta terminalia.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 29

R(adbod) S(chele), Amsterdam 1660. 4. Endlich 1848 wesentlich. verbessert von Lange (oben Note 2.).

5) Zum zweiten Buche des Frontinus, von welchem Scriver 1607 ein Fragment de limitibus aus einem Codex dritter Classe herausgab (pag. 159—162, in uns. Ausg. 27, 13— 34, 13) hat derselbe.am Rande arcerianische Varianten hinzugefügt. Den Arceriamus nennt er bei dieser Gelegen- heit nicht; er spricht nur (p. 164) von zwei sehr alten aber fehlerhaft geschriebenen Codices, die er benuzt habe.

6) Im Jahre 1614 hat Rigaltius ein grosses Stük des Aggenius Vrbicus (cum per omnium u. s. w. pag. 144 seiner, pag. 77 unserer Ausgabe) nach Abschriften des Arcerianus hinzugefügt; auch ‚sonst Einiges in seinen Noten. Den Innocentius und die pars Piceni (P 22A. 3a) nahm er aus dem Heidelberger Codex.

7) Goesius lieferte im J. 1674 zuerst daà als Simpli- cius bezeichnete Stük des Aggenius Vrbicus, aber nicht vollständig (pag. 76-69, in unserer Ausg. p. 62, 17 ff.)

8) Der Rest dieses Pseudosimplicius steht im Rhein. Museum Bd. V. Num. 7. S..369 —373. Das Ganze (6— 8) in Lachmann's Programmen zum Berliner Lectionskatalog, März 1844 und Juli 1844.

9) Hyginus de controuersiis agrorum: zerstückelt in Rigault's Anmerkungen; vollstindig, hach August Hoff- meister's Abschrift, Bd. VII Num. 6. des Rhein. Museums.

10) Endlich die -Fragmente des zwölften Quatermie, in der ersten Ausgabe dieser Abhandlımg (Rhein. Museum Bd. VII. S. 192—195.)

Demnach ist nur noch von: Nypsus, Epa phroditus und Vitruuius Rufus Einiges ungedrukt geblieben; alle früher erschienenen Stücke aber bedurften einer durchgángigen neuen Collation des Textes, und bésonders einer treuen Nach-

30 , BLUME

bildung der noch vorhandenen Zeichnungen und Miniaturen, bei welchen die früheren Ausgaben sehr: ımzuverlässig waren.

II. Die Zusammenstellung der Abschriften und Aus- züge des Ärcerianus würde vielleicht fast alle Codices, in welche der Name des Boethius eingemengt ist, mit umfassen können;. da aber diese Familie als ‚vierte Classe einer besonderen Untersuchung vorzubehalten ist,. so be- schränken wir uns vorerst ganz auf die neueren Copien des Arcerianus. Zwei derselben, die Jenaer und die valica- nische, haben Ergänzungen ihres später beschädigten Originals geliefert; Andere boten so manche: Abweichungen in ein- zelen Lesarten, dass man der Versuchung, sie -für selb- ständige Ueberlieferungen zu halten, nicht immer wider- standen hat.

Es sind im sechzehnten Jahrhunderte wenigstens: sieben, vielleicht acht solcher Abschriften und Auszüge angefertigt ‚worden; als jezt vorhanden können aber nur fünf noch nach- gewiesen werden.

1. Die Abschrift des Basilius Zanchi.

Nach den vorhm..(S. 13. 14.) mitgeteilten Angaben des Metellus Sequanus müssen wir annehmen, dass Basilius Zanchi gegen das J. 1525 die bobienser Hand- schrift copirt oder excerpirt habe.‘ Diese Abschrift war also verschieden von seinen Copien der Codices dritter Classe, deren erst unten näher zu gedenken sein wird.

Nicht erweislich, aber doch wahrscheinlich ist es, , dass uns Zanchi’s Abschrift. noch jest in. dem vaticanischen Codex (No..4) erhalten ist.

2.

\

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 3l

Der Auszug des Metellus Sequanus, später

codex. Memmianus, Colbertinus, Parisiensis

regius 7229?

Auch von diesem ist schen oben die Rede gewesen: er war, wie wir gesehen, nicht direct aus dem Original, sondern aus Zanchi's Abschrift veranstaltet worden.

Von der Benuzung desselben durch Tilius und Gen- tianus Hervetus wird erst bei No: 3 zu reden sein; seine spätere Geschichte beruhet zunächst auf Angaben von Ri- galtius *5, Diesen zufolge hätte Aemar Ranconnel, der auch schon bei der Pariser Ausgabe von 1554 mit gehol- fen **), die Excerpte des Metellus Sequanus durch eigen- händige Correcturen und Zeichnungen. verbessert und ver- vollstindigt; so seien sie von ihm (Rigault) in der Sam- lung des Jean Jacques de Mesmes (Memmius) benuzt worden °°).

34)

35)

36)

pag. 6. 7. 9. 105. 107. der Noten seiner Ausgabe von 1614, bei Goesius pag. 210. 211. 212. 260. 261.

Rigaltius pag. 7% In ceteris Agrimensorum, qui hoc volumine conti- nentur collectaneis, praeterquam in Fragmentis illis Terminalibus, quae una cum plurimis lectissimisque codicibus eximii uiri Nicolai Fabri testamento ad praestantissimum Thuanum peruenerunt, Turnebi editionem imitari atque exhibere placuit: eoque libentius, quod illam ab Aemaro Ranconeto Praeside Parisiensi, hortatu Ioannis Tilii Meldensium episcopi accuratam fuisse... deprehendi.“ Ranconnet scheint eine be- sondere Ausgabe der Agrimensoren in Verbindung mit anderen vor- justinianischen Rechtsüberlieferungen beabsichtiget zu haben (vgl. Rhein Museum VII S. 200, 201); allein er starb schon 1559.

pag. 6: „Frontini libellum parte illa, qua de mensuris agit, auctiorem edidimus, suadentibus in amplissimi viri To. Iacobi Memmii bibliotheca scidis, ex vetustissimo Angeli Colotii exemplari olim Romae ah Io. Metello Sequano descriptis. Aggenum de Conutrouersiis hactenus ineditum eadem bibliotheca et scidae aliae. . . suppeditarunt.“ pag. 105: „In lib. Mem. menu Aem. Ranconeti.. reperi... Sequentes figurae ipsius Ranconeti manu delineatae sunt. dejnde sequitur liber... ab eodem emendatus. pag. 107: ,, Hic etinm Hygeni liber in eodice Meminiano Ranconeti manu emendatus est, figuris ab eodem delineatis.*

32 BLUME -

Nach dieser Ueberarbeitung konten die Metellischen Exeerpte natürlich ‘nicht mehr durchweg mit dem - Original übereinstimmen ; die früher von mir nachgewiesenen Ab- weichungen ?"). brauchen jezt nicht mehr erwähnt zu werden.

Metellus Sequanus ‚scheint. sich schon vor dem J. 1554, als er mit Antonius Augustinus nach England ging, seiner eigenen Handschriften entäussert zu haben; denn auch in die Vaticana und in die Barberina zu Rom sind deren gekommen *?). i

Dass aber der Codex des Memmius mit dem spáteren Colbertinischen, der.sich jezt in der. grossen. Pariser Bibliothek befindet, identisch sei, beruhet auf der, nach den Handschriften- katalógen *^) sehr glaubwürdigen Angabe von Hase **).

3. Die Abschriften des Tilius und Gentianus Hervetus.

. Metellus legt ein besonderes Gewicht darauf, dass die Pariser Editoren durch ihn mit. den Cololianischen Stücken bekant geworden seien. In dem zu Cöln 1564 geschriebenen Blatte des Cod. Palatino - Vaticanus sagt er: er habe seine Handschrift dem Tilius zum Lesen gegeben *); in dem

37) Rhein. Moseum Vii, 199. 200.

38) Andres praef. ad Anton. Angustidi epistolas. 1804. pag. 41—59. —- Von der barberinischen Handschrift wird- unten bei der dritten Classe zu reden sein. -

39) Montfaucon bibliotheca bibliothecarum pág. 946A: Cod. 1182. Catalogus codd. miss. bibl: reg. T. IV. pag. 329 No. 7229. Dass die Handschrift hier'in.da& siebzehnte Jahrhundert gesest wird; ist sehr wohl einem. ganz verzeihliehen Irthum zuzuschreiben. vergl. Rhein. Museum VH. 201. 202.

48) In Bredow's epp. Paris. 1812.. peg. 211: Nieolaus Rigaltius . ex

. manco et recenti omnineque pessimo exemplari, quod . in Bibliotheca Parisiensi servatur No. 7229 inter codices latinos. =

41) „Parisiensis codex [d. h. die von den Pariser Editoren 1554 erwähnten

Mitteilungen’ des Her vetus, s. Note 43.] manauit a Jo. Tylio Angolemensi,

-

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 33

Rottendorfisehen Exemplar der Turnebiana zu Leyden hin- . gegen (oben S. 14) ist von einer. dem "ilius gestatteten Abschrift die Rede. Auch in diesem Puncte wird der zweiten Notiz, als der genaueren der Vorzug gebühren, da sich in die erste ein sehr arger Irthum über die Handschrift von S. Omer eingeschlichen hat, der nur sein Zeugnis über den Inhalt seiner eigenen Arbeit nicht zu schwüchen vermag.

Auch Galland, in seiner Vorrede zu der Turnebischen Ausgabe von 1554, erzählt von einer nachträglichen Mit- teilung derselben Stücke aus Italien *); nur nennt er später nicht den Tilius, sondern den Gentianus Hervetus *?). Dieser Widerspruch ist leicht zu lósen, denn Hervetus stand. mit Tilius wie mit Metellus in näherer Verbindung. Er hat noch nach dem J. 1545 em Stük der Basiliken bei Antonius Augustinus, dem nahen Freunde des Metellus, abgeschrieben, und da er als Begleiter des Cardinal Cervini auf dem Concil zu Trient verweilte, so mag auch jene Ab- schrift des THius einige Zeit in seinen Händen geblieben sein.

Der Inhalt dieser Papiere war, nach den von Turnebus pag. 247—256 mitgeteilten Varianten, mit dem Text unseres Arcerianus ganz übereinstimmend; eine einzige Abweichung muss auf einem Versehen beruhen, und bei emer anderen

Episcopo Meldensi, cul et Romae codicem meum legendum dedi. sed adhibitus fuit alius uetustus, ex sancti Bertini apud Audomari fanum in Flandris bibliotheca, cui, ut et meo, inerant, Epaphroditi, Vitruuii, Ruffi; Simplicii, Balbi et Hygini de castris metandis fragmenta, sed uitiosissima. [Sie standen gar nicht in der Handschrift von S. Omer, dem jezigen Gudianus.] 42) s. oben S. 14.. 43) pag. 256: . . „collato libro nostro, quem de vetustissimo iam im- . presseramus exemplari, cum codice, quenx ex Italia exportatum impertitus est nobis candide Gentianus Heruetus. quibus vos vtemini literarum bonarum studiosi, dum et his alia maiora, et haec ipsa locu- pletiora paramus.*

Römische Feldmesser II. 3

34 BLUME

Stelle muss ein Codex zweiter Classe, wahrscheinlich der Palatino-Vaticanus, benuzt worden sein *). |

Dass die Notizen des Hervetus nach einmal gemach- tem Gebrauche noch sorgfältig bewahrt worden wären, ist kaum zu erwarten. ‚Rigault scheint zu sagen, dass er einen besonderen Codex Herueti benuzt habe; .aber seine Mitteilungen gehen nicht über die gedrukten Varianten der ‚Pariser Ausgabe von 1554 hinaus *°).

4. Die vaticanische Abschrift, Cod. 3132.

Auf Papier in Grossfolio: seht sorgfältig und gleich- mässig geschrieben, mit Wiederholung aller Zeichnungen, nur ohne Farben. Auf dem sehr breiten leer gelassenen Rande finden sich, ausser dem Namen des .jedesmaligen Autors, mitunter auch einzelne im nebenstehenden Texte vor- kommende ‚Kunstausdrücke wiederholt, Eine neuere Hand hat bei den Worten Mons. est u. s. w. (dem Anfang des zweiten Quaternio des. Árcerianus) auf Schott’s Ausgabe verwiesen: ,Edidit haec And. Schottus . Antwerp. 1616 “, und beim Pseudosimplicius die Variante: „in alio codice: Incipit Ageniurbici de controuersiis agrorum, nachgetragen; dagegen hat schon der Abschreiber an, dieser lezten Stelle zu dem Worte Simplicius bemerkt: ,hoc additum aliis literis puto adulterum, und fol. 104*,. bei der Epistola ad Celsum, hinzugefügt: „Lege P. Crinitum Ii. XXI cap. X et commentaria, in poeticam. Lege Isidorum. Lege Censorinum.“ Ein angehängtes alfabetisches Verzeichnis scheint etwas neuer, und hat jedenfals noch spätere Zusäze erhalten. Der 110 Blätter füllende Text theilt zwar im Frontin alle Lücken des Arcerianus in seiner jezigen Gestalt; dass er

44) Rhein. Museum VII, S. 187. 188. 45) vgl. Niebuhr römische Geschichte Il, 549 der ersten Ausgabe.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren: 35

aber mitunter aueh vollständiger. sei als dieser, ist schon vorhin (S. 24. 25.) erörtert worden. Unedirte Zeichnungen . finden sich noch bei der Pars II des Agenus (fol. 61. 62. 64. 66.) zu Goesius (pag. 67. 68. 69. 72. 74. 75.) und hinter der fluminis uaratio (fol. 68. 69., zu Goes. p. 285) Das Citat aus Crinitus beweiset, dass diese Abschrift nicht vor dem J. 1504 entstanden sein kan; andererseits aber darf aus. mehreren Gründen vermutet werden, dass sie inRom gefertiget wurde, bevor der Arcerianus von dort weg über die Alpen entführt wurde. Denn ausser dem vor- anstehenden päbstlichen Wappen enthält sie am Ende das Wappen eines Cardinals .einen aufrecht stehenden Löwen, im rechten Vorderfuss einen Degen: die Vaticana hat sie also.erst aus der zweiten Hand erworben. Dass sie vor dem J. 1636 dorthin gekommen, würde der vor diesem Jahre vollendete MRaynald’sche Katalog, in welchem sie bereits verzeichnet ist, sogar direct beweisen ‘°); da sie aber in der Numerirung fast unmittelbar auf die, Sixtus IV (f 1481) betreffenden Handschriften (z. B. Cod. 3084. 3103) folgt, und jedenfals vor den im J. 1600 hinzugefügten Orsinischen (z. B. Cod. 3226. 3867) noch ziemlich weit voransteht, so muss sie aller Wahrscheinlichkeit nach schon in der zweiten Hälfte des sechszelinten Jahrhunderts erworben sein. Denn die lateinischen. Handschriften der Vaticana sind, mit seltenen Ausnahmen, noch immer nach. der Zeit ihrer Erwerbung ge- ordnet *). Dies und das eben erwähnte päpstliche Wappen der Basilisk der Familie Boncompagni**) sezt es

46) Montfaucon bibl. I, 108., verglichen mit meinem Iter italicum III, 105.

AT) Iter italicum III, 104. 105.

48) Freilich ohne Drachenschwanz, wenn ich mich recht entsinne; aber auch in Ughellis Italia sacra II, 394. 761. VI, 180. VIL, 860 der zweiten Aus- gabe finde ich meist nur die vordere Hälfte des geflügelten Ungeheuers in diesem Wappen.

, 3*

36 . .BLUME

wohl ausser Zweifel, dass Gregor XIII (1572— 1585) die Vaticana mit dieser Handschrift bereichert -habe.

Meiner Ueberzeugung nach kan diese Abschrift keine -andere sein, als die des Basilius Zanchi (Num. 1.).

5. Die jenaische Abschrift.

Einhundert und vier Blätter in Kleinfolio, Schrift des 16ten Jahrhunderts; einzelne Blätter smd unbeschrieben.

An dieser wichtigen. Handschrift, deren schon oben (S; 24. 25.) gedacht worden ist, haftet noch manches Räth- .sel. Sie ist im J. 1827 von dem leider zu früh verstorbenen ‚Zimmern der Bibliothek zu Jena geschenkt worden; wo- her er sie hatte, wissen wir nicht. Ich habe die Schriftzüge für französisch oder niederländisch gehalten; Laehmann und Pertz halten sie eher für italienisch. Dass sie vor den :lezten Verstümmelungen des Arcerianus durch. Mortaingne (oben S. 19. 26), also vor 1559, ‘angefertigt worden, leidet keinen Zweifel; aber für vorerasmisch (1528) kan ich sie nicht halten, da síe die entschiedensten Spuren einer kritischen Beherrschung des Stoffes an sich trägt. In det Mitte des sechzehnten Jahrhunderts dagegen, nümlich in das Jahr 1556, fält die erste Erwähnung einer Lesart des Arcerianus durch Cujas “) der von nun an öfter den Ággenus- Vr- bicus anführt?, ohne doch das hohe Alter der von ihm benuzten Handschrift hervorzuheben, oder wenigstens: wie Pithou*!, der verkehrten Lesart Simplicius auch nur

49) Cuiacius ad fr. 4 de Vsurpationibus in fine (Opp. omn. T. D): „at ut ex libris scriptis: didicimus, sic apud Agenum legendum est.“

50) €uiacii obss. V, 17: „Aggenus Vrbicus libro: secundo.^ X, 2: „integer Vrbicus.“

51) In der Randbemerkuug zur S. 75 des Pariser Exemplars F. 1791 der turnebischen Ausgabe: „Quae sequuntur... puto pertinere potius ad librum, qui in Cod. Ms. inscribitur Ageni Vrbici de condit. agrorum . . .

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 37 zu gedenken: Bediente er sich nur der jenaer Abschrift, in welcher ‘dieser Name feblt, so verliert diese Nichterwähnung ales Auffallende. So kan ich denn auch jezt noch. nur an der Vermutung festhalten, dass diese Abschrift einem Freunde oder Schüler des Erasmus oder Cujas zuzuschreiben sei. Eine eigene Handschrift der Agrimensoren scheint Cujas nie besessen- zu "haben '*).

Die vorhin behaupteten Anzeichen einer planmässigen Kritik aber lassen sich an dem Umstande erkennen, dass der Schreiber aus beiden Hälften des Arcerianus die gleichartigen Stücke zusammen geschrieben hat. Seine Anordnung ist, nach Lachmann’s Zusammenstellung 'mit seiner tabellari- schen Uebersicht des Arcerianus, folgende:

fol 1°. Incipit hber Higini (de munitionibus ' castrorum,

, z B. 157—207.)

fol. 10^. Higini constitutio (= A. 110— 159. B. 208—283, mit den drei Lücken der Handschrift À, denn der ergänzte Text ist aus B, die Zeichnungen fehlen.)

fol. 315. Lex Mamila (= A 159—161.)

fol. 325. Dieselbe (= B 283—237.)

fol.34*. Higinus de limitibus (= B 91—156.)

fol. 46*. Ageni Vrbici de Controuersiis agrorum (= A161 bis 179. B 1—38. Das Ausgeschnittene fehlte schon.)

fol. 54*. Liber Ageni Vrhici II (— B 39— 91, aber ohne den Namen Simplicius. Am Schlusse: Exp. Liber Ageni,)

fol. 62^. Liber Balbi (= B288, aber mit den Fortsezun- gen der Handschriften zweiter Classe, pag. 97—108 unserer Ausgabe.)

aut rectius ad alium, qui Simplicii et Agenni de controuersiis agrorum

titulo extat in eod. codice.“ s. oben S. 19. 20. 52) vgl. Rhein. Museum VII, S. 206.

38

. fol. 71^. fol. 71^.

fol. 725.

fol. 73*.

fol. 735. fol. 74*.

BLUNE

Incip& fluminum uaratio (= B 179. 180.)

Incipit lib. nomina agrimensorum (ehlendes Blatt hinter A 180.)

De Sepulchris (Desgleichen und.— A 181. 182.) Zeichnung von dem nach A 182 fehlenden Blatte. |

Ratio militiae adsignationis prima (= A 183. 184. Am Ende, aber von anderer Hand: Incipit liber Marci Varronis de Geometria ad Rufum; nebst den Zeichnungen von A 184.)

Prouincia Calabria (verlorenes Blatt von A.) lulii Frontini de agrorum qualitate (= A 60 bis 82. Vor 72 und. nach 74 fehlten schon die Blät- ter, und pag. 69. 70- erscheinen eben so verstüm- melt wie jezt im Arcerianus. Dagegen finden sich 67 und 68 jezt. fehlende Zeichnungen, 68 auch einige fehlende Worte.)

fol. 82^ bis 84^. sind leer.

fol. 85^. fol. 92^. fol. 925.

fol. 93*.

fol. 96^.

Lib. Augusti Caesaris et Neronis (= A 2-10) Nomina Agrorum (= A 1%.)

Nomina limitum (== A 191. Die nächstfolgenden Seiten 192 u. 193 von A fehlen; indessen sind fol. 92 und 93 der jenaer Handschrift zusammengeklebt.) iugera ducentena etc, (= A 5—-20 zu Ende.

Darunter steht: „Deficit“.)

erit pars citrata (= A 1—4 zu Ende. Dann ohne Unterbrechung, als ob es dahin gehörte,. auf fol. 96^ Zeile 2: Zeichnung und Text von A 21 bis 60 zu Ende. Schluss und Unterschrift auf fol. 104°.)

Aus dieser Tabelle ergiebt sich, dass die ‚jenaische Ab- schrift alle Stücke des: Arcerianus enthält, mit Ausnahme

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 39

der easae (A 185—190) und weniger Worte vom Schluss der ersten Hälfte (A 192—194).

6. Die Abschrift des Nansius (+ 1595.).

Diese Abschrift hatte schon Justus Lipsius gesehen?) und Rutgersius verborgte sie an Rigaltius '). Sie war von der eigenen Hand des Nansius‘’), stimmte i der Regel mit dem. Arcerianus überein °*), war aber verschieden ven der jenaischen Abschrift. Denn sie hatte, wie die vali- canische, die Pars II des Agenus unter dem Namen des Simplicius *"). Verschieden davon war auch ein Nansianus dritter und Einer vierter Classe **). M

7. Der Auszug des Joseph Scaliger (t 1609), jezt Ms. Scal. 56 A in Leyden.

Rigaltius, not. p. 4. 5. (Goes. 209. 210): „Bonam centonis illius [nämlich des Siculus Flaccus} partem in " complures diuisam lacinias reperi inter alia fragmenta, quae losephus Scaliger ex.peruelusto loannis Arcerii codice de- scribi curauerat, Hygeni nomine nuncupata. Diese Schil- derung hat jezt der Augenschein bestätigt **). Es sind Ab-

53) I. Lipsii elector. I, 15, auch vor der Ausgabe von Goesius. ^

54) Ian. Rutgersius uariarr. lectt. I, M, zum Theil ebenfals bei Go esius.

55) Rutgersius a. a. O.

56) Rutgersius l. c. (bei Goesius weggelassen): „Inter alios erat Hygini gromaticus, siue de castrametandi ratione liber, ut omnia illius uiri, doctus sed in quo uix ulla uox restabat, quae esset sana. Est quidem is uulgatus a Scriuerio, uerum ita, tt nihil a meo discrepet, cum ille ex Arcerii libris, e quibus Nansius meum de- scripserat, efiam suum hauserit. Eine kleine Abweichung be- merkt Rigaltius not. p. 92. (Goes. p. 2523.)

57) Rigaltius not. p. 6. (Goes. p. 210.)

58) vgl. oben Note 10. Num. 138, und unten die beiden lezten Hand- schriftenclassen.

59) Die früheren Berichte über diese Handschrift (Rhein. Mus. VII, 376) beruhen auf einem Misverständnis.

- 40 BLUME

schriften aus. beiden Theilen des. Arcerianus, zur Ergänzung der Pariser Ausgabe von 1554, Seite 41 steht: INCIPIT LIBER SIMPLICI, und zu dem lezten Worte am Rande: recenter adscriptum fuerat. Das hinter fol. 14 fehlende Blau des Arcerianus hat auch damals schon gefehlt. Schon. vor Rigaltius, von dem diese Abschriftén früher als der Nansianus benuzt waren, hatte Carl Labbé sich im J. 1603 Beiträge von Scaliger zu einer damals projectirten Auf- gabe der Agrimensoren nach Bourges hin erbeten *"). .

8. Die Abschrift des Joh. Arcerius, jezt in Weimar, Cod. G%8. -

Bestimmt erwähnt in dem Verzeichnis der Scriver- schen Handschriften *!), und von Goesius, der einige Rand- noten zum Pseudosimplicius daraus entnommen hat **). Ri- galtius hat sie so wenig benuzen können, als irgend eine andere Scriver'sehe Handschrift.

In neuerer Zeit hat diese schon von Biener 1815 be- nuzte Handschrift sich in Weimar, wo schon Beck und Zeiss'" sie gesehen hatten, wiedergefunden.' Nach der von Mommsen vorgenommenen Durchsicht besteht sie' aus 114 gezühlten Blüttern, welche im Text nichts mehr und nichts weniger enthalten, als das Original in seinem. jezigen Zustande. Statt der Zeichnungen ist oft nur leerer Raum gelassen. Däs Ganze hat den Titel:

Veterum aliquot de re ruslica scriplorum, quorum omnium nomina sequens continet pagina, fragmenta,

60) s. die testimonia bei Goesius.

61) s. Note 10 num. 109. et

62) not. pag..153: ,,Porro, duos nos codices habuimus manuscriptos, quorum unus pauculas habuit adscriptas Arcerü coniecturas, quas cum

ipso auctore edi curauimus.“ 63) Zeitschrift für Alterthumswissenschaft 1840" No. 106—108.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 41

nunc primum in lucem edita ab . loanne Arcerio Theodoreto Frisio, una cum eiusdem in illos anno- latiunculis [späterer Zusaz: seu diuersis lectionibus et notis.] Auf dem Vorblatte steht: Tavıa ix nakaıorarov BißAov yeyoauuérvov, 0c nog : duoi ix v doaouov. . - Darunter von anderer Hand: Taüra dx nralmoraeng Tıvög Bißkov yeıgoyoagov, Tig sag à&uoi, &x vÀv vov Epaoyov. Ungeachtet einiger Abweichungen in dem Titel scheint es mir unzweifelhaft, dass dies nur -der Codex 109 des Seriver'schen Handschriftenkatalegs (oben Note 10) sein kan. Wichtig ist er uns jezt nur durch seine, unten bei der drit- len Classe zu erwähnenden Varianten zum Hyginus de munitionibus castrorum.

| Zweite Classe. Die Handschriften mit justinianischem Recht.

Die gemeinsamen Kriterien dieser Handschriften bestehen darin, dass; sie nichts von dem zweiten Theil des Fron- linus oder Agenus, dagegen aber den Siculus Flaccus, $0 weit er gedrukt ist, vollstándig, und ausserdem, neben vielen kleinen Bruchstücken ülterer Agrimensoren, auch einige Excerpte aus dem justinianischen Pandectentitel Finium regundorum enthalten *). Die Auszüge aus dem theodo- sischen Codex und den ersten Theil des Agenus haben sie meist mit der dritten Classe gemein, während ein Stük mit der Ueberschrift: ex LIBRO Xu. INNOCENTIVS VP. AVCTOR (Goes. p. 220sqq.) sich selbst bei der zweiten Classe nur in einer Originalhandschrift befindet.

64) vgl. Niebuhr róm. Gesch. II, 544—547. 560—602. der ersten Ausgabe.

42 BLUNE T

-. Wir kennen jezt drei alte Handschriften dieser Classe, die von S. Omer, die palatino- vaticanische und die zu Brüssel; ferner zwei.alte epitomirte Texte, und eine in den lezten Jahren entdekte neuere Abschnft.

l. Die Handschrift von S. Omer.

In der Bibliothek des Klosters: S. Bertin zu S. Omer gefunden, kam dieselbe zuerst an Adrian Turnebus, später an P. Scriver **), darauf an Marquard Gudius, und erst nach dessen Tode (1689) nach Wolfenbüttel, wo sie jezt als codex Gudianus num. 105. bezeichnet wird. Sie ist, mit dem Arcerianus, nach.Paris und von dort wieder zurükgekommen. =

Der Inhalt dieser Handschrift ist ebenfals schon aus Ebert's Katalog bekant, auf welchen ich .hier wiederum zunächst verweisen muss °°). Indessen hätte seine Beschrei- bung bei weitem kürzer und zugleich viel verständlicher wer- den kónnen, wenn er statt der Ausgabe des Goesius die frühere von Turnebus zur Vergleichung gewählt hätte, da diese im Ganzen. als ein treuer. Abdruk des Gudienus zu betrachten ist. Beide entsprechen nämlich einander in fol- gender Weise: 2

Cod. Gud. fol. 1 —24 z Turneb. p. 33—90.

» PL. —38*fin = , p. 1-38. .

|, » fol. 385—455 = , append.p. 1—10. un fol45—108 = , p.91—246.268.

» » fol109 —111 = append. p.11—17.

Die Handschrift ist aus dem neunten oder. zehnten Jahr-

65) s. oben Note 10, Num. 137.

66) Bibl. Guelferbytanae codd. classici p. 12 14. Die Inhaltsangabe von fol. 105—108* ist hier durch irgend ein Versehen ausgefallen; sie er- gänzt sich durch das, was in Lachmann's Tabelle pag. X. XI. über pag, 209—213 gesagt ist.

Handsehriften und Ausgaben der Agrimensoren. 43

hundert, und sehr regelmässig, mit äusserst wenigen Ab- breviaturen, die gegen das Ende noch seltener werden, ge- schieben. Jede Seite: hat 26 Zeilen: die Worte stehen meistens gesondert, zuweilen aber auch umichtig, wogegen die Buchstaben rt, re, ft meistens, mitunter auch nf in einen Zug verbunden sind. Farbige Buchstaben hat nür die erste Hälfte der Handschrift. Der lezten (14ten) Quaternion fehlt das achte Blatt; doch scheint vom Text so wenig hier, als in den. ersten 13, mit Zahlen versehenen Quaternionen der Handschrift etwas zu fehlen. Sie ist bei Anfertigung, der Turnebischen Ausgabe unmittelbar gebraucht worden, was noch manche: Spuren, z B. die eingestreueten Kom- mala und viele Correcturen, erkennen lassen.

2 Die palatino-vaticanische Handschrift, Num. 1564.

Innere Numer 529. C 89/858. 626. Hintere Aufschrift: de agrimensoria auctores uarii. Quarthandschrift von 149 Blättern, auf jeder Seite zu 26 Zeilen: mit dem vorigen Codex in. Alter und Schrift sehr übereinstimmend, nur etwas weitläufliger, und in den Zeichnungen sauberer gehalten. Zum Siculus Flaccus stehen kurze gleichzeitige oder wenig neuere Argumente am Rande; die Puncte und die äusserst seltenen Kommata sind etwas neuer. Abbreviaturen hat der Schreiber, bis auf die allereinfachsten, fast durchgängig vermieden. Desto merk- würdiger ist das Zeichen 1 X für 1'U,, ganz so wie die Römer noch jezt es brauchen. ‘Auch verbundene Buchstaben, LB. ct, et, sind (ausser ae) nicht häufig; die ganzen Worte stehen aber in der Regel gesondert. Hyginus heisst auch hier immer Hygenus; einmal sogar Kygenus. Von den drei ersten Blattsehiehten (fol. 1 —28) haben

44 ! BLUME

sich nur 14 Blätter erhalten; das Fehlende ist durch einge- schaltete weisse Papierblätter (fol |—8. 14— 17. 21. 23.) nicht gariz richtig angedeutet worden. Zwar lässt sich, nach dem Umfange der fehlenden Stücke, vermuten, dass es im ganzen allerdings 28 Blütter, also zwei Quinternionen und ein (Quaternio gewesen: aber jene fehlenden Blätter hätten dann als fol. 1. 2. 3: 8—18 bezeichnet werden müssen, so dass, bei der jezt einmal feststehenden Blattzählung, fol. 4 bis 8. 21 und 23 als überflüssig erscheinen, und dagegen hinter fol. 17 noch sieben leere Blätter einzusehälten sind. : Der Inhalt dieser drei ersten Blattschichten stimmt aber in allem Wesentlichen mit den drei ersten Quaternionen des Gudianus, und mit dem Turnebischen Abdruk p. 33— 90 überein, wenn man Folgendes auf die verlorenen Blätter ab- rechnet: EM fol. 1. 2. 3 Turneb. pag. 33— 38 fin., uerb. ||,, machinis amputatis «|| IE fol. 8—18: Turneb. p. 49 post med. ||, fluminis ueterem* bis p. 71 post med. , quae in centurias erant.* || Es: fehlt also die Epistola ad Celsum , dei Anfang der theodosischen Constitutionen, und der gröste Theil des Agenus. Urbieus; der s. g. liber diazographus ist vorhan- den, aber die Ueberschrift: ,, Aggeni ALAZOTPAP®OZ“ von sehr neuer Hand. Die nachfolgenden beiden Quaternionen (fol. 29 44) * enthalten, so wie im Gudianus (fol. 25—38*) den Siculus Flaccus; doch fehlt von dem fünften das mittelste Doppel- blatt (fol. 40.-41.), bei Turnebus p. 22 init. ||, professi aunt“ bis p. 26 init. perticam illam tamquam". || Dagegen zeigt sich im sechsten bis neunten Quaternio (fol. 45—72) eine merkwürdige Abweichung vom Gudianus:

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. | 45

sie enthalten ausser den allerlezten kleineren. Fragmenten, welche Dieser erst gegen das Ende hat, (ex libris Dolabellae u.s. w. cod. Gud. fol. 102» —108, Turneb. p. 232—246. 268), auch noch 7 Stücke, welche der Palatinus teils vor allen anderen Handschriften, teils wenigstens vor dem Gudianus voraus hat, nümlich:

1) fol. 51* hinter signum, Turn. p. 246. Goes. p. 311. Terminus si ungulam trifinium facit, wie Goes. p. 310 med.,, pag. 309 unserer Ausgabe.

2) Gleich darauf (fol. 51*—61^*) der zuerst von Rigal- tius edirte Innocentius, pag. 310 unserer Ausgabe.

3) fol 61^ ein sehr gross geschriebenes griechisches Alfabet, welches in allen Ausgaben weggelassen ist.

4) fol. 61* lin. 9 bis fol. 62* med., dasselbe Alfabet, welches Turnebus p. 221—227 (Goes. 278—284) aus dem Gudianus fol.98^ mit Zeichnungen und Erläuterungen giebt”) so wie es auch im Palatino- Vaticanus fol. 144^ bis 147^ noch einmal vorkomt hier ohne Zeichnungen (pag. 325 unserer Ausgabe.).

5) fol. 62^, hinter den mensurarum genera *5), noch die Erläuterung der Gewichtszeichen, welche jezt S. 339 unserer Ausgabe mit abgedrukt sind.

6) fol. 63°, hinter beneficio Augusti®), und vor ager cineribus deputatus:

ager relictus et extraclusus | ager noxiorum | ager inopum | ager locorum sacrorum | (vgl. S. 247 Note in unserer Ausgabe).

67) Nur m falscher Ordnung, indem die, den Buchstaben enthaltende Zeich- nung jedesmal den Erläuterungen voranstehen solte.

68) Turneb. p. 268, oder, da diese Seiten nicht gezählt sind, auf der Seite zwischen dem index und appendix Rigaltius und Goesius haben dieses Stük gar nicht.

69) Turneb. pag. 32. Auch hier ist Goesius p. 26: viel unvollständiger als Turnebus. vgl. Goesius p. 72. 73.

46 BLUME

7) Endlich fol. 63—72 drei grosse von-Rigaltius p. 341 fI. benuzte Stücke über die Colonien: Goes. p. 111 med. bis 119 lin. 5. p. 143 (Item) bis p. 147 lin. 2, und p. 102— 109 lin. 9. (pag. 211. 218. 2401f. unserer. Ausgabe)

Von der Mitte des neunten Quaternio (f0l.73°) an stimmt aber die Ordnung des: Palatinus wiederum ganz zum Gudia- nus (fol. 38*— 108), mithin auch zur Turnebischen Ausgabe, indem

1) fol. 73*— 82^ init. = Turn. p. 32. u. append. p. 1 10 sind, wo jedoch der Palatinus mehr Zeichnungen enthält;

2) fol. 82*—149^ lin. 2 Turn. 91—232 init. -

Mit den Worten scamna. uocauerunt bricht. die Hand- schrift ganz oben auf fol. 149^ .ab, so dass hier allem An- schein nach nichts verloren gegangen. ist, obwohl wir von der lezten (neunzehnten) Blattsehicht nur dies eine Blatt haben. Die am Schlusse des Gudianus stehenden Mensu- rorum genera (fol. 109—111. Turneb. app. p. 11— 17. Goes. p, 320—25) fehlen also dem Palatinus gänzlich. Dagegen hat eine spätere Hand den leeren Raum der lez- ten Seite benuzt, um noch ein 44zeiliges "Gedicht eines Utrechter Geistlichen Ratbod auf die Schwalbe einzutragen, welches ich nicht copirt habe. Die Ueberschrift lautet: UERSUS RATBODI SCAE TRAIECTENSIS AECCLAE FAMULI DE HIRUNDINE . Anfang: „Est mihi“ Ende: „ut ipse creans.“

Diese palatinische Handschrift glaube ich nun unbedenk- lich für eben dieselbe halten zu dürfen, welche Sichard als den von ihm benuzten Fuldaer Codex der .Agrimen- soren bezeichnet”. Dass dieser Leztere zur zweiten Classe

70) Cod.-Theod. ed. 1528. fol. 174. uers. in marg. (zum Ende des A genus de conditt. agror.) ,,Exemplar Argentoratense paulo plura habuit de limitibus prorsis et transuersis, quae tamen in Fuldensi codice, quem sumus secuti, non extabant.“

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 47

gehörte, ergiebt sieh schon aus der genauen Uebereinstim- mung des Sichard'schen Abdruks (fol. 170—177) mit Turnebus p. 33—77; auch hatte Sichard den liber diazo- graphus, den er nicht mit herausgegeben hat'*), den Sieulus Flaccus, und was ich für entscheidend halte, den Innocentius '*). Damals war also der Palatinus noch vollständig, und Sichard's Abdruk. darf, so weit er reicht, als Ersaz für die später entstandenen Lücken angesehen wer- den. Später hat Rigaltius den Codex, jedoch zuerst nur mittelbar und ‚hernach: nicht erschöpfend benuzt; namentlich verschafte ihm Gruter den damals noch ungedrukten Inno- centius und einige die Colonien betreffende Stücke, ins- besondere die Pars Piceni’°). Im J. 1623 kam der Palatinus mit der ganzen Heidelberger Bibliothek nach Rom, von wo er auch in neuerer Zeit nicht zurük erstattet worden ist'*). Einzelne Stücke desselben habe ich in Rom vergleichen kömen; do«h bleibt'vor Allem noch eine treue Copie aller Zeichnungen zu, wünschen übrig.

3. Die Brüsseler Handschrift, bibliothéque de Bourgogne, N. 10629.

Ein aus der Abtei. Tongerloo, dann aus der Bollan- distenbibliothek stammender Pergamentcodex, meist in ge- spaltenen Columnen, aus dem litten und 12ten Jahrhunderte. Der Inhalt ist sehr gemischt; denn ausser den Agrimensoren, welche dem 12ten Jahrhundert angehören und fol. 36 bis 55

71) ibid. „Aggeni liber diazographus a nobis omissus.*

72) Bedic. ad Ferdinandum regem pag. 4: „Praeterea Siculum Flaccum, et Innocentium de notis iuris, quem Ammianus agrimensorem sub Constantio fuisse commemorat, fueramus adiecturi, nisi tempore ocioque exclusis aliud:in manus non minus e re studiosorum uenisset.*

78) Rigaltii- (appeadiz) pag. 341. 347. Goes. 117, ums. Ausg. p. 225.

74) s. mein Iter italicum Bd. III S. 43— 53.

. 48 = BLUME

stehen, finden sich noch Homilien und Gedichte des ‚Mittel- alters, Stücke aus Salvianus, Sidonius Apollinaris, Notker, und sehr vieles Andere darin *?).

Unsere Agrimensoren sind aber sofort als reine Abschrift des palaünischen Codex (No.2) zu erkennen, doch ohne die Zeichnungen, namentlich ohne den s..g. liber diazographus. Dagegen ist sie noch vollständig in den ersten, jezt ver- lorenen Blättern des Palatinus, welche freilich von Sichard noch. benuzt worden waren.

Die Wiederentdeckung und: die erste Beschreibung die- ser Handschrift verdanken wir Hänel, eine genauere Revi- sion dem Herrn Dr. Hertz. Vollständiger Collationen konte es nicht bedürfen. : |

4. Blosse Excerpte aus Handschriften der zweiten Classe enthält eine Handschrift in München aus dem eilften Jahrh., in Octav (Cod. S. Emmerani K. 6), hinter mancher- lei mathematischen und geometrischen Stücken, auf fol. 83 bis 93. Sie entsprechen dem bei Turnebus S. 198. 175. 94 (Goes. 264..311. 153) Gedrukten.

5. Ganz gleichlautend damit scheint eine Wiener Hand- schrift zu sein, welche in Endlicher’s catalog. cod. philolog. latin. bibl. palatinae Vindobon. 1836. pag. 261 beschrieben ist.

6. Abschrift in Leyden No. 53, Vossianus C

In dem. gedrukten Katalog der Leydner .Bibliothek (1716 fol) findet sich pag. : 372 unter der obigen Numer folgende Angabe: 7

Excerpta uariorum auctorum de limitibus agrorum ut ex Tyrreno Saeculo Flacco, Euclide, Hygeno

75) Hänel in Richter kritischen Jabrbüchern für deutsche Rechtswissen- schaft. Jahrgang 1837. S. 760—768.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 49

Augusti liberlo, Caio et Theodosio, Latino et Misrontio Locati [l. toga] Magone et Vegoia Arruntio, Vel- iymno, Vitali elc. ... lex Mamilia, Roscia, Peducea, Aliena, Fauia. Tum ex Frontino. ltem de mensuris. Chartac. Goesius erwähnt diese Handschrift in den Anhängen seiner Vorrede, ‚ohne ihr einen eigenen Werth beizulegen. Ich hatte sie früher (Rhein. Mus. VII, 225) in England geglaubt, und der dritten Claáse zugeschrieben. Dass die von Sichard erwähnte Strasburger Hand- schrift ebenfals in die zweite Classe gehört habe, muss ich schon wegen der von ihm berichteten Abweichung bezwei- feln. Zwar komt eine Stelle über limites prorsi und transuersi sowohl in dieser als in der ersten Classe vor, aber im Hyginus, nicht im Agenus '*, so dass sie wohl nur in einer Handschrift vierter Classe, wahrscheinlich in der zweiten von den jezt in Bern befindlichen, mit dem, Agenus de conditionibus agrorum zusammengewürfelt sein konte. Fest überzeugt aber bin ich, dass Sichard nur diese zwei Handschriften. der Agrimensoren gekant habe; denn die von Niebuhr für das Gegenteil angeführte Stelle ist gewiss nur von Handschriflen der westgothischen lex romana zu verstehen *").

Als Herausgeber der eigentümlichen Stücke dieser Handschriftenclasse sind zu nennen: Sichard 1528, Tur- nebus 1554, und für die Ergünzungen aus dem palatinischen Codex, Rigault 1614.

76) Goes. p. 151, in unserer Ausgabe pag. 167.

77) fol. 171 uers. in marg. (zu den Schlussworten der const. Theod. Semper magnam) , Haec clausula alicunde arrepsit, cum in non-

- nullis codicibus non legeretur.“ Vgl. Rigalt. not. p. 63. 64. (Goes. 239) Niebuhr II, 548 (kleine Schriften II, 96.).

Rómische Feldmesser 1l. A

50 BLUME

Dritte Classe.

Die Trümmerhandschriften.

Es war schon von Niebuhr bemerkt worden, dass in einem florentinischen Codex der Agrimensoren der Inhalt der besseren Handschriften in der auffallendsten Weise verkürzt "erscheine; er hielt diese Abkürzung für ein absichtliches Mach- werk, wobei „nur das noch vorkommende Rechtliche und das Geometrische Zwek war“; das Alterthümliche, wie die Lehre von der Limitation: sei bis auf wenige Reste als unpraktisch übergangen ’°). Da nun in eben dieser und den ihr ähnlichen Handschriften Manches dem. Nypsus zuge- schrieben wird, was nach den übrigen Zeugnissen von an- deren Autoren herrührt, so ist in neuerer Zeit sogar die An- sicht aufgestellt worden, dass der, freilich auch ariderswo genante Nypsus nur ein Plagiarius sei, von dem dieses ganze elende Machwerk herstamme **).

' Diese vermeinte Absichtlichkeit muss aber jezt, nach Lachmann's äusserst gründlichen Untersuchungen über die neu entdekte Erfurter Handschrift, geleugnet werden. Es sind vielmehr zerstreute und vermengte Ueberbleibsel einer grösseren Handschrift, deren ursprünglichen Bestand Lach- mann annähernd berechnet hat °°): einer Handschrift welche mit der zweiten Hälfte des Arcerianus und mit dem Gudia- nus am nächsten verwandt, vielleicht selbst die Quelle von jener gewesen ist °‘). Die Handschrift würde vor der zweiten

78) Niebuhr römische Geschichte 11, 554 der ersten Ausgabe. 79) Lange prolegomena ad Hyginum de munitionib. castrorum pag. 21. 80) Die noch vorhandenen Stücke sind aus Balbus, Frontin, Agennius, Hyginus, Nypsus (Epaphroditus?) und den Verzeichnissen der ^' Colonien. . 81) In diesem Puncte hat also meine frühere Vermutung (Rhein. Museum für Jurisprudenz VII, 191. 227. 228.) sich durchaus bestätigt.

"

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. ol

Hälfte des Arcerianus in seiner jezigen Gestalt Manches (z.B. die Auszüge aus dem theodosischen Codex. und ein Stük des Aggenus) voraus gehabt haben; aber gerade diese Stücke können sehr wohl in den untergegangenen Blättern. des Arcerianus gestanden haben. Marcus Varro oder Baro, dem der Arcerianus ein Werk de geometria zuschreibt, ward in einer Handschrift dieser Classe, der alciatischen, als Verfasser einer Arithmetik erwähnt; von den justinianischen Pandektenfragmenten aber, welche in den Handschriften zweiter Classe vorkommen, findet sich hier so wenig. eine Spur, als im Arcerianus. |

Die Trümmer selbst sind aber schon früh in zwei Hauptstücke zerfallen, deren Eines zuerst in den Händen des . berühmten Alciat, das Andere in denen seines. juristischen Zeitgenossen- Antonio Massa da Gallese erscheint. Die Verwandschaft beider Hälften. verräth sich nicht blos durch ihren Inhalt und die gleiche äussere Verderbtheit der Hand- schriften; sie ist, wie es scheint, von einem der ersten Ab- schreiber, Basilius Zanchi, mit Sicherlieit erkant worden. Aber auch nur für verwandt, nicht für identisch, darf ihr Inhalt gehalten werden.

I. Die Handschrift des Gallesius Massa.

Dieser in Rom sehr angesehene Jurist und Historiker hat beide Hälften dieser Classe in Händen gehabt. Denn in seinem 1543 geschriebenen Buche de origine et rebus Fali- scorum °*) führt er eine Stelle aus dem vermeinten Fronti- nus de colonns ungefáhr mit denselben Worten an, mit

82) Abgedrukt in Graeuii thesaurus antiquitatum italicarum Tom. VIII P. III, col. 24D: ,, Verba Frontini ex fragmentis libri inscripti de coloniis haec sunt: Colonia iunonia, quae appellatur Falisca [sic], a tribus uiris assignata est, in qua limites intercisiui sunt directi, in locis qui-

" busdam riui finales, et caua quae ex pactione assignata sunt. Termini

4*

-

52 BLUME .

welchen sie zuerst zu Rom (1560) und später wiederholt unter Frontins Namen gedrukt worden ist. Indessen sagt er von diesem Stücke nicht ausdrüklich, dass er der Eigen- tümer desselben sei. Dagegen wird er in anderen Handschriften wiederholt als Besizer eines Hyginus de munitionibus castrorum erwühnt, der zwar eben so lückenhaft wie- der arcerianische, aber doch durch manche selbständige Lesarten ausgezeichnet gewesen sein muss. Auch einige mathematische Fragmente, vielleicht dieselben, die im Arcerianus fol. 125 stehen, waren mit jenem Werke verbunden. Folgende Abschriften dieses Massa'schen Codex sind bisher bekannt geworden: l. Das apographum Eyndianum, wie es von Radbod Schele, dem Herausgeber des Hyginus und Polybius (1660) genant wird. Jacob Eyndius war 1614 gestorben; das ihm gehörige apographum war aber schon nach der Mitte des 16ten Jahrhunderts geschrieben. Es ist jezt dem Arcerianus beigebunden (Ebert pag. 11, lit. ee); Lange hat es als cod. B bezeichnet, In diesem Codex fin- den sich nun, nach Lange's Vorrede S. 28, folgende Notizen: fol. 7°: ,In cod. MS. valde deprauato praecedunt quaedam, quae ad mensuras formarum pertinent et videntur alterius esse libelli.*

fol. 10^: ,, Nec plura habuit manuscriptum exemplar, ex quo ista descripsimus: sed neque alterum illud, si non idem, unde pauca quaedam transtulit Volaterranus in Comment. XXX. Caelerum ut in fine sic initio

autem sunt silicinei et distant a se in pedes CCCLX, CCCCXX, CCCCLXXX et DC. Ceteri normales riuorum cursus seruant. Colonia Nepesis [sic] ea lege seruatur, qua et ager Faliscorum. vgl. Goes. pag. 113. 130. Lachmann p. 217. Ä n

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 53

"nonnulla deesse videntur. Nam quae praecedebant in meo circa paginis tnbus descripta ad formarum praecipuarum pentagoni dimensionem pertinebant, et unius tractationis visa sunt cum illa, qua ex [sic] Epafroditi et Vitruvii Ruffi nom. in huiusmodi col- lectionibus reperiuntur. Reliqua etiam ita corrupta ut meliore omnino exemplari indigeant.“

Dass diese Notizen nicht etwa auf das losgetrennte Stük des Arcerianus (oben S. 5) zu beziehen sind, folgt teils aus den abweichenden Lesarten, teils auch daraus, dass. vom Arcerianus noch viel mehr abgetrennt war, als die Schrift de munitionibus castrorum, so wie dass diese Stücke um die Mitte des 16ten Jahrhunderts dem Arcerianus wohl noch nicht gefehlt haben.

2. Die Abschrift des Basilius.Zanchi, welche in den beiden folgenden Abschriften (No. 3, 4.) benuzt ‚worden ist.

3. Die Abschrift des Metellus Sequanus, (oben $. 14. 31) mit Zeichnungen; teils aus dem florentinischen Codex (s. u. Il.) teils aus dem des Gallesius Massa und aus Zanchi’s Abschrift: jezt in Rom, als Codex Barberinus 1546. Derselbe enthält, nach Angabe meines italienischen Studiengefährten, des verstorbenen Dr. Maier aus Tübingen, folgende Notiz: „Jste codex fuit Jacobi Metelli Sequani. Ex Florentino codiee corr. ex Cod. Galesii Massae et ex Cod... [Basilii] Zauchi.^ Eine dieser beiden Handschriften, heisst es in der Notiz weiter, sei zwar neu, aber aus einem alten Codex abgeschrieben (vgl. num. 4.). Inhalt des Codex: 1) Nypsus, 2) leges Theodosii etc. 3) Nomina limitum und andere kleine Stücke, 4) Frontinus de coloniis, alias Cl Caesaris. 5) De castrorum munitione u. a. m. Genauere Untersuchungen sind leider bei dem jezigen Zustande der Barberina nicht möglich.

54 D BLUME

4. Das apographum Wouverranum, aus dem Än- fang des 16ten Jahrhunderts, näher beschrieben von Lange (prolegg. pag. 25— 27. 38), der es als Codex C bezeichnet hat. Wouver starb 1635; er hatte die Handschrift dem Peter Scriver geschenkt oder vermacht, so dass sie jezl gleichfals dem Arcerianus angebunden ist (Ebert pag. 11. lit. gg). Ihren Ursprung und Inhalt hat schon Scriver dahin angegeben: „Apographum Wouverianum ex recent. Basilii Zanchi codice manuscripto, sed ex veteri Antonii Galesii Massae errorum plenissimo desumto [vgl num. 3] transscriptum, hunc titulum praefert: Hygini Gromaci??) liber de munitionibus castrorum.

Andere Abschriften kennen wir nicht, die mit dem Massa'schen Codex erweislich zusammenkingen; die von Lange (prolegg. p. 32) noch genanten enthalten nur solche Bruchstücke, die sich auf den Alciati’schen, den Florentini- schen und den Erfurter Codex zurükführen lassen.

»

ll. Die Alciati'sche.Handschriftenfamilie.

]. Andreas Alciatus hat schon im J. 1519, in sei- nen dispunctiones, sich umständlich über die Agrimensoren aus- gesprochen, teils unter Berufung auf ,, Junius Nipsus“®*), teils in Auszügen aus „Agennius Vrbicus in lib. de constitut. agrorum.“ Diese zweite Stelle schliesst er mit folgenden Worten °®): -

83) Diese Form Gromacius findet sich auch bei Antonius Augustinus (de legibus cap. VI pag. 13 der ältesten Ausgabe), was von Lange (pag. 24) mit gutem Grunde von den eigentümlichen Lesarten der Massa'schen Handschrift hergeleitet wird.

84) Im vierten Bande seiner sämtlichen Werke, Francof. 1617 col. 159: dispunctt. II, 6: „ut ex Junii Nipsi commentarüs alibi declaraturus sum.“

85) Ibid. col. 189: dispunctt. III, 15.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 55

„Et haec quidem ille de mensoribus refert, quàe ideirco libentius in medium: attuli, quomam is autor nequaquam uulgatus est: una tamen cum Junio Nipso, Mar. Varrone de arıthmetica, et Balbo de coloniis Latinis breui in publieum.prodibit: si modo per otium mihi licuerit eos emendare: liber enim ipse tam abrosis characteribus est, ut uix legi possit.

' Weitere Auszüge lieferte Alciat im J. 1529 zu Bourges, als er seine Schrift de quinque pedum praescriptione heraus- gab. Sie werden dem „Agennius Vrbicus de constitutionibus agrorum,* dem Junius Nypsus und dem „Julius Frontinus ad Celsum in libello de iure limitum, tit. de fin. regun.“ zu- geschrieben *^), scheinen jedoch nicht ganz wörtlich der Handschrift entnommen zu sein. Stücke der jusühianischen Pandekten sind nicht, wie Niebuhr*") meinte, darunter; wohl aber Stücke des Agenus, die wir jezt nur noch in | der zweiten Handschriftenclasse finden °°). '

Der Ausdruk: „abrosis characteribus“ kónte fast zu der Annahme bestimmen, dass Alciat einen Bobienser Palimpsesten der Agrimensoren besessen habe. Jedenfäls ist jezt jede Spur seines Codex verschwunden, und'da Alciat in Bourges nicht mehr von dem Plane ihn herauszugeben redet, so muss es dahin gestellt bleiben, ob er ihn damals noch besessen, oder in Italien zurükgelassen habe.

Ganz eigentümlich war dieser Handschrift teils die Schreibung Agennius,. Aggenius, welche den inschrift- lichen Formen, Agennia°), Adgennius und Adgin-

86) Opp. T. Ill. col. 345. 346. 350. 359. 360: de quinque ped. praescr. $. 18. 19. 21. 22. 74. 75.

87) Róm. Gesch. II, 545. 548 der ersten Ansgabe.

88) Goes. pag. 50. 53. 64, in unserer Ausgabe pag. 9. 12. 26:

89) Orelli inscr. 2310.

56 BLUME

nius'?) am nächsten komt, teils der Titel seiner Schrift: de constitutionibus limitum.

Wir kennen jezt noch drei ältere Pergamenthandschrifen, welche der Alciatischen nahe verwandt sind; im 17ten Jahr- hundert sind ihrer wenigstens vier vorhanden gewesen.

2. Die wichtigste unter diesen eben genanten Hand- schriften ist die zu Erfurt; bibliothecae Amplonianae No. 362, angebunden an die Tabulae illustris regis Alphonsi. Sie besteht aus vier Ternionen (eder drei Quaternionen?) in Quart oder Kleinfolio, jede Seite zu 29 Zeilen, die aber durch Zeichnungen oft unterbrochen .werden; Schrift des eilften Jahrhunderts. Am Anfang fehlt etwa eine Seite, die aber in der florentinischen und medaneser Handschrift (N.3. 5.) noch vorhanden ist. In dem alten Original dieser Abschrift hat, naeh Lachmann's Berechnung, jedes Blatt nur ungefähr eilf Zeilen unseres Codex ausgemacht, so dass wir auf 48 Quartseiten noch etwa den Inhalt von 120 Blättern des Urcodex besizen müssten. Dieser Inhalt zerfält aber, bunt durch einander gewürfelt, in 29 längere und kürzere Frag- mente, welche aus Lachmann’s Tabelle pag. VIII— X näher zu ersehen sind. Zur Ergünzung dieser Tabelle ist nur zu bemerken, dass die von Lachmann nicht erwühnten Stücke (pag.28 lin.19 bis pag. 29 lin. 20. pag, 30. 3 bis pag. 31, 9. und pag. 33, 1 bis pag. 35, 23) geometrischen Inhalts sind, und sich zum Theil auch im Arcerianus (col. 19—23 der ersten Hälfte) finden. Sehr seltsam lauten die lezten Zeilen von pag. 35:

„Hos ego libros sortitus ab asse coepi sed de unciis.

computatis secutus digiti rationem cernere cunctis

soluere ac reddere ueram rationem discussi. fateor

agros sollertium non nullus predam promisit. sed 90) Gruter inscript. pag. 13 num. 15. pag. 718 num. 9. |

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 57

nichil ductus uacuare errorem rusticum paliens com-

mittere falsis incerta cupiens audire libros in cuius- . dam dum circuo agros inueni aedem. Incipit siculi

flaccı de condicionibus agrorum liber.“

Da auf der nüchsten Seite (pag. 36) nichts vom Siculus Flaccus steht, so muss auch hier das folgende Blatt des Urcodex verloren sein. .

3. Die florentinische Handschrift (in der Lau- rentiana Phut. XXIX cod. 32), öfter als irgend eine andere genant; durch sie zunächst ist das Misverständnis verschuldet worden, dass das Ganze eine eigene Arbeit des Nypsus sei. Bandini. sezt sie in das eilfte Jahrhundert. Sie besteht aus 31 Pergamentblättern, von denen aber nur die ersten 28 die Agrimensoren betreffen. Ihr speciellerer Inhalt, wie er früher von mir nach Bandini*') und Muratori’s Abdruk der Modaneser Handschrift angegeben worden ist**), hat jezt durch die Erfurter Handschrift an Interesse verloren. Den Anfang machen, wie in den Handschriften zweiter Classe, der Balbus ad Celsum (pag. 91 unserer Ausgabe) und dann die Auszüge aus dem theodosischen Codex (pag. 267 ders.).

4. Ber codex Nansianus, eine Pergamenthandschrift worin der s. g. Frontinus de coloniis enthalten war, ist, wie Scriver erzáhlt**), schon in Ortel's Thesaurus geographi- cus, besonders bei der Prouincia Piceni erwähnt worden. Beide Nansii, der Vater wie der Sohn, hätten die Hand- schrift ,,tenerrime* gehalten; nach ihrem Tode (der Vater, Franz, starb 1595) sei dieselbe „una cum aliis monumentis * in seine Hände gelangt.. Sie werde jezt zum öffentlichen

91) Bandini catal. codd. latin. bibl. Med. Laurent. T. II. 1775 pag. 47 bis 50. vgl. Montfaucon bibl. bibliothecarum pag. 300.

92) Rhein. Museum VII, S. 218 —221.

93) In der Ausgabe des Vegetius und Frontinus 1607. pag. 195. 196.

58 BLUME

Gebrauche bestimmt **. Hierauf folgt das Fragment de coloniis mit der vermeinten Vorrede des Frontinus, im Ganzen so, wie es auch bei Goesius (pag. 128—143 uerb. Augusteos) abgedrukt steht. '

Dass dieser Codex weder mit der Nansianischen Ab- schrift des Arcerianus °°), noch mit dem Nansianischen Per- gamentcodex vierter Classe, welche. später unter den von Seriver nachgelassenen Handschriften vorkomt °°), verwechselt werden darf, liegt am Tage; zweifelhafter aber bleibt es, ob er nicht ausser dem Abschnit über die Colonien noch Anderes enthalten habe. Jedenfals wird ihm, wie ich glaube, das Fronlinische fragmentum de limitibus zuzuschreiben sein, welches Scriver „in duobus antiquissimis sed mendosissime scriptis codieibus“ . gefunden halte, und gleichzeitig heraus- gab"). Im Arcerianus, dessen Varianten allerdings am Rande stehen, und in seinen Abschriften war der Anfang dieses Fragments . nicht enthalten; und: den Handschriften zweiter Classe fehlt es gänzlich. |

. Wir dürfen aber noch weiter gehen, und alle. Stücke, welche Scriver im J..1607 aus einem Pergamentcodex dritter Classe entlehnte, oder künftig herausgeben welte, diesem Nansianus zuschreiben; nemlich die Varianten zu den rein

94) „Nünc ille, quia bellissima occasio est, et de re litteraria mereri lubet, liberali de causa manu asseritur, et egregio publico conseeratur: ne aliquando situ et putrilagine obsitus aut male pereat, aut tineis blattisque ludibrium debeat.“ |

95) Mit dieser verweehselt ihn Lange praef. ad Hyginum de munitionib. castr. pag. VII.

96) s. oben Note 10.

97) hinter Vegetius pag. 159—162 mit der Schlussbemerkung: describebat ex membranis et bona fide cum naeuis suis publicabat Petrus Scriuerius anno 1606. Goes. 215 —219, in uns. Ausgabe p. 27—34. Das darauf folgende kleinere Fragment (pag. 163) hat Scriver aus Turnebus p. 213 his 245 abdrucken lassen (Goes. 308. 309, in uns. Ausg. 42. 43).

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 59

juristischen Fragmenten (pag. 164— 170), bei welchen er, wie auch anderswo, auf Noten verwiesen hat, die aber in dem gedrukten Buche (wenigstens in den Bonner Exemplaren desselben) nicht zu finden sind; und 2) den ganzen s. g. Nypsus, mit dessen Herausgabe er eine genauere Prüfung über die ächte Autorschaft des Frontinus verbinden wolte**). Wolten wir diesen" Stücken einen anderen Ursprung zu- schreiben (was bei der s. g. lex de sepulchris*?) allerdings nothwendig scheint), so würden wir ihn in der anderen Nansianischen Pergamenthandschrift, dem B o ethius (s. unten) zu- suchen haben.

Für den weiteren Umfang dieser Handschrift spricht aber auch der Umstand, "dass sie dieselbe gewesen zu sein scheint, aus welcher Goesius den Nypsus de [luminis uaratione (pag. 285—289) vollständiger herausgegeben hat, als er bis- her anderswo gefunden werden ist!^). Nur die Erfurter

98) pag. 163: „„Ex quo apparet Frontinum nostrum plures de iure limitum et agrorum diuisiomibus libros reliquisse. Et sane inter Gromaticos illos Scriptores non pauca eius uiri emblemata agnosco, quamquam aliis auctoribus uulgo inscripta, consentientibus etiam membranis. Quarum fidem cum hic potissimum mihi sequendam esse arbitrabar, nihil prorsus eorum, quae Frontini esse odoratus sum, adscripsi. Dabitur, ut spero, alias de bis uberius disserendi occasio, cum M. Junium Nipsum ‚aliesque de finibus et re agraria libros hactenus non uisos in publicum orbis theatrum faciente Deo producam.*

99) pag. 271. 272 unserer Ausgabe. Sie findet sich nur im Arcerianus, und-in einer Handschrift des Boethius. In den Noten des Goesius pag. 201. 202 werden freilich Varianten aus Nypsus zu derselben gegeben, aber auch dies kan, wie unten zu zeigen ist, von der vierten Hand- schriftenclasse verstanden werden.

100) Goesii not. p. 176: Corruptissimum hoc fragmentum extat etiam apud M. Junium Nypsum, eo, quod prius editum, non quidem emendatius, uerumtamen multo locupletius. Quatuor enim integras paginas ex illo iam antea editis subjecimus hao editione. Et quamuis agatur non tan- tum de fluminis, sed et de limitum uaratione, attamen non alium habet titulum quam uaratio fluminis, cum uerius praeflgi posset: de uaratione.

60 BLUME

Handschrift komt dem Goesischen Text an Vollständigkeit nahe, ja einigemal hát sie noch mehr als dieser (pag. 285 bis 290, 16 unserer Ausgabe).

5. Die Handschrift der herzoglichen Bibliothek in Modena, welche Muratori teils mit der Ausgabe von Goesius verglichen, teils in grösseren Massen herausgegeben hat '°'), weicht von der florentinischen (oben Num. 3) wenig- stens in zwei Punclen ab. Denn erslens ist der Anfang nicht überschrieben: Junij Nipsi de limitibus, sondern M. Junij Nipsi de mensuris; und. zweitens fehlt am Schlusse des ersten Buches: die Unterschrift mit dem Namen des Frontinus. Von neueren Reisenden ist: sie, so viel ich weis, nicht unter- sucht worden. *

6. Dienun folgenden Abschrift ten dieser Handschriften- classe sind zum Theil im funfzehnten; meistens aber im sechzehnten Jahrhunderte, und zwar nach dem florentinischen Codex angeferüget worden. Nur Eine der ältesten, die des Fabricius Varanus (Cod. bibl. paris. 3359) könte möglicher- weise von der. Alciatischen genommen sein.

. Varanus war Bischof von Camerino in den J. 1482 bis 1506, und seine Abschrift fält zum Theil noch in das funfzehnte Jahrhundert. Er nahm sie nach einer sehr alten, und beschádigten Handschrift, in welcher das erste Buch dem Frontinus zugeschrieben, und das zweite mit dem Zusaz: de fluminum (cod. Laur. fluminis) uaratione über- schrieben war!'' Die Abschrift wird einmal von Rigal-

101) Muratori antiqq. italicae T. III. diss. 44 in fi. col. 981 998 der Folioausgabe.

102) Catal. codd. mss. bibl. reg. T. lll pag. 408: Cod. 3359. membr. pars saec. XIV [XV] pars s. XV [XVI] exarata. Miscellanband; darin u. A.: 16^ Iulii Frontini Siculi liber de arte agrimensoria. 17^ Marci lunii Nypsi liber II de fluminum uaratione, quem exscripsit Fabricius Varanus ex codice uetustissimo et situ corrupto: porro in hoc

Handschriften und Ausgaben der Ágrimensoren. 61

tius als codex Memmianus alter bezeichnet (not. pag. 149, bei Goes. p. 283.)

7. Von gleichem oder "wenig höherem Alter als die Varanische Abschrift ist die, welche Petrus Crinitus (Ricci) in Florenz im J. 1495 angefertigt hat. Sie ist noch jezt in München (im Codex Victorianus 49 oder latinus Monacensis 756) vorhanden. Da sie in Florenz entstanden ist, und mit der florentinischen Handschrift bis auf geringe Abweichungen übereinstimmt, so kan sie wohl nur von dieser herstammen. Uebrigens hat Crinitus, der uns auch ein kleines Frag- ment des Juristen Pomponius über die Servituten erhalten hat, im J. 1504, in seinem Buche de honesta disciplina, ausser dem Nypsus auch den Boeth?us angeführt; wórt- lich aber giebt er nur Auszüge aus dem ersteren, d. h. aus seiner Copie der florentinischen Handschrift !**).

8. Sodann hat Metellus Sequanus, wie er selber berichtet '°), die florentinische Handschrift copirt; und nach dem schon oben (S. 53) Bemerkten scheint es nicht zu be- zweifeln, dass diese Copie der codex Barbermus 1546 sei.

9. Noch eine zweite barberinische Handschrift, N. 1676, ist mir von Hänel als Abschrift der florentinischen, ver- glichen mit einem vaticanischen und einem anderen Codex bezeichnet worden. War es etwa die Handschrift des Lukas Holstenius, auf dessen eigenhändige Randnoten Goesius sich mitunter bezogen hat !?5)?

nostro exemplari menda plurima reperias, quae ıpse Varanus agnoscendo corrigere non tentauit.

103) P. Crinitus de honesta disciplina XXI, 10. XXXV, 4. s. Rhein. Mus. VII, 216.

104) s. oben S. 15. Die dort angeführten Worte des Metellus: ,,Colotius Romae habebat apud quem uidi*, sollen wohl nur sagen, dass er eben jene florentinische Handschrift bei Colotius gesehen und copirt habe.

105) s. dessen Admonitie de litteris singularibus margini appositis: „H: Lucas Holstenius, qui coniecturas quasdam codici suo adiecit. d L|

62 BLUME

. 10. Genau mit dem florentinischen Origmal überein- sümmend ist der von Maier untersuchte Codex Vaticanus 3894, dessen zweite Hälfte (fol. 15—23) jedoch unter fremd- argen Anhängen aueh noch fol 15^ em Fragment: „de limitatione agrorum. Diximus ut in media linea designaretur umbilicus . .. Apulia arbusta uineaeq.. spectent qui marer“ [sic] enthält.

11. Mehr mit dem modaneser, als mit dem florentinischen Codex scheint eine zweite vaticanische:Handschrift, N. 3895, übereinzustimmen, welche ebenfals von Maier in Ansehung der Hauptmassen untersucht. worden ist.- Sie weicht minde- slens in zwei Puncten, so wie jene, von der florentinischen ab:

a) Der Anfang ist nicht überschrieben: Iunii N ypsi de limitibus, sondern M. Iunij. Nypsi de. mensuris (so auch Crinitus).

b) Am Schlusse des ersten Buches wird die Erwähnung des: Frontinus ausdrüklich nur als Variante. der floren- ünischen Handschrift angegeben: „In cedice Florentino sic: Iulii Frontini Siculi Explicit lib. primus.“ "

Ausserdem hat c) das zweite Stük nicht die Ueberschrift: Ex corpore Theod.-u.s. w., sondern: Ex secundo titulo Theodosii libri de fin. reg. -

d) Am Schlusse des zweiten Buches steht: M. lunii. Nypsi opusculum fragmentatum finit." Endlich sind -

e) auch die Anhünge verschieden: sie handeln de pon- deribus und de mensuris, sind aber neueren Ursprungs.

Wünschenswerth wäse es zu erfahren, in wie fern etwa auch der dritte, vierle und fünfte dieser Puncte mit der Modaneser Handschrift zusammentrift,

Endlich 12— 16) werden noch einige neue Pariser Handschriften angeführt, welche insgesamt zur dritten Classe zu gehóren scheinen: námlich eine schon bei Montfaucon

-

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 63

verzeichnete Handschrift von 5. Germain '?*), und vier bis fünf von Vesme in Turin im J. 1838 brieflich erwähnte Codices, die mit dem „Memmianus alter“ (oben Num. 6) über- einzustimmen scheinen '?”).

Ich schliesse die Uebersicht dieser dritten Handschriften- classe mil einer Angabe der Textabdrücke, welche derselben entlehnt sind.

Auf die fragmentarischen Ausaüge von Crinitus (1504) Alciat (1519. 1529) und Gallesius Massa (1543) folgte im J. 1560 zu Hom die erste. Ausgabe des vermeinten Frontinus de coloniis, vielleicht vorbereitet von Ant. Massa oder dem 1559 gestorbenen Bas. Zanchi.. Ich habe sie nicht gesehen; Scriver erklärt sie für das wörtliche Vor- bild der zweiten, zu Paris 1588 erschienenen !''*?j Demnach kan der liber Puteani, welcher als Grundlage dieser ıweiten Ausgabe bezeichnet wird, nur ein gedruktes Exemplár der römischen gewesen sein '”).

Vervollständigt wurde dieser alfabetische liber regionum dureh Scriver 1607 (Note 33*), der zugleich die frontinischen Fragmente de limitibus binzufügte. Keuchen's Frontinus enthält nur den Scriver'schen Text, zum Theil ohne Scriver's

106) Montfa ucon bibl. Il, 1153E: ,,3) Jun. Nupsii lib. I de limitibus 4) Ex corp. Theod,

107) Es sollen die Numern 86079 A. 8679 B (?). 8732 A. 8732B und 8812 sein.

108) In der Ausgabe des Vegetius etc. pag. 185. 186: „cum romanam editionem, nullis alis codicibus instructi, verbotenus expresserint . .. nisi quod amplius legis Mamiliae, Rosciae etc. quaedam capita . . . addiderint, atque insuper fragmentum (ut uocant) de Agris assignatis et Limitum constitutionibus, desumptum ex Turnebi volumine Variorum Auctorum de limitibus. Den genaueren Titel der Pariser Ausgabe (angeblich von Opsopoeus) s. Rhein. Mus. VII, 226.

109) Mehr sagt auch Opsopoeus in den pag. 70 angehängten Noten nicht.

Erst Rigaltius, der den Opsopoeus irrig zum Herausgeber des Ganzen macht, spricht von einem codex Puteani, not. p. 86, bei Goes. p. 250.

64 . BLUME

Einleitungen; nur dafür darf auch er als Zeuge gelten, dass die von Scriver verheissenen. erláuternden Anhänge nie er- schienen sind,. denn Keuchen hat alle Verweisungen- auf dieselben ausgelassen. .

Vierte,Classe

Die Handschriften des Pseudo-Boethius..

In den Gesamtausgaben der Werke des Boethius ''?) findet sich am Schlusse zuerst eine angebliche Üebersezung des Euklides in zwei Büchern !!), und: dann auf zehn Seiten ein. Anhang mit der Ueberschrift: „Boethii liber de geometria^!'*. Halten wir .uns zunächst an diese Ausgaben, so finden sich im ersten Buche Euklid’s auch die agrunensorischen Excerpte.aus ihm wieder, und zwar um Vieles ausführlicher, als bei den Agrimensoren; am Eingang des zweiten steht eine Definition der mensura, „secundum Iulium Frontinum Geometricae artis inspectorem prouidis- simum“, die aber vielmehr von Balbus herstammt (pag. 94

110) Ich citire die neueste Basler Ausgabe vom J. 1570 fol, mit einer Vor- rede von Henr. Glareanus vom J. 1546. Die älteren Ausgaben (Venet. 1491. 96. 99. Basil. 1546. fol,) babe ich nicht vergleichen können; doch stimmen sie nach Lachmann's Zeugnis namentlich in den geometrischen Stücken ganz mit der neuesten überein, wie denn auch in dieser nur eine Vorrede von Nicol. Judecus, Professor zu Padua, denselben vorangeht (p.1481— 86). In der von Lachmann ein- gesehenen Venedischen Ausgabe von 1499 fehlt gegen die Basler Aus- gaben von 1546 und 1570 nur Blatt 64 die Darstellung des abacus, welche Glareanus S. 1210 giebt (S. 1518 der neuesten Ausg. von 1570).

111) pag. 1487 —1536.

112) p. 1536 in fine bis 1546. Am Schlusse heisst es: „Finis Lib. de Geometria Anitii Manlii Seuerini Boethii. In quo opere si quid amplius requiri uidebitur cuipiam, boni aequiq; consulat: nam plurimos locos emendauimus, in quibusdam uisum est cuique suum indicium relinquere, nihilque temere mutare. Certe quantum diligentia, industria et impensis potuit fieri, a nobis nihil est omissum. **

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 65

unserer Ausgabe); und der Anhang des: Boethius besteht, ausser einer Art von Examinatorium und einigen arithmeti- schen Lehren (p. 1541— 46), fast nur m Excerpten und Reminiscenzen aus Cassiodor, Columella, und den Agrimensoren. Sie beginnen mit einer Einleitung aus Cas- sio dor's Geometrie (pag. 1536.37); das Uebrige (p. 1537—41) schliesst sich dem Arcerianus oft wörtlich, oft selbst buch- stäblich in sichtbar :corrumpirten Lesarten an; doch steht auch eine Stelle aus Cassiodor's Astronomie, und manches Andere darunter, was sich sonst gar nicht, oder doch nur in Handschriften zweiter Classe erhalten hat. Mit diesen Handschriften stimmt namentlich auch die Uebersezung des Euklid überein. Ein angeblicher Brief des Julius Caesar, welcher voranstehen soll, enthält nichts als ein paar Excerpte aus Hyginus, in welchen Julius Caesar genant wird‘); den Schluss aber (p. 1540. 41) bildet ein Verzeichnis aller Agrimensoren und aller Arten von Grenzsteinen.

Ganz anders aber erscheint der Zusammenhang dieser Stücke nach den besseren Handschriften derselben. Nicht von Boethius allein, sondern von einem ungenanten Compilator ist jener aus Euklid '‘) und den Agrimensoren zusammen- gesezte Anhang, welchen Lachmann, gestüzt auf den Schluss des Bamberger Codex, als demonstratio artis geome- tricae bezeichnet, und so weit er irgend erheblich schien, in unsere Ausgabe aufgenommen hat (S. 393—412). Die meisten

113) S. 176. 177 unserer Ausgabe; bei Goesius pag. 160.

114) Cassiodor. Variar. I. 45. Als Bruchstücke einer ächten Uebersezung des Euklides durch Boethius dürften die zum 14ten und 15ten Buche eines Mathematikers ‘gehörigen Palimpsestenfragmente in Verona (Cod. 38. 101. 331—332. 336—343. 338—341) anzusehen sein, welche auch der gedrukten Uebersezung der Auszüge des Hypsikles (Basel 1558 fol. pag. 468sqq.) sichtbar verwandt sind. vgl. mein Iter italicum I, 263. 264.

Römische Feldmesser II. 5

66 - BLUME

Codices freilich. schreiben ihn dem Beethius zu; Einzelne aber dem Nypsus, oder Gerbert; noeh Andere nennen keinen Autor. Aber auch unter den ührigen dem Boethius sugeschriebenen Stücken ist manches offenbar Fremdarlige (9. 413—416 unserer Ausgabe), so dass zen wohl zweifeln darf, ob er überhaupt eine eigene Geometrie (Gerbert er- wühnt ihrer nicht) geschrieben habe. |

Während aber vom Boethius uns nichts zu bleiben scheint, als seine Uebersezung des Euklid, dürfen wir eben a0 wenig in-den Exeerpten aus‘ Cassiodor''‘) eine Ver- suchung finden, uns etwa diesen als den Urheber der de- monstratio zu denken. Schon die Auszüge pus Isidor yon Sevilla verrathen einen Compilator des siebenten oder eines späteren Jahrhunderts; vielleicht eisen Zeitgenossen des Gerbert, der wie dieser auch die Handschrifi von Bobbio benuzte, nur íreilich ohne zu einem leidlichen Verständnis der Sache zu gelangen: Den Namen jedes grösseren Mannes würde, wie schon Niebuhr von Boethius sagte D diese Autorschaft nur entweihen.

Versuchen wir, die zahlreichen Handschriften dieser vierten Classe. nach den darin genanten Verfassern zu u ordnen, so finden ich MEE

A) als Handschriften, welche bei. der demonatzatio arts geometricae gar keinen Autor nennen:

1). Der Codex Regino-Vaticanus 1023 im. Rom (Vol. CXV non Petauianum) aus dem ‚zehnten oder eilften Jahrhundert, in Grosquart, worin vor einer abgekürzten westgotischen lex romana, auf fol 16* ein Stük über die

115) Cassiodor spricht von den Agrimensoren überhaupt, und von Hyginus insbesondere, in. folgender Stelle: „hoc auctor Hyrummeticus redegit ad dogma conscriptum *, (Variar. III, 52), wo schon Rigaltius (not. p. 128) die Aenderung „Hyginus gromaticus‘“ vorgeschlagen hat.

116) Róm. Geschichte II, 555 der ersten Ausgabe.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 67

eonirouersia de àlluuione mit der Ueberschrift enthalten ist: „Lex de alluuione Sumpta ex epistola .diui Julii Quae ad eriginem geometricae artis pertinet. ^ Das-nun folgende be- tft die controuersia de àlluuione aus Hyginus (pag. 124. 125. 399. 400 unserer Ausgabe). .

2) Die von Schmeller untersuchte Münchner Hand- schrift (Cod. lat. 560 saec. XII in Grosquart, bei Lach- mann codex m). Sie beginnt fol. 122 mit der demonstratio ohne Ueberschrift, und erst fol. 129—149 folgt Euclid in der angeblichen Uebersezung des Boethius.

3) Vielleicht aueh die zweite, von Schmeller ver- glichene Münchner Handschrift, aus neun Octavblättern von Pergament bestehend, die einem neueren, von Friedrich Lindenbrög geschriebenen Codex beigebunden sind. Dies ist der Codex Augustanus Jes. 24, herstammend aus der Peutingerischen Bibliothek. Der Anfang fehlt; das noch vorhandene entspricht den Blättern 123—130 der vorigen Handschrift. In Lachmann's Tabelle codex a.

B) Handschriften mit dem Namen Nypsus sind:

4) Der älteste bisher bekante Codex dieser Classe, nàm- lich der Bamberger H J IV, 22, von Jäck in das eilfte, von Hrn. Professor von Jan. zu Schweinfurt mit besseren Grün- den in das neunte oder zehnte Jahrhundert gesezt '!")j Ent- hält auf 29 Seiten nur die demonstratio artis geometricae, unter dem Titel: „Lib. Junij Nipsj de mensuris.“ Wir be- sizen durch die Güte des Hrn. von Jan eine vollständige Abschriit. Von Lachmann als cod. b benuzt, und in der Tabelle pag. XI genauer zerlegt. :

117) Jäck Beschreibung der öffentlichen Bibliothek zu Bamberg, Th. I. 1831 S. 119. Dazu L. von Jan in der Zeitschrift für Alterthumswissen- schaft 1844 Num. 55.

5*

68 BLUME

5) Die von Goesius erwáhnte Handschrift, aus welcher er pag. 201. 202 seiner Noten Varianten des Nypsus zur s. g. lex de sepulchris (pag. 271. 72 unserer Ausgabe) mit- teilt. Denn in den Handschriften dritter Classe komt diese lex nicht vor (oben S. 52), wohl aber ist ein kleiner Theil derselben im Bamberger Nipsus (pag 409 unserer Ausgabe) vorhanden. Fand Goesius sie etwa in der Geometrie des Gerbert, die er dem Rutgersius verdankte !!5) ?

C) Handschriften mit dem Namen des Boethius:

6) Die Rostoker Handschrift IV. 111. 4, aus der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, welche Lachmann nach Huschke's Collationen als r(ostochiensis codex) und in ihren späteren Stücken als R(ostochiensia excerpta ) bezeichnet hat. In Folge der von Herrn Consistorialrath Leist neuer- dings angestellten Nachforschungen ist über die Herkunft dieser Handschrift nur so viel zu sagen, dass sie 1789 schon in Rostok war; auch lässt der Unischlag mit einigem Grunde vermuten, dass sie früher in Hildesheim gewesen sei. Auf Boethius weiset ausser der Aufschrift des Einbandes: „Geome- tria Manlii ^ nur noch die Ueberschrift der ersten 16 Seiten (r), welche übrigens, wie Lachmann’s Tabelle S. XI med. ergiebt, meist mit der Bamberger Handschrift übereinstimmen. Sie lautet: , Incipiunt libri Anicii Manlij severini boecij artis geometricae numero [III ab euclide translati de greco in latinum.“ Dagegen enthalten die angebundenen, in etwas grösserem Format geschriebenen Rostochiensia excerpta, d. h. S. 19—39 derselben Handschrift, gar keine Hinweisung auf Boethius; sie bestehen auch fast nur in Excerpten aus Nypsus, Balbus, Columella und Isidorus. An diese aber schliesst sich der dritte Haupitheil der Handschrift (S. 41 bis 64) an, der hauptsächlich aus Gerbert's Geometrie cap. 14

118) s. Goesii notae pag. 142. unten Num. 20.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 69

bis 94 entnommen ist. Von diesen. Stücken ist in Lach- mann's Tabelle (pag. XI. unter R) nur dasjenige enthalten, was für unsere Ausgabe benuzt werden konte; wir haben aber in seinem Nachlasse noch eine sehr genaue Analyse derselben gefunden, welche als Beilage auf diese Abhand- lung folgen soll.

7) Der schon oben (S. 9. 59) erwähnte, von Scriver erworbene codex Nansianus des Boethius.

8) Eine Handschrift in Bern, (Num. 299, in Quart) aus dem zehnten Jahrhundert, welche von Strasburg dorthin gekommen ist!!?), und worin sich ausser dem im Boethius Gedrukten auch die aus den Handschriften zweiter Classe bekante Abhandlung über die Längenmaasse (S. 371—376 unserer Ausgabe) befindet. (Eben dieses Stük hatte Rigal- tius auch noch in einer Pariser Handschrift neben’ dem Volusius Maecianus de distributione assis gefunden. !*")

9) Noch. wichtiger ist. die zweite Handschrift zu Bern (num. 87 in folio) ebenfals aus der Strasburger Dombibliothek, und im J. 1004 geschrieben: höchst wahrscheinlich der schon von Sichard erwähnte Strasburger Codex '*'). Sie umfasst nemlich ausser den im vorigen Codex enthaltenen Stücken auch noch fol. 14 Auszüge unter dem Namen Frontinus de qualitate agrorum, und Aggeni Vrbici; dann fol. 15 bis 18 de limitibus, endlieh noch e libro Censorino [sic] de Geometrica. Die agrimensorischen Stellen stehen bei

119) Die Strasburger Dombibliothek stammte hauptsächlich vom Bischof Werner I, der im J. 1015 den Dombau begann; sie wurde 1592, bei dem bischóflichen Schisma, zerstreuet, und kam 1603 grossenteils in die Hände von Paul Petau und von Bongars, von Lezterem aber teilweise weiter nach Bern. Sinner catal cod. mss. bibl. bernensis. Bernae 1760 praef. pag. VI. VII.

120) Sinner l. c. pag. 202—296. Streuber in der jénaischen Literatur-

zeitung 1845 Num, 117. 118. Rhein. Mus. VII, 231. 32. 121) Sinner pag. 297. 98. Streuber und Rhein. Mus. a. a. 0, -

70 BLUNE

Goesius pag. 39. 314—25. 290—92. 147—150. 199. 311. 26. 38. 44—49. 151. 167 177. 30— 36. | . 10) Auch im Trinity College zu Cambridge ist eine, allem Anschein nach der vorigen ähnliche Handschrift, wenn man nicht etwa zweifeln will, ob die im Katalog aufgeführ- ten Namen !?*) auch wirklich in der Handschrift selber stehen, oder nur der Kürze halben aus einer verglichenen Ausgabe der Agrimensoren entlehnt seien. 11) In der Malatestischen Bibliothek zu Cesena habe ich, ziemlich gegen das Ende der Platei sinistri, eine Hand-

schrift des Boethius de geometra, Euklides u. A. in

Händen gehabt, welche auch Stellen aus den Agrimensoren de controuersiis entlehnt. Zu genauerer Prüfung gebrach es leider an Zeit.

12. 13) Zwei Wiener, neuerdings von Endlicher* beschriebene Handschriften des Boethius scheinen weniger ergiebig zu sein. Die erste (cod. 364) scheint ausser dem Euklid nur die demonstratio artis geometricae zu enthalten; die zweite (cod. 369) wiederholt noch Manrhes,. was bei Goesius (p. 26. 150. 151. 263—867. 270 —72. 278— 80. 311—15. 153. 170—76) vorkomt, aber in verstümmelter Ge-

122) Catal. mss. Angliae T. II p. 99, 100. Num. 49. 22:

Boethii geometria. Hyginus de limitibus constituendis.

' Frontini Aggeni _ Censorini Cassiodori Rhemnius Palaemon de ponderibus. Liber Musicus.

Ganz übereinstimmend lautet die Angabe bei Montfaucon bibl. p. 670,

nur dass hier der liber musious fehlt.

123) Endlicher catal. codi. philol. latinor. bibl pelat. Vindob. 1836. 4°. pag. 254—257.

C

fragmenta.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 71

stalt. Den Schluss bilden Auszüge aus Macrobius und Martianus Capella. !

14) Ferner hat Andreas Schott, wie schon oben $27.28 bemerkt worden, im J. 1616 hinter einigen Tabellen über Münzen und Maasse, und vor Excerpten aus Epaphro- ditus und Vitruuius Rufus, auch geometrische ‘Stücke des Boethius -abdrecken lassen, die er in einer Cistercienser- abtei in Flandern mit dem Boethius de musica gefunden hatte !'.. Ob sonst etwas Agrimensorisches in diesem Codex gestanden, lässt sieh aus Schott's Vorrede nicht ersehen.

15) Eben so wenig lásst sich errathen, ob und welche ammensoriSche- Stücke im einer zweiten Handschrift det Regino- Vaticana !'*) vorkommen mögen, wenn gleich de Vermutung immer dafür spricht, dass sich überall neben der Geometrie des Boethius auch eine Beimischung von &er Art finden werde. Dasselbe gilt endlich

16) auch von einer Handschrift des Sir Thomas Philips zu Middiehill, welche aus der Abtei S. Martin M Tournay stammt 1**).

Die. zahlreichen: Handschriften, welche nur die Arith- metik, und nichts von einer Geometrie des Boethius oder Euklides enthalten sollen, dürfen hier ganz unerwühnt bleiben,

134) Tabulae rei Nummariae Bomanorum Graecorumque. Antuerpiae 1615. (die Vorrede ist aher vom J. 1616) 8. Angehängt sind ohne Titel: 1) de mensibus rom. et atticis; 2) tabulae anomalorum uerborum Grae- corum; 3) unsere Fragmente mit folgender Vorrede: ,,Incidi nuper dum Belgicas, ut meus est mos, lustro bibliothecas, in Dunensis peruerteris [sic] Abbatiae, ordinis Cistercensium, codicem perantiquum, qui Boetium

de Musica ac Geometria contineret, cuius initio haec erant, quae nunc damus. * . 125) Nach der älteren Zählung (Montfaucon bibl. p. 25) Num. 508: Euclidis geometria cum expositionibus. Geometrica quaedam, inter quae Boetii liber ex Euclide, ad Patricium filium. 126) Ránel catalogi libr. mss. col. 878: „2146. Boetii arithmetica, Euclidis geometria. ** |

72 BLUME

D) Was endlich die Handschriften anlangt, welche Gerbert's Namen enthalten, so findet sich freilich in der gedrukten Geometrie desselben nur eine Stelle aus Hyginus, die auch in den Anhängen des zweiten Bemer Codex des Boethius (Num.9) gefunden ist ‘*”); in den Hand- schriften wird sich aber wahrscheinlich noch manches Aehn- liche finden. Nachweisbar sind, ausser dem schon erwühn- ten Rostoker Codex (Num. 6):

17) Die Handschrift des Peterstifis zu Salzb urg, nach welcher jene Ausgabe von Pez besorgt worden ist !**).

18) Der schon von Mabillon !!*) erwähnte und von Rigault benuzte thuanische Codex, welchen de Thou durch Vermächtnis von. Nic. Faber erworben hatte‘); er ist später mit der Colbert'schen Samlung in die grosse Pariser Bibliothek gekommen !?‘). Rigault entlehnte ihm die Fragmenta terminalia (bei Goes. p. 147— 149) die auch in dem gedrukten Boethius (pag. 1539. 40.) vorkommen, und jezt als Theil der demonstratio artis geomeiricae. (Lachmann 401—403) erkant worden sind. Auch hat er gewiss dieselbe Handschrift gemeint, wenn er anderswo das zweite Buch

-

127) cap. 93: ,Optimum* bis ,scribimus* (Goes. p. 174—176, in unserer Ausgabe pag. 188, 14—190, 12. Die oben (S.10. 11) aus Rigault' Anmerkungen angeführte Stelle findet sich in dem gedrukten Werke nicht.

128) Gerberti tractatus de geometria, in Pez thesaurus anecdotorum Tom. III P. 2.

129) Mabillon analecta Vol. II. pag. 212. Er bezeichnet iha als coder 28. Im Catalogus bibl. Thuanae T. II. pag. 434 ed. Lauenb. 1710. 8. wird die Handschrift beschrieben: „Boetii Musica. Arithmetica. Gerberti Geometria et Rhythmomachia.

130) Rigaltii,notae pag. 7, bei Goes. p. 211: ,, Fragmenta terminalis . ex codice qui Nicolai Fabri testamento una cum plurimis lectnsimiequ codicibus ad praestantissimum Thuanum peruenit."

131) Hock Gerbert und sein Jahrhundert 1837. S. 174, nach Oudin supplem. Bellarmin. p. 313.

=

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. . 78

des Boethius '**), oder „die Ueberarbeitung des Boethius durch Gerbert oder einen Anderen“ anführt '*!),

20) Die Handschrift des Go esius, in welcher dieser den Namen des Gerbert, als Autors des Balbischen Briefes ad Celsum gefunden, kan mit der vorigen nicht identisch sein, obwohl er selber es zu glauben scheint. Dass er sich über seine eigene Handschrift täuschte, ergiebt sich schon daraus, dass er sie mit der Abschrift des Arcerianus von der Hand des Nansius verwechselt, welche Rigaltius von Rutgers erhalten hatte (oben S. 39. 68.).

21) Eine von Haenel erwühnte Handschrift zu Mont- pellier, in der Bibliothek der école de médecine !**). .

22). Auch in der Farnesiana (jezt in Neapel) sall früher eine Handschrift.der Geometrie gewesen sein !!5).

23) Endlich vielleicht auch eine Handschrift der bibliotheca Regino- Vaticana in Rom ''5, wobei freilich zu bemerken ist, dass bisher in Gerberts Arithmetik sich eben so wenig als in seiner Correspondenz mit Adalbold irgend etwas agrimensorischen -Inhaltes gefunden hat.

In.den vier Handschrienclassen, wie sie bisher dar- gelegt worden, ist unstreitig Alles enthalten gewesen, was jemals den alten agrimensorischen Pandekten angehört hat;

132) z. B. not. p. 52. 53. 64., bei Goes. p. 234. 239.

133) not. p. 65, bei Goes. p. 240: „Gerbertus, sine quis alus Boetii Geometrica sublegit.'*

134) Hänel catalogi libror. ms. col. 236: B. A91. Gerbertus et alii de geometría, de ponderibus et mensuris. Membr. 8^.

135) Hock &. a. O., nach Onuphrius Panuinius und Cave (hist. I litt. p. 512).

136) Montfaucon bibl. pag. 24: 480. Gerberti Scholastici arithmetica Bernelini Abaci Musica, Arithmetica et Geometria. Gerberti ad Adal- boldum nonnulla. Adalboldi ad. Gerbertum nonnulla." Die Num. 480 gebórt der alten Zählung an. '

74 PLUME | s

die Herausgeber haben aber noch Einiges hinzugefügt, was gewiss nie darin enthalten war. So Rigaltius die capita legis agrariae des Seruilius Rullus (vor pag. 1), welche Goesius noch erweiterte (pag. 3854— 360),- und mit Frag- menten der lex Thoria (pag. 329—338) der lex Licinia und dergl. mehr (pag. 348-354) zusammenstelite. Sogar durch zwei Stellen der justihianischen Digesten ist auf diese wil- kürliche Weise seine Ausgabe (pag. 345.46) vermehrt werden.

. Der Vollständigkeit halber ‚darf auch noch eine Angabe der handschriftichen Vorarbeiten, welche für künftige Aus- &äben der Agrimensoren unternommen zu sem scheinen, hier angeführt werden. Sie sind in Paris, Edinburgh, Dotpat und Mündhen zu finden.

] |n Paris, auf der grossen Bibliothek, vier: von Savigny verglichene Exemplare der Ternebisehen Ausgabe mit handschriftliöhen Noten !*"), netheh:

F. 1790: ‚von C. Puteanus.

F.1791: von P. Pithou, deren dieser selber mit dem Wunsche,. gedacht hat, dass man sie aufbewähren möge und zwar: , avec les papiers qui sont dedans," ‘Auch Rand- dolen von Franz Pithou sollen darunter sein 1°);

F.1792: von Perrot; am wenigsten bedeutend (Rhein. Mug. VII, 206. | |

F. 1793: von Rigaltius.

IL. In Edimburg, bei einem Buchliindler hat Hänel ein anderes Exemplar mit Higault's . Randnoten gesehen, welches von Leyden dorthin gekommen war.

137) vgl. oben Note 51. -— Benuzt von Biener (?) in Hugo’s ius ciuile

antetostiniameum Vol. I. 1815 p. 1543 1556. - 138) Boivin vita Pithoei pag. 90. 91. 94.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. Y5

II. In Dorpat, unter Haubold’s handschriftlichem Nachlass, befinden sich, nach einer van Clossius mir mib- geteilten Notiz folgende Vorarbeiten: "

„Num. 75: 184 Blätter, zum Theil gedrukte von der Goesischen Ausgabe. Ueberschrieben: Ad Auctores rei agra- riae, quae ad ius perlinent. Enthält: 1) Codices 2) Editiones 3) Apparatus litterarius 4) die Agrimensoren selbst, mil Randbemerkungen. 5) Plan einer neuen Ausgabe des juri- stischen Theils der Agrimensoren, mit Angabe der einzelen Stücke; eine tabula collationem priorum editionum sistens, einen index historicus et geographicus, index uerborum et rerum." ]

„Num. 81. Quartband aus Goeaius, enthaltend Fron- tinus, Siculus Flaccus, Hyginus. Netie Ueberschriften, Capiteleinteilungen u. s. w., aber wenig Anmerkungen. Auch Frontinus aus der Keuchen'schen Ausgabe, 1661, zer- schnitten, aber ohne Anmerkungen.“ |

. IV. In München, die schon oben (S. 67) erwühnte Lindenbrogische Abschrift aus verschiedenen alten Hand- schriften (Cod. Aug. Jes. 24), überschrieben: Agrimensores seu geometrae ueleres ex antiquissimis sed mendosissimis membranis cum naeuis suis descripti inanu' Friderici. Linden- brogii und enthaltend: 1) Hyginus de limitibus fol. 1. 2) Hyginus Gromaticus de diuisionibus agrorum, fol. 8 3) Simplicius [??] de nominibus lapidum finalium, limitum, agrorum ex Msto Florentino fol 27. :4) Marcus Baro de geomelria fol. 35. 6) Marcus Junius Nipsus fol. 38. 7) Agenus Vrbicus de controuersis agrórum fol. 43. 8) Apophroditus et Betruuius Rufus architecton fol. 51. 9 Lucius Junius Moderatus [??] e codice florentino fol. 60. 10) Addenda ad finem L. Frontonis excusi p. 52. fol. 77.

76 - BLUME

Die Ausgaben und Abdrüeke der agrimensorischen Samlungen und einzelner Stücke derselben, chronologisch geordnet.

1491. 1496. 1499. Venedische Ausgaben des Boethius, nach Handschriften vierter Classe, s. oben S. 64. 65.

[1504. Petrus Crinitus de honesta disciplina XXI, 10. XXXV,4, nach Handschr. dritter Classe. s. oben S. 61.]

[1519. 1590. Alciatus, nach Handschr. dritter Classe, oben S. 54. 55.] |

1528. Jo. Sichardus, hinter dem Codex Theodosianus. Basil. 1528, fol. 170—177: Julius Frontinus [richtiger Bal- bus] ad Celsum, die juristischen Excerpte und Aggenus Vrbicus, nach dem Fuldaer Codex z weiter Classe. s. oben S.49.

[1543. Gallesius Massa; nach Handschr. dritter Classe, oben S. 51.]

1546. Basler Ausgabe des B oethius, Handschr. vierter Classe. s. oben S. 64. 65. und Beilage von Lachmann.

1554. DE AGRORVM CONDITIOlnibus, et constitutionibus limitum, | SICVLI FLACCI lib. I. | IVLII FRONTINI lib. I. | AGGENI VRBICI lib. II. | HYGENI GROMA- TICI lib.II. | VARIORVM AVCTORVM | Ordines finitio- num. De iugeribus metiundis. | Finium regundorum. Lex Mamilia. Colonia|rum pop.Romani descriptio. Terminorum in|scriptiones et formae, De generibus lineamen |torum. De mensuris et ponderibus. | Omnia figuris illustrata. | PARISIIS, M. D. LIII. | Apud Adr. Turnebum typó- graphum Regium. | EX PRIVILEGIO REGIS. | Mit Vorrede von P. Galland. Der Text. auf 257. und 20 besonders gezählten Quartseiten. Nach der Handschr. von S. Omer zweiter Classe, und nach Auszügen aus dem Arcerianus erster Classe, vielleicht auch nach einer Handschr. vierter Classe. Oben S.28. 42. 43.

1560, Römische Ausgabe des s. g. Frontinus de coloniis, nach Handschr. erster und dritter Classe. Oben S. 63.

Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 77

1570. Neueste Ausgabe des Boethius zu Basel:

1588. Die Pariser Ausgabe des Frontinus de colonis, Nach- druk der rómischen, mit einigen Noten von Opsopoeeus, oben S. 63.

1607. Fl. Vegetii Renati aliorumque aliquot veterum de Re Militari libri. Accedunt Frontini Strategematibus eiusdem auctoris alia epuscula. Omnia emendatius, quaedam nunc primum edita a Petro Scriuerio. Cum Com- mentariis aut Notis God. Stewechii et Fr. Modii. (Lug- duni) In Officina Plantiniana Raphelengij. 4°. Nach Handschriften erster, dritter (und vierter?) Classe. s. oben S. 28. 29. 42. 54. In der Duodezausgabe von 1633 fehlen die agrimensorischen : Stücke.

1614. Auctores Finium regundórum. Nicolai Rigaltii observationes et notae. ltem glossae agrimensoriae. Lutetiae apud Joannem Libertum. Nach Handschr. erster zweiter und vierter Classe. Oben S. 29. 49. 72.

1616. Schott's Ausgabe des Epaphroditus und Vitru- uius Rufus, nach Handschr. vierter Classe. s. oben S. 28. 71. |

1660. R(adbod) S(chele's) Ausgabe H yginus et Poly- bius de castris romanorum. Amstelodami. 4*, mach Handschr. erster Classe. Oben S. 29.

1661. Keuchen's Nachdruk des Scriverschen Frontinus: Amstelod. 8°. Oben S. 28.

1674. Rei agrariae auctores legesque variae. Quaedam nunc primum, caetera emendaliora prodeunt: eura Wilelmi Goesii Cujus accedunt Indices, Antiquitates agrariae et Notae: Una cum Nicolai Rigaltii Notis et Obser- vationibus, nec non Glossario ejusdem. - Amstelredami. 4°. oben S. 29. 68. 73.

Da diese Ausgabe die einzige weit verbreitete, und in unserer sonstigen Literatur bisher regelmässig ange- führte ist, so soll in einer besonderen, diesem Bande. angehüngten Tabelle eine Nachweisung ihrer Seiten- zahlen nach der Anordnung unserer neuen Ausgabe gegeben werden.

78 BLUME Handschriften und Ausgaben der Agrimengoren.-

[1722. Pez thesaurus anecdototum nouissimus Vol. IIT. P. II. . eol 5sqq: Gerberts Geometrie, nach einer , Handschr. vierter Classe. Oben S. 72.]

1738—42. Muratori antiquitatum italicarum T. Hl. diss. 44: Handschr. dritter Classe zu Modena. Oben S. 60. 1812. Bredow epistolae Parisienses, pag. 201 sqq., von Hase:

Epaphroditus und Vitruuius Rufus nach dem Arce- rianus erster Classe. Oben S. 28.

1815. (Biener?) in Hugo's ius ciuile anteiustinianeum T.II. pag. 1543— 1556: die juristischen Excerpte mit Berüksichtigung der Weimar schen Handschri erster Classe. Oben S. 40.

1833. 1835. Meine Abdrücke des Pseudosimplieius und des Hyginus de controuersüs im Rheinischen Museum für Jurisprudenz Bd. V. VH. Oben S. 29.

1842. Rei agrariae scriptorum nobiliores reliquiae. Accessit legum romanarum agrariarum delectus, ad usum scho- larum et optimorum librorum fide et MSS. codd. ope recensuit, edidit, notulis instruxit Carolus Giraud, iuris antecessor Aq. Sext. Paris chez Videcoq et fils

1842. 8°. (,forme la et. derniere livraison de la „chrestomathie, Prix 10 francs.“) vgl Giraud essai sur Phistoire du droit frangzis au moyen age. Tom. T. Paris 1846. p. 256—269.

1844. Lachmann's zwei Programme mit Abdrücken des Aggenus Vrbicus. Oben S. 29.

1848. Hygini Gromatici liber de munitionibus castrorum ed.

: Chr. Conr. Lud. Lange. Goeltingae 1848. 8°. Nach

den Wolfenbüttler Handschr. erster und dritter Classe.

Bonn den 15ten December 1851.

UEBER DIE DEM BOETHIUS ZUGESCHRIEBENEN AGRIMENSORISCHEN STUECKE.

VON LACHMANN.

D. Ausgaben der Geometrie des Boethius sind nicht wesentlich von einander verschieden. Die älteste die mir zu Gebote steht, auf dem vorletzten 69sten Blatte mit der Unterschrift Uenetis. Impressum Boetii opus per loannem et Gregorium de gregoris fratres felici exitu ad finem vsque perductum accuratissimeque emendatum Anno humane re- staurationis. 1499. die 8. Julii. Augustino Barbadico Serenis- simo Uenetiarum principe Rempu. tenente. enthält Arithmetik Musik und Geometrie mit fortlaufenden Seitenzahlen von 2 an; davor zwei Blätter Titel und Tabula, nach denen unter besonderer Záhlung De philosophie consolatione libri quinque. De scholariu disciplina liber un* nachfolgen sollen, die aber schon 1497 gedruckt sind. Es fehlt ihr gegen die Basler Ausgaben von 1546 und 1570 nur Bl. 64. die Darstellung des abacus, die. Glareanus S. 1210 giebt, S. 1518 der neuesten Ausgabe.

Aus den Handschriften aber ergiebt sich, dass in der Ausgabe zwei verschiedene Werke vermischt sind, von denen das eine für uns wichtigere ohne allen Grund des Boethius Namen trägt, während das andere, die wirkliche Geometrie des Boethius, auch nicht ohne fremdarüge Zusätze überliefert

Römische Feldmesser Il. 6 *

82 LACHMANN

ist. Ich gebe dem 'ersten den Namen Demonstratio artis '" geometricae, den ich aus dem 412, 16 gegebenen Schlusse des Ganzen nehme.

I. Von der demonstratio artis geometricae kenne ieh folgende Handschriften mehr oder weniger genau.

a, In einer aus der peutingerischen Bibliothek her- rührenden neueren Handschrift von Friedrich Lindenbrog's Hand zu München (Cod. Aug. Jes. 24) sind aus Linden- brog's Bibliothek neun alte Membranen in 8°, bezeichnet Fragmenta geometriae A. M. S. Boethii. Die Blätter fangen 395, 13 an: das Ende werde ich nachher angeben. Was ich von dieser und den übrigen Münchener Handschriften weiss , verdanke ich meinem Freunde Herrn A. Schmeller, der mir mit Aufwand von Zeit und Mühe über alles was ich fragte Bescheid gegeben hat: ich habe aber nicht nach allem ohne Unterschied, was keinen Erfolg versprach, gefragt.

. b, eine vollständige Handschrift von 16 Blättern (H. T. IV. 22, fol. 1 verso 16), nach Jáck in der Beschreibung der Bamberger Pergamenthandschriften S. 119 aus dem elften Jahrhundert. Herr Prof. Ludwig von Jan zu Schwein- furt, der eine Nachricht über die Handschrift in.der Zeitschrift für Alterthumswissenschaft, 1844 S, 433—444, gegeben und mir höchst gefällig das Ganze in Abschrift nebst durchge- zeichneten Figuren mitgetheilt hat, will sie dem 9ten oder lOten Jahrhundert zuschreiben, und hat gefunden dass ein chronologischer Abriss, der zu derselben Zeit geschrieben scheint, fol. 34v. so abschliesst, Et inde dominus carolus solus regnum suscepit, et deo protegente gubernat usque in praesentem annum feliciter, qui est annus regni eius XLII. imperi autem VIII. Sunt autem totius summae ab origine

. e

über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. : 83

mundi anni usque in presentem annum ÍIIIDCCLXI. ‚was freilich“, sagt er, „keinen sichern Beweis giebt, da es ja auch eine spätere Abschrift sein könnte.“

m, eine ebenfalls vollständige Handschrift zu München aus dem !2ten Jahrhundert, Cod. Lat. 560, fol. 122—149.

r, eine am' Ende unvollständige zu Rostock), von der ich theils Vergleichung theils Abschrift Huschke ver- danke. Es sind sieben Blätter. Eine nähere Beschreibung fehlt mir.

Von den beiden Handschriften zu Bern weiss ich nichts näheres als was Sinner in dem catalogus codicum mss. bibliothecae Bernensis 1, S. 202—297 giebt, und die Be- schreibung von Dr. W. T. Streuber in Basel, in der neuen jenaischen allgemeinen Literaturzeitung, 1845 S. 465—468.

Unter den zu Anfang vollständigen Handschriften haben b m keine Ueberschrift, der Druck (ich bediene mich nur des alten von 1499, gebe aber die Seitenzahlen des jüngsten von 1570) hat S. 1536 Eiusdem Boetii de geometria liber. In r ist die rothe Ueberschrift Incipiunt libri Anicii Manlij severi boecij artis geometricae numero Ill. ab euclide traslati de greco in latinum. Regula artis geome- triee quae est fons sensuum et origo diclionum. Eben so in den beiden Bernischen, nur nach geometricae mit dem Zusatz et arithmeticae. Die ersten Seiten sind überall gleich- lautend und bedürfen keiner Beschreibung, da sie in den Ausgaben S. 1536—1541 gedruckt sind, in der unsrigen 5.393 bis 406. Neues, was nicht in unseren Sammlungen besser

1) Sie ist vollständig auf den ersten 17 Seiten des Quartcodex. Er ist aus der ersten Hälfte des. XIII Jabrbunderts.

6*

84 | LACHMANN

stünde, ist wenig oder nichts zu finden, mit Ausnahme des Anfangs: das Lob der Geometrie sieht ganz aus wie Agenius Urbicus de controversiis. /

Nach der Aufzählung der Termini hat m ExPLiciT LIBER ARTIS GEOMETRICAE PRIMUS, Welche Unterschrift allen übrigen fehlt. Aber alle setzen Incipiunt capitula libri huius (m allein Incipiunt capitulatjones huius libri). Diese, Worte lässt der Druck aus, hat aber denn doch wie alle übrigen, die Capittel des folgenden Buches mit der Einleitung Tu qui vis per- feclus esse geometricus, lege ista omnia quae subterius, und mit dem Schlusse: Si scis ista omnia ad plenitudinem nosti locorum segregationem: nam qui ignorant regulam huius artis, mulia opponunt falsa pro. veris.

Hierauf hat 5 Explicit liber primus, r Incipit liber secun- dus, m Incipit hber Anicii Manilii Severini Boetii Geomelr- corum elementorum ab Euclide translatorum ad omnem plenitudinem huius artis geometriae primus, der Druck nichts dergleichen: über a bin ich nicht unterrichtet, die Berner Handschriften bezeichnen den Anfang eines zweiten Buches. Das hier arfgekündigte oder nicht angekündigte neue Buch geht im Druck von S. 1541 unten, bei Quomodo inventa est geometria, bis 1546, desgleichen in m; in der unvoll- ständigen a nur bis arithmelicae usus est S. 1543 gegen die Mitte. Aber die erste Berner Handschrift (die zweite ist so genau, nicht beschrieben) soll nichts von S. 1544 und den folgenden des Druckes enthalten. r gieb& nur die Fragen und Antworten, Quomodo inventa est geometria, bis. Pro- posicio, dispositio, distribucio, descriptio, demonslracio el conclusio, (S. 1541. 1542 im Druck), und fügt dann hinzu Quod hic deest, in aritmetica habetur. Explicat liber secun- dus aritmetice artis. Incipit. lercius geometrice de figuris.

über die dem Boethius zugeschriebesen agrimensorischen Stücke. 85

In der That ist auch. alles, was hier die gedruckten Aus- gaben enthalten, nichts als Auszug und Umarbeitung vom ersten Buche der Arithmetik, welches man bei oberfläch- licher Vergleichung leicht findet. Die Handschrift 5 hat nichts daven, aber auch die Fragen und Antworten nieht hier, sondern, mit 47 und JM (040a0xaÀog und uaSgrvjc) be- zeichnet, ganz am Ende p. 29. 30 (auf dem 15ten und 16ten Blatte). Diese Einrichtung kann man nur als Willkür an- sehen: denn die capitula libri huius beziehen sich gerade n zu Anfang auf die arithmetischen Auszüge.

Die Ueberschräft des nächsten Abschnittes ist aus r schon angeführt: als drittes Buch geben ihn auch die Ber- ner Handseliriften. m hat Incipit liber secundus artis geome- triae de figuris und 5 bloss Incipit de figuris. Alle fangen an Principium mensurae punctum vocatur, cum medium tenet fgurae, und hierauf folgt ohne weitere Ueberschrift die Uebersetzung des Anfangs der Elemente des Euklides [aber nicht die des Boethius, sondern] dieselbe welche die zweite Handschriftenclasse der Gromatiker enthält. Nur haben die Handschriften der Geometrie nach den Pro- legomenen blos die zweite und dritte Aufgabe des ersten Buchs, und nicht zu den drei ersten die Auflösungen bei Turnebus Append, p.9. 10, bei Goes. S. 318. 319, [welche die Feldmessersammlung wörtlich aus der Geometrie des Boethius S. 1515— 1517 entlehnt mit Auslassung der Einlei- tungen und der Nachschrift.] Statt dessen aber fahren die Handschriften der demonstratio artis geometricae noch in der Uebersetzung des Euklides fort, doch ohne Beweise und Auflösungen, auch sonst noch mit Auslassungen, mit fremd- arigen Zusätzen die agrimensorisch aussehen sollen, und in wunderlicher Ordnung. Ich habe alles, in richtiger Ord-

-

86 LACHMANN

nung, aber mit den Zusátzen, dem Anfang des übersetzten Euklides 381, 22 392, 17 angehängt.

Zuerst, womit auch der gedruckte Boethius S. 1492 fort- fährt, die beiden ersten Definitionen des 2ten Buchs; dann, was im Druck hier fehlt, die erste Proposition des zweiten Buches. Hierauf die Definitionen -des dritten Buchs, dann die zwei ersten des vierten, wie im Druck S. 1492 bis S. 1495.

Hier folgt, nachher wiederholt und hier im Druck feh- lend, die erste Frop. des 4ten Buchs, dann die 6te und Ste des dritten. -

Mit der Ueberschrift De trianguli ratione et linearum in b und r, im Druck S. 1495 ff, folgt die zweite und fast voll- ständig die übrigen Propositionen des 1sten Buchs; dann nach der ersten Prop. des zweiten Buchs die Unterschrift Explicit (Explicat 7) ratio angulorum, und dann die folgenden, doch nicht alle, bis zur vierzehnten. Danach in 5 leerer Raum, in m (f. 141 v) Inc. liber tertius, in r Explicat liber tercius, Incipit quartus, auch in den Berner Handschriften Anfang des vierten Buchs.

^ Dies dritte oder vierte fängt mit der 3ien Prop. des 3ten Buchs an. Soweit folgt der gedruckte Boeth. bis S. 1510: die Handschriften haben aber auch noch die siebente mit tollen Zusätzen; im Druck übergangen. Dann, wie im Druck S. 1510—1514, vom 3ten Buche des Euklides Prop. 22. (diese . ohne Anfang) 27. 30—33 und vom 4ien Prop. 1. 2, 3. 4.

6. 8. 12. 13 mit einem Zusatz am Schlusse der auch im Drucke steht.

Nach den Auszügen aus Euklides fügt m hinzu Expl liber tertius A. M. S. B. geom- ab Eucl ir., qui continet numerorum causas et divisiones circulorum et omnium figu- rarum raliones, extremilalium et summitatium genera angu-

^

über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 87

lorum et mensurarum expositiones. In den übrigen dr und - den Bernischen ist hier kein Abschlass eines Buches be- . zeichnet, in allen aber folgt ein nur der zweiten Bernischen fehlender (wenn nicht etwa bloss der Titel fehlt) Abschnitt, Altercaio duerum geometrieorum. Diese höchst unpassende Ueberschrift ist in à in den leer gelassenen.Raum nicht ein- getragen. Die Worte stehen in unserer. Ausgabe 407,1 410,7 mit dem folgenden Abschmitte, vor welehem m hat Explicit . altercatio. Diesen neuen Ábschnitt haben alle, auch die zweite Bernische: nur der Handschrift 5 fehlt auch hier:die Ueber- schrift, De interna ratione et non recipiendis limitibus, die ich übrigens nicht verstehe, obgleich der Inhalt nieht neu ist: Zwischen dem ersten . Abschnitt ist 408, 3— 9 unserer Aus- gabe etwas Euklid eingeschaltet, und am Ende des zweiten folgen des 3ten Buches Prop. 12. 13. 14. 16. 18. 19. 24. 22. Von der letzten nur der Anfang: aber wunderbarer Weise stand sie vorher, wie gesagt, ohne diesen Anfang, mit meh: teren folgenden. Also sind àuch in dieser Schrift Blätter- versetzungen, denen ich aber nicht. weiter habe nachgehen wollen. Hierauf folgt nun in 5 Stadius habet passos CXXV. VII stadia miliarium faciunt. .Centuria habet in se iugera; genau eben. so r. Ob, dies auch die andern. Handschriften hier haben, weiss ich nicht: denn von habe ich nur die Ueberschriften, und die Beschreibungen der ersten !Bernischen sind gar zu unvollständig. Die Worte sind aus Columella 9,1,6. 7 ausgezogen. Auch das nächste in. 5 und r (in r erst hier mit Bezeichnung eines neuen Abschhittes) ist aus Colu- mella 5, 1, 13, Quoniam diversae formae agrorum veniunt in disputationem, sed.tamen cuiusque generis species subiciemus, qubus quasi formulis utemur. Diese Worte hat auch die ıweite Berner Handschrift, und vermulhlich an derselben

88 LACHMANN

Stelle, mit der Ueberschrift Incipit altercatio duorum geome- tricorum de figuris numeris et mensuris, die aber.auch .hie- her nicht passt. Die Handschriften .d fahren aus Colu- mella 5, 2, 1 fort, Omnis ager aut quadratus est aut longus aut triquercus aut rotundus -aut semicirculus aut minus quam semicirculus velut (velud r) arcus. Dies wird auch aus bei- den Berner Handschriften angeführt, und von der zweiten gesagl dass sich daran unmittelbar das schliesse was auch in b (S. 25) und r. (S. 15) folgt. Prima autem figura huius artis punctus est cuius pars nulla est. Dies folgende ist nun eigentlich wohl das Gesprüch zwischen einem Lehrer und Schüler, deren Reden auch oft, aber sehr nachlässig, durch IN (Int. in 7) und 5 (interrogatio und responsie) bezeichnet sind. Einmahl antwortet der gefragte auch unrichtig und bekommt einen Verweis. (S. 16 r S. 27 5) IN (fehlt 7) Recordare, obse- ero, quem admodum altitudinem definieramus (diffinieramus r). R Recordor utique, et me iam respondisse pudet. Der An- fang ist Prima autem figura huius artis punctus est, cuius pars nulla est. Vtique principium mensurae punctum vocatur, cum medium tenet figurae. Secunda, linea, praeter latitudinem longitudo. Hecta linea est quae ex aequo in suis punctis iacet, Superficies vero quod latitudmes et longitudines solas habet. Nonne tibi tale aliquod (aliquid r) videtur etiam illud unde linea ducitur? etsi figura non sit, cuius medium in- tellegamus. Man sieht schon hieraus, dass das Gesprüch an die obige Uebersetzung des Euklides anknüpft. Ich habe den Schluss dieses Gesprüchs gegeben, 410, 8 412, 21 der Aus- gabe, aus b r und soweit ich die Worte in Schmellers Ab- schrift hatte (das heisst, soweit sie dem Balbus und Hygin entsprechen und also einigermassen wichtig sind) aus m. Nach m ist es zugleich der Schluss des ganzen Werkes.

über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 89

r bat schon vor der letzten Uebersicht . die Unterschrift Ex- plicat liber quartus geometricorum, und dann nach dem Schlusse Hi namque libri continent numerorum causas. et diuisiones circulorum et omnium figurarum raciones exiremi- tatum et summitatum genera angulorum et mensurarum ex- positiones. Eben dies führt Streuber aus der zweiten Berner Handschrift als Schluss des fünften Buches an: auch fan- den wir es schon oben in m als Schluss seines dritten Buches. 5 fügt noch hinzu was wir vorher in den andern richtiger als Anfang des zweiten Buchs fanden.

In ist die Unterschrift (5 hat keine) Explicit A. M. S. B. liber artis geometriae ab. Euclide de greco in latinum trans- laus quartus. Bei Goes finde ich im Index unter super- dlium einen Satz als aus dem fünften Buch angeführt, der in unserer Ausgabe 412, 10 steht: hingegen schreibt er unter fasciatus und cultellare dem vierten zu was sie 408, . 18—21 und 409,3. 4 hat. In seiner Handschrift wird also das fünfte Buch etwa bei De interna ratione oder bei dem letzten Gespräch ‚angefangen haben. Sinner giebt als den Anfang des fünften Buchs in den Berner Handschriften Po- dismi mensurarum sunt tria genera, rectum planum solidum. Das ist der Anfang?) des podismus des Nipsus, wovon aber meine Handschriften nichts haben. Ueberhaupt sind die Ber- nischen am Ende viel reicher, nur kann ich aus den An- gaben Streubers kein vollstándiges Bild gewinnen.

So viel ist aber gewiss, dass der Verfasser dieses Wer- kes, der übrigens gewiss eher den Isidor ausgeschrieben hat als dieser ihn, seine Arbeit in keine Verbindung mit der Geometrie des Boethius gesetzt hat, und dass die Hand-

2) Dieser folgt auch in r, aber auf dem 10ten Blatte und mit Recht ala . ein vóllig abgesondertes Werk.

90 LACHMANN.

schriften Recht haben, die seines Namens gar nicht er- wähnen, unter den meinigen à, vielleicht «.-

IL Was nun nach Ausscheidung der demonstratio artis- geometricae in den Ausgaben übrig bleibt, S. 1487 bis 1536, das mag meinetwegen für die Geometrie des Boethius gelten, und nur dies ist in der Münchener Handschrift Cod.. Latin. zz. - Bil auf fol. 30—51 enthalten als Liber Geometriae Boetii viri clarissimi Aber freilich sollte wohl genauer untersucht werden, ob das gesamte zweite Buch de podismis dem Boethius gehört: ea ist wenigstens ‘ganz’ aus Schriften. von Feldmessern gezogen Da es indessen mit Nipsus und den übrigen nicht wörtlich übereinstimmt, habe ich mich ent- halten unsere Sammlung mit diesem für uns wenig wich- tigen Buche zu beschweren. Nur zwei Abschnitte, die gewiss nicht von Boethius sind, wenigstens nicht ganz, ivenn er auch das zweite Buch verfasst haben sollte, habe ich aufgenommen, weil der erste 413, 1. 415,5 würdich aus Balbus abge- schrieben und in dem zweiten 415, 7 416, 4 eine Deßsition des Balbus. als von. Frontin herrübrend angeführt ist. Ge- braucht. habe ich dazu ausser dem Drucke von 1499 eine Vergleichung der oben erwähnten Handschrift zu München, die ich Schmeller 'zugemutet zu haben mich beinah schäme.

Der erste Abschnitt folgt auf. die Ueberseizung des Euklides: er macht in den Ausgaben, noch nicht den Beschluss des ersten Buchs, in der Handschrift ist er . überschrieben Incipit prologus in: seeuadum librum und. bei Rationabilium ergo apgulorum ferner Incipit liber secundus. Der Anfang des zweiten Buchs der Ausgaben hat in der Handschrift die Rubrik. Incipit prologus Ill libri, und über dem aufgenonimenen zweiten Stücke steht Explicit prologus. Ineipit lib. III.

über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 91

Die Rostocker Handschrift in den auf die demon- stratio folgenden Stücken.

Die Rostocker Handschrift, bezeichnet IV. nr. 4, ent- hält, obgleich von einer Hand geschrieben ?), mehrere Werke, die auch bestimmt genug getrennt sind.

A. Auf die demonstratio artis geometricae folgt mit dem Anfang emer neuen Lage 5$. 19 zunächst der Podismus des Nipsus, Podismi mensurarum sunt tria genera, nachher übergehend in die Auszüge aus Betrubius und Aprofiditus, ganz wie im Arcerianus S. 9ff, auch mit dem Anhänge (oder der Einschaltung) Centuriarum quadratarum deformatio. Nach dieser, aber vot ihrem Schlusse, S. 56 des Arcerianus, : 245,13 der Ausgabe, hört die Rostocker Handschrift auf, ergänzt aber das im. Arcerianus nach S. 24 fehlende: Blatt.

B. In derselben Zeile, der 19ten der 27sten Seite, nach digitorum XVIII, lässt die Rostocker Handschrift ohne weitere Unterscheidung folgen Mensura est complurium et aequalium inter se intervallorum longitudó finita, also Balbus Definition. Es ist aber nicht viel aufgenommen, von der Definition f. 94, 9. unserer Ausgabe des Balbus bis 95, 10: nach der Ordnung und den Lesarten des hier verlorenen Arcerianus, nicht mit der zweiten oder dritten Classe der Handschriften übereinstimmend.

C. Mit einem grossen Ánfangsbuchstaben folgt auf der- selben Seite Z. 32 (die Seiten haben 41 Zeilen) Mensura est quicquid pondere capacitate animoque finitur, die oft wieder- holte- Definition Isidors in unserer Ausg. 367,8, von der

3) Nach Leist sind die Excerpta (R) und der darauf folgende Gerbert in

etwas grösserem Format geschrieben, als der Codex (r) und die lezten Stücke der Handschrift. (Blume.) Bl.

92 LACHMANN

. ich gern wüsste wo er sie hergenommen hat. Daran geknüpft ist aber gleich Cuius genera sunt tria, rectum planum solidum, nebst den nicht wértlich wiederholten Erklárungen aus Balbus 96, 21; darin ein Paar bemerkenswerthe Varianten. Dann, aus derselben Stelle, aber vorher, Mensurae' autem aguntur ge- neribus nicht tribus, sondern XII, und es folgen aus Balbus 94,13 die zwölf Namen der Masse. Darauf lenkt der Verfasser wieder in die Worte des Isidorus ein, giebt aber nur den nächsten Satz Maiores nostri itaque orbem.in partes pal- mos uncias et digitos diviserunt. Mit der 6ten Zeile der 28sten Seite der Handschrift heben hierauf die beiden nur zum Theil auf Isidor beruhenden Abschnitte an, die bei Goes S. 322 bis 325 (S. 373—376 unserer Áusgahe) aus dem Gudianus _ stehen. Sie gehen hier bis S. 29, Z. 14, in welcher ohne ausgezeichnete Anfangsbuchstaben ein neues Stück anfüngt. Si quis uoluerit per unum latus octogonum designare. ita ut habea [sic] pedes. X. aut quantum ugluerit. - super - mediam lineam circinum figis et facies emicirculum et a medio centro emicirculi lineam ducis per angulum rectam [sic] et iterum super ipsam lineam emicirculum facis. Et a centro emicirculi lineam per angulum ducis. Simili modo sicut supra scriptum est. per. VIII. lineas et. VIIL circulos octogonum designes. Auf diese abgeschriebene folgen dann die Aufgaben . Siquis exagonum facere uoluerit ut unum latus habeat ped'. X. und Si quis uoluerit per quadratum equilaterum oclogonum facere mit den Auflósungen. Die Quelle ist. mir unbekannt. Hierauf ) In pede porrecto semipedes II bis.unc. VIII digitos. XV (statt XII) aus Balbus 95, 2 und zwar merk- würdiger Weise dies in der Ordnung und Fassung der Hand- 4) Uebereinstimmend mit der Berner Handschrift No. 299. s. Sinner pag. 295. Bl. - - T

über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 93

schriften zweiter Klasse. Unmittelbar daran der Satz Consue- tudine uulgari unus bonuarius (so, nicht bonnarius) seritur frumenti mod. III, sed minoris de filigine (so mit f) tribus, de spelta X, de auena VI, de baliarco (was ist das?) V, de pisis tribus, de fabis tribus.

Folgt mit einem grossen Anfangsbuchstaben S. 29, Z. 37 Supra positarum igitur speculationibus figuram ab euclide succincte obscureque prolatis was im gedruckten Boethius S. 1514 bis 1516 zu lesen ist, bis zu den Worten sine omnis impedimenti reclamatione adinuenire potest et componere, mit welchen S. 30 Z. 41 schliesst.

Dieses wunderliche letzte Stück giebt als Anweisung zım weiteren Verständniss der Dunkelheiten des Euklides die Auflösungen seiner ersten drei Aufgaben, wie sie auch ohne Vor- und Nachrede im Euklid des Gudianus stehen, und zwar reine Uebersetzung aus Euklides. Die Anord- nung ist in der Münchener Handschrift ebenso, die drei Probleme f. 32* (= S. 1495f.) getrennt von den Auflösungen f. 366 (= S. 1514—16). Kann man nun solch ein unsinniges Stück wohl dem Boethius zutrauen?

Aber hat man denn Grund ihm die vorhergehende Uebersetzung der Prolegomena und vieler Probleme S 1487 bis E514 zuzutrauen? Allerdings ist eine mit Quia vero, mi Patrici geometricorum exercitatissime, anfangende Vorrede vorausgeschickt, und das folgende unterscheidet sich oft im Ausdruck, besonders zu Anfang, von der Uebersetzung im Gudianus und in der demonstratio artis geometricae, und manches ist im Boethius richtiger. Aber schon in den Pro- legomenen kommt S. 1489 zwischen den Definitionen der

94 LACHMANN .

Figuren der Satz Finitima vero mensuralis est linea quae aut pro aliqua observationum aut aliquo terminorum observatur, der aus Frontin 72A genonímen ist und an derselben Stelle (die späteren Drucke weichen hier von der Ausg. von 1499 ab) in die demonstratio gerathen war, p. 378, 8 unserer Aus- gabe. Ferner habe ich schon bei der Aufzählung der Stücke aus Euklides bemerkt wie Boethius überall mit der de- monsiratio übereinstimmt und sogar S. 1514 mit demselben unsinnigen Zusatze schliesst.

Hat Boethius etwa gar keine Geometrie geschrieben ? Wenigstens Gerbrecht erwähnt ihrer in der seinigen gar- nicht, sondern bezieht sich nur auf die Musik und Arithmetik.

Mit S. 31 der Rostocker Handschrift, mit grossem An- fang und nachdem die ersten beiden Zeilen leer gelassen sind, beginnt ein neues Werk, also das dritte.

Zuerst bis S. 34 Z,3 der lange Abschnitt aus Colu- mella, von dem auch in der demonstr. art. geometr. Spuren waren, nämlich 5,1, 4 bis 5, 3, 9. . Anfang Quia a nobis praecepta mensurarum desideras, obsequar voluntati tuae. Schluss Et ne in infinitum procedat disputatio nostra, eadem proporlione utcvque laxiora spacia faciemus.

Zweitens die Berechnungen des Flücheinhalts von ge- gebenen Aeckern, mit dem Anfang Castrensis iugerus qua- dratus habet perticas CCLXXXVIII wie bei Goes. S. 311 bis 315, bei uns 354, 2 356, 23 am Ende mit einem klei- nen Zusalze, den ich, wie unvollständig er auch ist, dort hin- zugefügt habe. .

Drittens, von S. 35 Z 4 an, starke Auszüge aus.Bal- bus, oder vielmehr der ganze zweite Theil seines Buches

über die dem Beethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 95 -

wie ihn die Handschriften der zweiten Classe geben, bei Turneb. append. p. 1—6, bei uns 95, 5 106, 8.

Viertens, von S. 37 Z. 12 an bis in die 21ste das I5te Capittel der Geometrie Gerbrechts, dann das 55ste, das 49ste, das: 56ste. Am Ende noch, was ich bei G. nicht fin- den kann, Circulum incrassare si uis diametrum cubice ipsam

am

cubieationem. XI. ducas. Ex ea summa XXI. accipias. et erit eius sperae crassitudo.

Fünftens, S. 37 Z. 40 fangen die Capittel aus Isidor an, die auch der Gudianus hat, etwas vollständiger. Ord- nung und Lesarten habe ich in der Ausgabe 367, 9 370 angemerkt. |

Oben auf S. 39 Z. 12 endigt die ganze Schnít, Die Rückseite ist leer, wie S. 18 bei der ersten. Die zweite und dritte haben verbundene Blätterlagen.

S. 41 folgen von Gerbrechts Geometrie Cap. 14 bis zu Ende, S.58 Z.8, wo hinter dem letzten Worte des 94sten Capittels scribimus steht^ Finit.

Hierauf andere mathematische Sachen, die ich nicht genau untersucht habe. S. 61 oben Spaeram celi facturus ducas cireulum per medium globum. Z. 10 schliessend Cetera necessaria spere docet yginus.

Dann Dno suo summo pontifici et philosopho adalboldo G. uite felicitatem et felicitatis perpetuitatem. Es ist das Schreiben von Adalbold an Gerbert in Pez thes. anecd. noviss. 3, 2, S. 88 ohne die Vorrede; oben auf S. 63 Z. 6 der Handschrift (die übrige Seite ist leer) schliessend in pu- teorum profunditatibus bei Pez S. 92 kurz vor dem Ende.

96 LACHMANN über die dem Boethius zugeschrieb. agrimensor. Gtücke.

Auf der folgenden Seite (64), deren grössere Hälfte leer ist, Adalboldo nunc usque dilecto semperque diligendo, fidei integritatem integritatisque constantiam. In his geome- tricis figuris quas a nobis sumpserat trigonus quidam equila- terus ete. Noch mehrere Absätze bis S. 67, die noch fast vollgesehrieben ist. Zwischen S. 66 und 67 fehlt ein oder mehrere Doppelblätter in der Mitte der Lage.

UEBER FRONTINUS, BALBUS, HYGINUS UND AGGENUS URBICUS.

VON LACHMANN.

Römische Feldmesser Il. 7

Mechdem unser Freund Blume die Leser über die Hand- schriften und ihre Verhältnisse unterrichtet. hat, werden sie von mir Rechenschaft verlangen von dem Gebrauch den ich von den Handschriften zur Herstellung der ursprünglichen Texte gemacht habe. Ich werde diese Rechenschaft so geben, dass man meiner Darstellung die Freude anmerken mag, die wir die freilich höchst mühselige Arbeit gemaeht hat. Viel- licht dass doch einer oder der andere, was mir so anziehend gewesen ist, eben darum auch seiner Aufmerksamkeit werth hi Oder vielleicht lacht man auch über mein kleinliches Vergnügen àn'unwichtigem, und dass ich mich daran meines Fleisses rühıne. Immer besser, man lacht, als- wenn schon enmahl einer über meinen Hochmut ein ganzes verdriess- liches Werk geschrieben hat. ^ Dank wird mir, mein viel- jähriger Kraftaufwand doch nicht einbringen. Denn wer hat Lust und Geduld einem Kritiker seine Sorgfalt nachzu- rechnen? Wer wird nicht vielmehr klagen dass ihm hier doch wenig vollständige Schriften geboten werden, geschweige classische, als dass er fragen sollte wie wenige vereinzelte Sätze in den bisherigen drei Ausgaben auch nur versländlich gewesen sind, wie selten wohl irgend eine Seite im Zu- sammenhange? Für den Zusammenhang eben, für die Dar- stellung welche hier Kunstverständige von ihrem Gewerbe 7 *

100 Vorrede.

geben, für das persónliche der einzelnen Schrifisteller, kurz gerade für das worin mein Vergnügen lag, werden vielleicht die Leser denen der Inhalt dieser Schriften noch .am ersten wichtig erscheint, den wenigsten Sinn haben. Wer nach einem ausgeführten Bilde des Alterthums strebt, ist geneigter in seinen schon fertigen Entwurf einzelne Züge hinein zu tragen, als dass er die alten Darsteller emes Theils alter Wissenschaft oder Kunst und die Weise ihrer Darstellung nun auch selbst als Erscheinungen des Alterthums einer frischen ' Betrachtung unterwerfen ‚möchte. Er giebt sich nicht ‘gern unbefangen dem Alterthum hin, sondern er will zu dem was er hat. nur zulernen. "Und zumahl der Jurist gewöhnt sich leicht, schen von den Pandekten her, zu der ‚edeln aber oft gefährlichen. Kunst die gegebene Form für zufällig zu nehmen, .und den Gedanken, die, inneren Trieb- ‚federn des gesagten, anderswo zu suchen und mit oft glück- lichem Scharfsinn zu vermuten. Indessen wenn dieser Scharf- ‚sinn ehrlich ist, so muss es ihm lieb sein so oft als möglich durch die ausdrücklich erklärte Meinung des’ Schriftstellers beschränkt und aus. dem Schwanken zu festem Stande ge- bracht zu werden, und so muss ihn die Wahrheit auch ohne . Dank gewinnen. Ich glaube eben dadurch der Wahrheit viel näher gekommen zu sein, dass ich.die einzelnen Schrift- steller und die einzelnen Schriften in: ihrer Eigenthümlich- keit aufzufassen und überall die Gedanken in ihrem Zu- sammenhang darzustellen gesucht habe. Mögen nun Kenner sehen was sich daraus bestimmteres für die Erkenniniss des Alterthums ergiebt. |

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Sextus. Julius Frontinus.

Welche Handschriften ich gebraucht habe, sagt das dem Text vergesetzte Verzeichniss. Unnütze habe ich versehmäht, und die gebrauchten sind gerade hinreichend. Nur. von Blumens dritter Classe .wäre noch eine.für einzelne Stellen wünschenswertb, um die zufälligen Lücken der erfurtischen zu ergänzen: aber die übrigen bekannten sind nach Beschtei- bungen und .Proben alle noch unvollständiger und höchst: unzuverlässig.

Es ist natürlich, dass unsere Aufmerksamkeit zuerst auf dem ältesten und .gebildetsten unter den Schriftstellern über die Feldmesskunst ‚haftet. Wer sollte aber glauben dass Niebuhr der erste gewesen ist, der die Schrift des Sextus Julius Frontinus unter Domitian gesetzt hat, den er (S.54, 11) praestantissimus Domitianus nennt (róm. Gesch. 2, $.378. 542 der ersten Ausg.)? Aber er war freilich auch: der erste, der die Stücke welche Frontin gehóren heraus erkannte und ihm die fremden bestimmter absprach. Im. Agennius den Frontin :zu finden, war unbefangener Scharf- sinn nöthig: aber dass des Balbus geometrische Schrift und gar das Verzeichniss der Colonieen. dem Frontin zugeschrie- ben ward, kann man nur elwa dem Seriverius verzeihen, | der in -blindem Eifer seinem Vegetius und Frontin möglichst viel ungedrucktes aus seinem Reichthum beifügen wollte; nicht mehr Willem van der Goes, der von seinem Verwand- ten N. Heinse, der die Feldmesser viel las, doch ein wenig Kritik hätte lernen können, noch weniger den heutigen Philologen, die trotz: Niebuhr was sie nieht kennen getrost anführen, während sich jeder von ihnen schämen . würde die rhetorica ad Herennium als ein Werk von Cicero zu

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behandeln. Die Zweifel, ob etwa nicht derselbe Frontinus, von dem die zwei bekannten Schriften sind, eine Unter- weisung. für Feldmesser verfasst habe (s. Polen. zu Frontin de aquis, prelegom. p. 16), beruhen nur auf den falschen Stücken.. Vielmehr deutet Frontin selbst in den beiden andern auf eine noch ältere Lehrschrift. In. dem auch noch unter Demitian gesehriebenen Nachtrage zu seiner. Kriegskunst sagt er in der Vorrede Nam cum hoc opus, sicut cetera, usus polius aliorum quam meae commendationis causa aggressus sim: sicut cetera, wie die Feld- messerkunst und die Kriegskunst. Und eben so beziehen sich auf diese beide die Worte in der Schrift über die Wasserleitungen, die Frontin unter Nerva anfing, $. 2, In aliis autem libris, quos post experimenta el usum composu), succedentium res acta est. Es ist eben nicht wahrsehesmlich dass ein Geschäftsmann, ‚den niemand als Redner lobt, eine bestimmt ausgeprägte Schreibart, zu- mahl schon für sein erstes Buch, sich sollte erworben haben: und würden wir sie in den Auszügen (denn es ist ja wenig mehr was wir haben) mit Sicherheit. erkennen? Wenn also hier Fronün zu gemeinen Feldmessern in der Redeweise des Handwerks spricht, so dürfen wir uns eben.nicht wundern dass in. seiner letzten Schrift alles glätter und ausgebildeter ist. Auffallendes wird man in unserer genug finden, beson- ders wenn man den Sprachgebrauch dieser Schriftsteller noch nicht kennt. Ich will nur eines Wortes erwähnen, weil ich es in einer willkürlichen und kaum: erklärlichen Form habe geben müssen. Sescontrarium, wie ich S. 33, 21 ge- schrieben, würde etwa das halb gegenüber liegende bezeich- nen: der Begriff ist aber etwas bestiminter, in einer ent- sprechenden Lage oder Gestalt gegenüber stehend. Es ist die Rede von- einer im Thal zu :ziehenden Linie (rigor),

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welche der auf der undern Seite des Berges gesogenen (sescontrario) an Richtung und Länge gleich sein soll. Die Handschriften haben sisincontrario .und se in con- trario. Hyginus de limitibus constituendis S. 186,9. 187,5. 14 braucht das Wort drei Mahl; zuerst dass er von den beideh Wendekreisen sagt, einer sei dem andern ordinatus, wel- ches bei diesen Schriftstellern, auch bei Frontin, der gewöhn- liche Ausdruck ist für parallel: dem arktischen sei der an- tarktische sescontrarius. brumalem appellant: nam et solistitiali est ordinatus. septentrionali deinde sescontrarium austrinalem appellant. Hier geben die Handschriften sicontrarium, se contrarium, est contrarius, contrarium. In den beiden übrigen Stellen wird tetartemorio nostro entgegen gesetzt seseontraria pars, dem nordwestlichen das südwestliche Viertel der Erd- scheibe, wrelches er gleich darauf parallelon nostri letartemorii nennt, und "wieder gehört der nordöstliche Theil- der heissen Zone.zur sescontraria pars, der süd- westliche zu nostra pars. Hier hat zuerst die Handschrift G ses contrariae, die übrigen siscontrariae, sit con- trariae, si contrariae, zuletzt aber AEG sescontrariae, B sexcenturiae. Auch bei Balbus S. 102, 16 habe ich aus recontrarii rectis gemacht sesconirarii. Mit einem ganz ähnlichen ‚Sprachgebraüch sagt Vitruv 9, 4, 13 (9, 1, 2 Schn.), die Natur habe den einen Cardo der Weltachse über Erde und Meer hinter den grossen Bären gesetat, alterum transcontra sub terra in meridianis partibus. -

Der erste von den uns überlieferten Abschnitten, de agrorum qualitate überschrieben, bietet der kritischen Behandlung keine grösseren Schwierigkeiten ‘dar als jedes andere Stück aus dem Akerthum.. Mit dein zweiten, de controversiis, glaubt man beim ersten Anblick/eben so

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leicht fertig zu werden. Würklich wird man in beiden Auí- sätzen, nur. selten etwas: nach Vermutung gebessert finden. Die beiden Handschriften. À und G, der ersten und.der zweiten Classe, stimmen ohne irgend .bedeutende- Abweichungen in Ordnung und Worten genau überem. Selbst dass von der ‚ersten ein Blatt, verstümmelt ist, und eins ausgeschnitten bringt keinen erheblichen Nachtheil. Es ist schon beinah Ueberfluss, dass auch noch E, . eine Handsehrift .der.dritten Classe, in ihrer gewöhnlichen Verwirtung einige Seiten lie- fert, und auf diesen nichts besseres. Selbst das commentum: Aggeni Urbici, nur in den: Handsehriften der zweiten COlasse,. aueh für den Anhang su Boethius mehr benutzt, die jämmerliche Arbeit eines christlichen Schulmeisters, giebt zur Verbesserung dieser Abscbnitte nicht den kleinsten Beitrag. Fest genug ist also in diesen Stücken Frontins die Ueberlieferung: ob aber eben so echt, wird von dem zweilen bei näherer Betrachtung sehr ungewiss. Denn, was auch Blume schon bemerkt hat (rhein. Museum für .Jurisprudenz 5, S. 379), wo auf den Rechtsstreit über den, Rigor der über den.Finis folgt, S. 11. 12, wird doch kein vernünfliger. Mensch zu den Worten De fine similis est controversia hinzu fügen nec dubium est quin supra de finis condicione dixerim, „und ich habe sicherlich oben vom. Verhalten des Finis gesprochen“, wenn ınan unmittelbar vorher gesagt hat De rigore controversia est finitimae condicionis. Aber auch dies schon ist gegen die Weisé Frontins, der in dieser kurzen Aufzählung die Controversen nie auf die beiden materiae, wie er sie nennt, auf Finis oder Locus, zurück führt... Und wer erst die Weise seiner Ausleger kennen ge- lernt hat, wird bald finden. dass der Zusatz finitimae con- dicionis und der andere vollkommen in ihrem Geschmacke sind. Wie sollte ferner Fronün S. 16 zu den Worten De

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possessione conlroversia est de qua ad interdictum litigatur noch den. albernen Zusatz gemacht haben hoc est iure ordinario, „dag heisst, uicht vor einem Arbiter ?“ Desgleichen S. 19 quod si ad haec revertamur, „wenn wir nun aber auf folgendes achten, so hat die Sache ihren Grund“, und gleich. darauf sed si rationem appellationis huius tractemus, „aber um nun auch die Ableitung die- ser Bezeichnung durchzunehmen“, sind die leeren Formeln eines ungeschickten Lehrmeisters, der. die Knaben aufmerk- sam machen will Es könnte in demselben Absatze viel- leicht auch noch mehr als ich eingeklammert habe bezwei- felt werden. Sicherer ist dass nach der guten ‚Erklärung | De subsicivis controversia est quotiens aliqua pars centuriae sive lota non est adsignata et possi- detur,.S. 20, nicht eine zweite andre durch aut in einem besonderen Satz nachzutragen war. Und was, für eine Er- kürung! Aus der die Schüler lernen sollten dass der Streit um Subsiciva sich auf die äussersten Enden der Grundstücke zu beziehen pflege; und aus der sje dies nicht einmahl rich- üg lernten. Aut quidquid de extremitate perticae possessor proximus detinebit, ad subsicivorum controversiam pertinebit Wenn der. nächste Besitzer sich die Grenzlinie des assignierten Landes anmasst. Darüber kann die Gemeine allerdings klagen, wenn der Grenzrain ein lier publicum ist oder Scheidung zweier Stadt- oder -Dorf- gebiete (Frontin S. 41, 16). Aber was hat denn ein solcher Grenzrain von den Eigenschaften der Subsiciva an sich, die eben über-die extremitas perticae hinaus gehen? Es ist de fine controversia, nicht aber subsicivorum con- lroversia zu nennen, am wenigsten mit diesem Genitiv, der gegen den Sprachgebrauch unserer Schriftsteller ist;

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der besseren wenigstens: Agennius sagt freilich S. 66, 4 finis enim incipit esse, nämlich controversia, aut loci.

So viel Anstösse giebt der Inhalt, und vielleicht noch mehrere, wer schärfer ;aufachtet. Nun kemmt aber hinzu dass in dem: Anhange zu Boetkius Geometrie, oder mit Blume zu reden: in den Handschriften der vierten Classe, (genau soll man sagen in der demonstratio artis geo- metricae) noch ein Paar ähnliche Zusätze vorkommen, die unsern Handschriften fehlen. Wenn ich die Worte SS. 399, 3 so gut als möglich einrichte, so kommt folgendes heraus: | De positione terminorum controversia est inter

plures, trifinium faciant, aliquibus locis et quadri- finium, secundum proximi temporis possessionem. dum hoc nesciunt, non eis convenit, et diversas controversias ipsi possessores inter se faciunt: alii de loco, alii vero de fine litigant. Sollte darauf, kann man wohl: ‚fragen, das folgen was unsere Texte haben? -S. 10, 4. -

' "de horüm .opinione (so die Handschriften) cum ton- stitit; mensori, si secundum proximi temporis pos- ‚sessionem non conveniunt, diversas attiguis possesori- bus faciunt controversias, et ab integro: alius forte de loco alius de fine litigat. |

Oder war jenes Geschwätz von der Unwissenheit und den verschiedenen Streitversuchen der Grenznachbarn an die Stelle der echten Worte Frontins getreten? die ' so lauten, S. 10, 1. De positione terminorum controversia est inter plures, trifinium faciant an quadrifinium. de horum "ordinatione cum constitit mensori und weiter wie oben^ '

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In beiden Fällen ist die Abweichung von dem uns über- lieferten gross und gewiss nicht lobenswerth. Aber noch merkwürdiger ist was wir. bei S. 15, 4 Enden. Der falsche Boethius hat nach den eben angeführten Worten (S. 399, 10) alii de fundis adtendunt (für contendunt?). Darin können wohl nur die Sätze des Frontinus stecken. Propterea proprietas ad quas fundos pertinere debeat . disputatur. : est el pascuorum proprietas pertinens ad fundos, sed in commune. Aber weder darauf noch auf die weitere Ausführung kann unmittelbar gefolgt sein was bei Boethius hinzu geselzt wird: sondern erst nach den frontinischen Worten, aber aus seiner Abhandlung der Controversen im zweiten Buche, S. 48, 26, die hier auch das Commentum Aggeni anführt, S. 15, 28. et de eorum proprietate solet ius ordinarium moveri, non sine interventu mensurarum, quoniam demonsiran- . dum. est qualenus sit assignatus aget, . erst hienach findet der Zusatz bei Boethius seine Stelle, sed avido (wohl provido) modo quaerenda est prius origo causae. Also ein Zusatz bei. Boethius, ‚ein ohne Zweifel unechter, der dem Sinne nach vollkommen, aber nicht in den Worten, mit dem Commentum: stimnit. Und gleich im folgenden hat Boethius. die nächsten Worte Frontins mit einer auffallenden Vermehrung ; Nam per hereditates aut emptiones huius generis coniroversiae fiunt; quare iure ordinarie liligatur. prius tamen in iudicio super possessione quaestio finialur, et tunc agri mensor ad loca ire praecipiatur, ut patefacta veritate huius modi litigium terminetur:

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Dies ist. wörtlich, mit Ausnahme von in iudieio aus einer Verfügung Constantins entlehnt, der ersten finium regun- dorum im Theodosischen Codex (S. 267). Nun steht aber auch in dem Commentum dasselbe, nur mit eigenthümlichen Zusützen. Ich lasse mit gerader Schrift drucken was der Verfasser weder hat von Frontin nehmen können noch nach seinen Gaben selbst erfinden. S. 16, 18. | De possessione fit controversia, quotiens de totius fundi statu per interdictum, hoc est iure ordinario, HKtigatur. hoc non est disciplinae ‚nostrae iudicium, sed apud praesidem provinciae -agi- ‚tur, et ex lege restituitur possessio cui pelerit obtineri. '' in his secundum locum habet disciplina nostra, sicut lex ait ,nisi de possessionis statu Quaestio fuerit terminala, ‚non licet mensori praeire ad loca. 0 Was hierin nicht von dem Verfasser des Commentum ist, . setzt mich in grosse Verlégenheit. Denn woher er seine übrige Weisheit hat, das braucht entweder niemand zu wis- sen, oder-ich kann es nachweisen: nur diese Stelle, und eine ähnliche, die ebenfalls offenbar aus einer kaiserlichen Constitu- tion geflossen ist, hat | er aus einer mir. unbekannten Quelle. S. 8, 26. | Nam agri mensor omnis doctus centurias delimitare - «potest ac suis redintegrare limitibus, assignare autem nullo modo potest, nisi sacra fuerit praeceptione ^^ firmatus. | Wie nun, wenn ich aus dieser Verlegenheit über die unerklärliche .Gelehrsamkeit in. dem Commentum, und aus den beiden andern über die Zusätze beim Boethius .und über die in unseren Texten, mich auf einmahl durch eine kühnere Vermulung reisse? Es wird. mir immer wahrscheinlicher

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dass allen dreien. eine gemeinschaflliche Quelle floss; dass ein älterer uns verlorener Commentar über die beiden ersten Stücke des Frontinus “die Erläuterungen in unsern Hank schriften und bei Boethius lieferte, dem Commentum aber derselbe vielleicht das meiste von dem was nicht gradezu nach dem Grammatisten aussieht. Aber der Grammatist brauchte seinen Verstand: so schrieb er, um die Kinder nicht zu belästigen, bei der Contrevers über Eigenthum die. eehten Worte der constantinischen Constitulion nicht ab, sondern lieber die ausführlichere Widerholung derselben bei der fol- genden Controvers über Besitz. Und ein für uns bedeutendes Verdienst muss dem Commentum bleiben, dass es uns, wie wir noch finden werden, so viel aus des Agennius Commen- tar über einen .Theil des zweiten Buchs des Frontinus, und dadurch so_ viel von Frontinus selbst, gerettet: hat. Denn der vermutete Commentar zu den Abschnitten de agrorum qualitate und de controversiis hat, wie ich glaube, noch nichts von Agennius gehabt: wenigstens passt von den Zusätzen keiner in den Agennius, und bei Boethius findet sich zwar manches aus Frontins zweitem Buche, aber nir- gend ein Satz des Agennius. Nur Frontins Vorrede zu der Abhandlung von den Controversen im.zweiten Buch, Satis, . ut puto, dilucide, hat auch der sogenannte Boethius schon mit den Vermehrungen gelesen, die wir also. wohl nicht erst dem Agennius zuschreiben dürfen, sondern der an- genommene ültere Commentator wird, wie nach ihm der Verfasser des Commentum (S. 25, 4), jene Vorrede mit Er- läuterungen .dem Commentar beigefügt haben. Ob auch Agennius selbst dies gethan hat, lässt sich weniger bestimmt sagen: denn möglich bleibt immerhin, dass er noch nicht, sondern erst. ein späterer Sammler, die Vorrede -an den Schluss seines Buches (S. 89, 25) gesetzt hat. . Ueberhaupt

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mag ich nicht. entscheiden ob Agennius jünger gewesen ist als der Commentator, und ob er diesen benutzt hat: ich finde hur.Zwei Stellen aus dem ersten Buch des Frontinus die er ausschreibt, aber nicht mit Interpolationen, obgleich. schon verderbt. S. 81, 13: hat er quod a -subsecante linea nomen accepit subsicivum, wie unser Text S.6, in dem aber das letzte Wort ohne Zweifel nur eine ungebür- liche Widerholung des folgenden subsicivorum ist. S. 79, 15 steht. bei ihm quarum silvarum proprietas ad quos pertinere debeat vindicatur; richtig vielleicht quarum silvarum, welches unseren Handschriften S. 15, 3 theils fehlt, theils mit propterea vertauscht wird: aber vindiea- tur, oder was der ‘Sinn verlangt iudicatur, ist, wie bei Boethius de fundo adtendunt (contendunt), abwech- selnder Ausdrück, wahrscheinlich ein Versuch das uns. über- lieferte discutiatur zu verbessern, ein schlechterer freilich als disputatur sein würde.

Mit ‘der Aufzählung der Controversen hört das. Com- mentum auf: aber die Interpolationen dauern noch fort in dem folgenden Abschnitte Frontins, S. 26. 27, den Hand- schriften aller drei ersten Classen ohne Ueberschrift anfügen, und aus dem auch der Anhang zum Boethius, wie es scheint, ‘ein Paar Worte giebt. Ein störendes Einschiebsel ist offen- bar in dem Satze, quidquid huic universitati (nämlich der Pertica) adplicitum est ex alterius civitatis fine, [sive solidum sive cultellatum fuerit,] ptaefectura appellatur. Cultellatum hat schon' Turnebus für die Fehler. der Handschriften gesetzt: es war Fahrigkeit von Saumaise, wenn er dafür (exercitat. p. 486b) mutilatum wollte. Solidum ist freilich nicht der passende Ausdruck, sondem planum oder aequum: aber der ganze Zusatz ist müssig und giebt keinen zur Sache gehörigen Gedanken,

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sondern nur einen leeren Uebergang zu der folgenden Be- trachtung über die cultellatio. In dieser selbst ist aber. wieder der Satz Cultellamus ergo agrum eminen- tiorem, et ad planitiam redigimus inaequalitatem, nicht nur überflüssig und unnütz, sondern er nimmt auch dem folgenden hanc seine Beziehung auf das vorher gehende rationem, welches daher in der Handschrift G hier ganz verständig widerholt ist.

Kurz vor dem Ende dieses Abschnittes S. 27, 9 brechen die Handschriften der zweiten Classe die lüngeren Auszüge aus Frontinus ab. Zufällig endigt eben da die 74ste Seite der ältesten Handschrift, und das nächste Blatt ist verloren. Seriverius, wenn :er in seiner Handschrift. der dritten Classe besser Bescheid gelernt hätte, konnte den fehlenden Satz ergänzen, und musste auf diesen das Stück folgen lassen, welches er unter dem Titel de limitibus zuerst heraus- gegeben hat. Jenen Schlusssatz giebt Muratori (antiq. 3, 995) aus einer Handschrift. zu Modena: ich hoffe aus den Ver- derbnissen der weit zuverlässigeren zu Erfurt den Gedanken richüg erkannt zu haben, mag aber nicht für die Worte stehen. Dem längeren Bruchstücke de limitibus (S.27,13 bis 34, 13), hat der unkritische van der Goes, der es weit von Frontin entfernt hat, S. 215,- sogar den Namen desselben enizogen, weil er (notae p. 166) in irgend einer schlechten Abschrift Hy gini fand. Scriverius scheint wenigstens soviel gemerkt zu haben, dass auf dem fehlenden Blaue seiner eigenen alten Handschrift A der Anfang dieses Stückes ge- standen haben müsse, weil auf der 75sten Seite die Fort- setzung folgt, und dass also alles hinter den Abschnitt von der cultellatio gehöre: er hat aber das .Commentum zwischen beide geschoben und dadurch den späteren Heraus- geber verführt. Scaliger liess in den Auszügen aus der-

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selben Handschrift, die ihm ein Franzose. machte, in dem Leidener MS. Scal. No. 56A, welches. ich durch Geels Gefülligkeit eben jetzt im Sommer 1844 vor mir liegen habe, vor der Abschrift von S. 75 A anmerken Addenda 1n fine Frontini de agrorum qualitate. pag. 52 (nämlich nach Turnebus Ausgabe, vor dem Commentum). Desyderabatur fol. in MS. "a -

Frontins erstes und zweites Buch.

Ob aber diese Stücke würklich hier an ihrer rechten Stelle stehn, und zu welchem Haupttheil des Frontinischen Werks sie gehören, ist eine schwere Frage; in deren. Ent- scheidung ich lange geschwankt habe. Es sind dem Inhalte nach eigentlich vier; der Schluss einer allgemeinen Aufzäh- lung der Verhältnisse der Limites und des limitierten Landes, éme Bemerkung über den natürlichen Grund der Flüchen- gleichung, historische Betrachtung der Anfänge und ersten Grundsätze des Limitierens, Anfang des Unterrichts im Aus- messen eines Ackers. Nach der Unterschrift in der Erfurter Handschrift endigt damit das erste Buch des Julius Fron- ünus Siculus. Aber weder giebt der unrichtige Zusatz. bei dem Namen. dem übrigen viel Sicherheit, noch endigt hier überhaupt ein Buch; so dass, wenn Gründe dagegen sind, diese Stücke nicht eben nothwendig dem ersten Buche zu- zutheilen sein werden. Die alte Handschrift des Johann Arcier hat Iuli Frontonis liber explicit feliciter;- womit nur gesagt wird, hier endigen die Auszüge aus den Schriften des Mannes dessen Name auch hier entstellt ist. Im Arcerianus folgen die Colonieen, in der Erfurter Handschrift und er- weislich schon in ihrer Quelle Nipsus mit der auch hier in der Zählung bedenklichen Ueberschrift Incipit Marei Iuni Nipsi liber II feliciter: denn es kónnte viélleicht gemeint

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sein, die Auszüge aus Frontm seien das erste Buch‘ der Sammlung, die aus Nipsus das zweite. Wenn wir uns nun nach andern Zeugnissen über Ordnung und Zahl der Bücher Frontms umsehen, so finden wir deren nicht mehr als zwei. Die Handschriften der zweiten Classe haben in einer Reihe von kürzeren Auszügen, G 213, (nach S. 308, 27 unserer Ausgabe) ein Stück über das Supercilium mit der Ueber- schrift Ex libro Frontini secundo. Dies selbe Stück aber findet sich: wörtlich wieder in dem sogeriabnten Sim- plicius S. 73,28; nur dass. hier die letzten Sätze S. 74, 11— 14 fehlen, offenbar aber auch noch viel mehreres. Schon hier: aus wäre zu schliessen dass der Simplicius (S. 59 bis 77, 18, oder mit den Umstellungen der Handschrift bei Goes S. 76 bis 89 und im rheinischen Museum für Jurisprud. 5, S. 360 bis 373) Stücke von Frontiri enthält: und da er ohne Frage eine zusammenharigende Darstellung der. fünf ersten frontini- schen Controversen giebt, so. folgt dass'Frontinus im zweiten Buche noch einmahl die Controversen behandelt hat. Noch einmahl, und offenbar. ausführlicher: denn die Vermutang, dass die Abhandlung de controversiis, die ich bisher ohne strengen Beweis als einen Theil des ersten Buches be- handelt habe, etwa nur ein interpolierter Auszug aus dem zweiten Buche sein möchte, diese Vermutung, ob. sie gleich Blume im rheinischen Museum 5, S. 379 aufgestellt hat, muss bei dem ersten Versuch der Vereinigung ‚schwinden, und immer mehr schwinden’ je- genauer man die Art der Ueberlieferung im Simplieius. kennen lernt. Als zweites Buch scheint sich denn auch der Simplicius selbst zu bezeichnen in einem Theil der Sätze die von der Einleitung den Ueber- gang machen zu den Controversen, S. 64, 9 neces- sariam studiis exercitationem huius quoque partis existimavi: uno enim libro instituimus artificem, Römische Feldmesser II. 8

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alio:de arte-disputavimus. superest nunc^ut de

controversiis dispiciamus. Man könnte zwar denken, die Céntroversen gehörten nicht zur ars des Feldmessers und machten das dritte Buch aus: aber es. folgt .(ich nehme hier schon die erst später nachzuweisende richtige Ordnung der Blätter an, und die richtige Beziehung dieser Worte) S, 65, 19. queniam.in priore .parte, libh sequentium rerum ordo absolute. de his disputari inhibuit. Also was ich: angenommen habe, schon vorher waren die Contro- versen abgehandelt, .aber nicht vellstindig genug. Ich meine, im ersten Buche. Hier steht freilich in priorem partem (sb hat die Handschrift) libri: das kann. aber unmöglich heissen sollen Vorn im Simplicius, selbst wenn man. die . Worte nicht auf die Controversen sondern auf die Status bezieht: denn da ist von andern Dingen die Rede. Auch wird nachher im Agennius bei de possessione. contro- versia S.81, l.gesagt in superidre parte, und. damit ist gemeint de logo controversia im Simplicius, das heisst igı ersten Theil zu Agennius, S. 74,29. In unserer. Stelle konnte der Verfasser .des Simplicius gar nicht zurück ver- weisen; und-Frontin, wenn. ihm die Worte gehören: sollen, aur auf sein erstes Buch, es müsste denn auch die kürzere ‚Abhandlung. von den Controversen sehon zu seinem zweiten Buche gehören. Da aber dies bei'der gänzlich verschiedenen Manier unwahrscheinlich ist, so wird wohl Frontin nur in priore geschrieben. und der' Verfasser des Simplicius dies abgeschrieben haben: parte libri ist vom einem dritten. Noch sicherer muss es ein dritter sein, der .nun in.derselben Stelle S. 64, 18 diese hier abgesonderte Darstellung der Controversen, im Widerspruch mit dem bisher betrachteten, den vierten Theil des Ganzen nennt, Quae pars, quamvis quarta sit universitatis, seiungitur. Und auch nur

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dieser dritte kann von dem Inhalt des dritten fünften ünd sechsten Buchs reden, wie er an das echte de arte dispu- tavimus 'anknüpfend sagt exigit enim ars seieritiam metiundi, cui datur libri tertii pars (ist dies gemeint? Die Handschrift hat exigit enim pars scientiam metiuna eludatur libra tertia pars), quam quinto et sexto libro continuabimus (die Handschnft conminua vimus). Was im ersten und zweiten der sechs hier angedeuteten Bücher behandelt sei, vieleicht auch nech in einem Thed. des dritten, ist schwer zu sagen: wir erfahren nur dass der Gegenstand der sechs Bücher, die gesammte Kunst des Feld- messers, eigentlich dreitheilig sei; cuius (artis) triper- titionem sex (die Handschr. ex) libris, ut puto, satis conmode (die Handsehr. conmodis) sumus executi. Nun kenne ich wohl eine solche Theilung ‘der Kunst, dfe Frontms nächster Nachfolger Hygin hat; de limitibus, de eondieionibus agrorum, de controversiis. ‘Ist hier dieselbe gemeint, so enthielt das erste Buch bis ins 'dritte ene Abhandlung wie Siculus Flaccus, de condicionibus agrorum, das dritte zugleich noch etwas von der Limitation, das vierte Frontins und Agennius Controversen, das fünfte und sechste die Fortsetzung der eigentlichen Messkunst und vielleicht. Aufgaben. Welche Schriften in^ die universitas aufgenommen waren, darüber liesse sich nur rathen: aber eine Sammlung verschiedener Schriften ist es, nach dem auf- genommenen Agennius zu urtheilen, wohl gewesen; wie ieh oben S. 112 in dem liber I und liber II der Erfurter Hand» schrift die Spuren einer andern Sammlung vermutete, und wie noch sichrer Niebuhr (róm. Gesch. 2, S. 536) aus dem zweimahlgen ex libro XIl Innocentius (S. 310; 1) und sicut in libro XH auctores constituerunt (9: 351, 20) auf weitläuftige Pandekten der Feldinesskunst geschlossen | g*

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hat. Dergleichen Sammlungen wieder, herzustellen aüs den wenigen Resten die uns geblieben sind, kann nicht gelingen, und für die Kenntniss der Sachen dürfte auch der gelungene "Versuch nichts austragen.

. Aber sagt uns nicht der dritte,. wie ich ihn genannt habe, der von der Sammlung aus sechs Büchern. spricht, (denn dass dies. Frontin. sei, wird wohl niemand mehr glayr- ben) sagt er nicht selbst, was in dem Anfange der Samm- lung enthalten sei? Sagt er nicht S.64,15 Et de adsigna- tionibus, et partitionibus agrorum et de finitionibus terminorum.hactenus, deputato arti (die Handschr. arlis) mensoriae ordine, meminimus, und ist dies nicht der Inhalt einer Schrift de condicionibus . agrorum? Allerdings, sofern es Worte des dritter sind: und ich lasse se vollkommen gelten, -sobald man die Worte deputato arti mensoriae ordine erst richtig verstanden bat, „in- dem wir zugleich der eigentlichen Messkunst ihren Platz an- gewiesen haben“, nämlich in einem. Theile des dritten und im fünften und sechsten Buche. Aber derselbe, Satz, natür- lich mit Ausschluss der eben erklärten Worte, ist auch zur Vollatändigkeit der echten frontinischen Rede nothwendig: depn: er. bildet den Gegensatz zu dem folgenden superest nunc ul de controversiis dispiciamus. Ist es aber Frontin der spricht, und habe ich mir seine Worte zum Ver- ' ständniss gereinigt wie man sie jetzt .S. 37,13 im Zusam- menhange lesen kann, so entsteht die Frage, ob auch Fron- tinus schon Hygins tripertitio gemacht habe. Ich glaube nicht: denn .alles, was wir von ihm lesen widerstreitet.. Er hat die bei den. Alten so gewöhnliche’ Art zu theilen, erst von dem Künstler, dann von der Kunst; und zwar jedes in einem Buche. Vno enim libro instituimus artificem, alio de arte disputavimus. Die Handschrift hat zwar

über Frontinus, Balbus, Hygimus und Aggenus Urbicus. 117

substituimus: aber ich wüsste nicht was das sein sollte als instituimus. Ich glaube, die institutio des Künstlers war eine. allgemeine Belehrung, mit welchen Gegenständen er sich zu beschäftigen habe: das zweite Buch gab ihm An- weisung, auf welche Art er bei jedem zu verfahren habe. Vom ersten haben wir einen Unterricht über die verschie- denen Arten . der: limitierten und nicht limiüerten Aecker, dann was für Rechtssireitigkeiten über Aecker vorkommen. Das zweite Buch ‘handelte von der Kunst des Mensors in den drei angegebenen Theilen. - De adsignationibus ét partitionibus agrorum; wie er das angewiesene Land limitieren solle, wie die Grenzsteine beschréiben, die bestimm- ten Theile‘ verloosen, die Zeichnung des